Nikkei, Kospi, Topix: Sorge um KI und US-Inflation – Aktienkurse in Asien stürzen ab
Quick Look
- Die Aktienkurse in Asien sind aufgrund wachsender Zweifel an der Rentabilität von KI-Rechenzentren und enttäuschender US-Inflationsdaten stark gefallen.
- Der Nikkei-225 verlor zeitweise über vier Prozent, der Kospi sank auf 5.568 Punkte, während Samsung Electronics und SK Hynix jeweils mehr als acht bzw. zehn Prozent an Wert verloren.
- Auch andere asiatische Indizes wie der Hang-Seng und der Shanghai Composite gaben nach.
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Why It Matters
Die Aktienmärkte in Asien standen unter Druck aufgrund wachsender Zweifel an der Rentabilität von KI-Rechenzentren und deren Zulieferern in der Chipindustrie, kombiniert mit fallenden Kursen an der Wall Street und höheren als erwarteten US-Inflationsdaten.
Nikkei, Kospi, Topix: Sorge um KI und US-Inflation – Aktienkurse in Asien stürzen ab
Gute Bilanzergebnisse vertreiben die Sorgen der Anleger nicht mehr. Ein tiefer Vertrauensverlust treibt die Chipwerte in Südkorea und Japan weiter nach unten – und damit auch die Indizes.
Elektronische Börsentafel: Am Donnerstag sackte Japans Leitindex Nikkei-225 zeitweise um mehr als vier Prozent ab. Foto: REUTERS
Tokio. Die Zweifel am Boom Künstlicher Intelligenz (KI) haben den Ausverkauf an Asiens Börsen beschleunigt. Neben den wachsenden Zweifeln an der Rentabilität von KI-Rechenzentren und deren Zulieferern, der Chipindustrie, trübten fallende Kurse an der Wall Street und Inflationsdaten in den USA die Stimmung.
Der Kospi sackte bis 11.14 Uhr Ortszeit auf 5.568 Punkte ab. Verantwortlich dafür waren vor allem die beiden weltweit führenden Speicherchiphersteller: Samsung Electronics verlor zeitweise mehr als acht Prozent an Wert, SK Hynix sogar mehr als zehn Prozent.
Der Nikkei-225 wird nicht ganz so stark von Chipwerten dominiert wie der Kospi. Dennoch fiel er bis zur Mittagspause auf 64.489 Punkte. Der japanische Speicherchiphersteller Kioxia trug mit einem Minus von rund elf Prozent seinen Teil dazu bei.
Der breiter gewichtete Topix gab dagegen nur um 2,5 Prozent auf 3.993 Punkte nach, weil einzelne Branchen wie der Einzelhandel, die Pharmaindustrie und Transportunternehmen zulegten.
Auch andere asiatische Börsen gerieten unter Druck: Der Straits-Times-Index in Singapur und der Hang-Seng-Index in Hongkong verloren in den ersten 90 Handelsminuten jeweils rund ein Prozent.
Der Shanghai Composite Index büßte 1,4 Prozent ein.
Hoffen auf TSCMs Quartalsbilanz
Selbst gute TSMC-Zahlen dürften wenig helfen
Zwar hoffen manche Anleger, dass Taiwans TSMC, der weltgrößte Auftragsfertiger von Chips, die Stimmung mit einer starken Quartalsbilanz drehen könnte. Der Konzern erläutert seine Zahlen ab 8 Uhr deutscher Zeit in einer Telefonkonferenz mit Investoren.
Doch Fumio Matsumoto, Chefstratege des japanischen Brokers Okasan Securities, erwartet, dass selbst gute Ergebnisse die Zweifel der Anleger am KI-Boom kaum vertreiben dürften. Die guten Ergebnisse im KI-Geschäft seien bereits eingepreist, sagt der Stratege. Der Markt dürfte daher in der kommenden Berichtssaison kaum steigen.
Shingo Ide, Chefaktienstratege beim Wirtschaftsforschungsinstitut des Lebensversicherers Nippon Life (Nissay), warnte, dass derzeit schon eine vage Verunsicherung die Kurse stark bewegen könne. Eingängige Nachrichten wie ein Vorstoß chinesischer Speicherchiphersteller oder eine US-Inflationsrate über den Erwartungen hätten in diesem Umfeld „zu einer Welle der Gewinnmitnahmen“ geführt, argumentierte Ide in einem Online-Kommentar für ein Forum der Wirtschaftszeitung Nikkei.
Kleine Abweichungen mit großen Folgen
Das Paradox: Dabei habe der US-Verbraucherpreisindex im September mit einem Anstieg von 3,7 Prozent lediglich um 0,1 Prozentpunkte über den Markterwartungen gelegen. „Wären die Aktienkurse nicht überbewertet, hätte man dies wohl als ‚nahezu wie erwartet‘ abgetan“, schreibt Ide.
Er warnt daher, dass sich der Kursrutsch noch vertiefen könnte. Bisher sei beim Nikkei die Marke von 65.000 Punkten als Untergrenze angesehen worden. Am Donnerstagvormittag rutschte der Index bereits darunter. Sollte der Verkaufsdruck ausländischer Investoren zunehmen, könne der Leitindex bis an das untere Ende seiner üblichen Schwankungsbreite fallen, also auf etwa 60.000 Punkte.
Auf diesem Niveau lag der Nikkei-225 zuletzt im Mai, kurz bevor Anleger die Aktien von Chipherstellern und ihren Zulieferern auf nie dagewesene Höhen trieben. Ein solcher Rückfall wäre eine abrupte Kehrtwende: Erst vergangene Woche hatte sich der Index wieder auf mehr als 70.000 Punkte erholt.
Devisen und Anleihen
Die Sorgen um die US-Wirtschaft und die Schulden in Europa spiegelten sich auch am Devisenmarkt wider. Der Dollar sank zeitweise um 0,4 Prozent auf 157,70 Yen. Der Euro wurde mit 177,09 Yen ebenfalls leichter als am Vortag gehandelt. Ende Juli war der Euro noch zehn Yen stärker.
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Auch die Renditen von Japans Staatsanleihen (JGBs) gaben weiter nach. Die Rendite zehnjähriger JGBs ging um 0,065 Prozentpunkte auf 2,93 Prozent zurück. Vorige Woche lagen sie noch bei 3,105 Prozent. Naka Matsuzawa, der Bondstratege der japanischen Investmentbank Nomura, sieht darin einen Stimmungswechsel: In Japan würden nicht mehr wie bisher steigende Renditen die Aktienkurse nach unten drücken, sondern fallende Aktienkurse die Renditen senken.
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What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Der Nikkei-225 könnte bis auf etwa 60.000 Punkte fallen, wenn der Verkaufsdruck ausländischer Investoren zunimmt.
Possible · Within weeks
Selbst gute TSMC-Zahlen werden die Zweifel der Anleger am KI-Boom kaum vertreiben.
Likely · Within days
Open Questions
- Wie stark wird der Verkaufsdruck ausländischer Investoren in den kommenden Tagen zunehmen?
- Wird die TSMC-Quartalsbilanz tatsächlich die Markterwartungen übertreffen?
- Können andere Sektoren wie Einzelhandel oder Pharma den Verlust der Chipwerte langfristig ausgleichen?






