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Papst Leo XIV. besucht Paris und setzt klare politische Akzente
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Die Zeit1 hour agoWorld3 min readGermany

Papst Leo XIV. besucht Paris und setzt klare politische Akzente

Quick Look

  • Papst Leo XIV. hat Paris besucht, um an einer Messe auf dem Place de la Concorde teilzunehmen, wobei über eine halbe Million Gläubige die Champs-Élysées säumten.
  • Dabei setzte er klare politische Botschaften gegen Leihmutterschaft, Organhandel, programmierten Tod und nukleare Aufrüstung, während er den Multilateralismus bei der Unesco stärkte.

AI-generated summary

Why It Matters

Papst Leo XIV., früher Robert Prevost, wurde vor sechzehn Monaten zum Papst gewählt und ist außerhalb von Kirchenkreisen weitgehend unbekannt. Seine Frankreichreise umfasst vier Tage und endet mit einer Messe auf dem Place de la Concorde.

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Wenn man von ganz hinten schaut, vom Arc de Triomphe, dort wo die Champs-Élysées endet, dann erkennt man weit vorne einen hellen Punkt. Und darüber? Das wird wohl ein Kreuz sein. Etwa zwei Kilometer sind es von hier bis zum Place de la Concorde, zwei Kilometer, auf denen sich am Samstagnachmittag weit über eine halbe Million Menschen drängen.

So etwas sieht man nicht alle Tage. Am 14. Juli, zum Nationalfeiertag, marschieren jedes Jahr zehntausend Soldaten über den prächtigen Boulevard. Auch als Frankreichs Fußballer im Jahr 2018 Weltmeister wurden, wurde auf den Champs-Élysées ausgelassen gefeiert. Aber an diesem Samstag sind es Gläubige, Neugierige, Menschen aus allen Teilen Frankreichs, die gekommen sind, um den Papst zu sehen. Aber was heißt schon sehen?

Noch bevor der Gottesdienst beginnt, wird Leo XIV. mit dem Papamobil über die Champs-Élysées gefahren. Er segnet rechts, er winkt nach links. Helfer tragen kleine Kinder zu ihm. Der Papst berührt sie kurz, einige der Kinder weinen. Man kann die Fahrt, genauso wie später die Messe, auf riesigen Bildschirmen verfolgen. Sie stellen sicher, dass das Versprechen, das der Pariser Erzbischof gegeben hat, auch eingelöst wird: Jeder der zu dieser Messe komme, müsse die Möglichkeit haben, den Papst zu sehen.

Mit dem Gottesdienst auf dem Place de la Concorde enden zwei Tage, die Leo XIV. in Paris verbracht hat. Insgesamt reist er vier Tage durch Frankreich. Was ist dieser Leo für ein Papst? Und was hat er der Welt zu sagen?

Kein Prunk bitte!

Vor sechzehn Monaten, als er etwas überraschend auf dem Balkon des Petersdom in Rom erschien und freundlich grüßte »Der Friede sei mit Euch allen!«, war Robert Prevost, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, außerhalb von Kirchenkreisen ein weithin Unbekannter. Und weil er ganz offensichtlich ein vorsichtiger Mann ist, wurde das Bild von ihm nur langsam schärfer.

In Paris, das bringt eine solche Reise mit sich, tritt Leo XIV. in vielerlei Gestalt auf. Als Heiliger Vater, als Kirchenoberhaupt, als Seelsorger, als Diplomat und Rockstar. Und manchmal eben auch nur als ein heller Punkt in ziemlich weiter Entfernung.

Am Freitag, als der Papst in Frankreich landet, lässt Emmanuel Macron es sich nicht nehmen, ihn gemeinsam mit seiner Frau Brigitte am Flughafen zu begrüßen. Im Vorfeld hatte es protokollarisches Gerangel gegeben. Frankreichs Präsident hätte die Reise gerne als Staatsbesuch begangen, mit Bankett und großem Protokoll. Aber der Vatikan bestand darauf, dies sei in erster Linie eine apostolische Reise. Kein Prunk bitte! Die Gläubigen und die Botschaft der Kirche sollen im Mittelpunkt, nicht der Präsident.

Noch auf dem Rollfeld werden die päpstliche und die französische Hymne gespielt. So viel Protokoll muss sein, auch wenn die Marseillaise nicht zu den friedlichen Hymnen zählt. „Aux armes, citoyens, formez vos bataillons!“ Zu den Waffen, Bürger, schließt die Reihen. Der Papst nimmt es hin, mit freundlicher Zurückhaltung. Anschließend stellt Macron ihm die Generäle der verschiedenen Teilstreitkräfte vor.

Kein Staatsbankett, so wenig Protokoll wie möglich. Im Élysée ist trotzdem der rote Teppich ausgerollt, einmal quer durch den Innenhof. Macron schreitet darauf sehr präsidial, der Papst an seiner Seite wippt leicht und nestelt an seiner Soutane. Im Festsaal warten 500 geladene Gäste, zu ihnen gehören auch der Große Rabbiner von Frankreich und der Rektor der Großen Moschee in Paris. Leo XIV. erinnert in seiner kurzen Ansprache an die christlichen Wurzeln Frankreichs und an seine eigene Familiengeschichte. Eine seiner Großmütter stammte aus der Normandie. Ansonsten hält er sich nicht lange mit Vorreden auf, sondern geht gleich über zur Politik.

Dieser Papst platziert klare politische Botschaften

Das Kirchoberhaupt warnt vor »gegenwärtigen Irrwegen der Gesellschaft«, vor Leihmutterschaft, Organhandel und dem »Angebot eines programmierten Todes«. Das ist an sich keine Überraschung. Aber die französische Nationalversammlung hat erst vor wenigen Wochen ein Gesetz zur Sterbehilfe verabschiedet.

Der Papst dokumentiert seinen Widerspruch, auch an anderer Stelle. Als er über den Frieden spricht, sagt Leo: Tatsächlich breite sich wieder »die irrige Überzeugung aus, dass der Besitz von Nuklearwaffen Sicherheit verschafft«, der Frieden sei aber kein Gleichgewicht der Kräfte. Auch das ist eine recht gradlinige Position im Amtssitz des Präsidenten. Frankreich ist stolze Atommacht, und Macron hat erst vor Kurzem angekündigt, das Arsenal an nuklearen Sprengköpfen aufzurüsten.

Überhaupt fällt in Paris auf, dass Leo XIV. seine politischen Botschaften sehr klar und mit bemerkenswerter Direktheit platziert. Eine dieser Botschaften ist der Besuch der Unesco. Die UN-Organisation für Bildung, Wisenschaft, Kultur und Kommunikation hat ihren Hauptsitz in Paris. Sie steht wie viele multilaterale Organisationen unter großem Druck. Donald Trump hat angekündigt, die USA würden die Unesco Ende 2026 verlassen.

Der Papst hingegen gießt einen Olivenbaum im Garten der Organisation und beschwört den Geist des Multilateralismus. Man möge die Unesco »nicht nur als eine bekannte internationale Organisation betrachten, sondern auch einen Ort, an dem die Menschheit über sich selbst nachdenkt«.

Zum Beispiel über die Künstliche Intelligenz. Leo XIV. hat der »Bewahrung des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz« im Frühjahr seine erste Enzyklika gewidmet. In Paris zieht sich die Warnung vor einem »Paradies der Maschinen« wie ein roter Faden durch seine Ansprachen.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Die französische Regierung wird öffentlich auf die Kritik des Papstes an der Sterbehilfe reagieren.

    Likely · Within weeks

  • Die Unesco wird den Besuch des Papstes als Unterstützung im Kampf gegen den amerikanischen Austritt nutzen.

    Possible · Within months

Open Questions

  • Wie werden die politischen Botschaften des Papstes in Frankreich aufgenommen?
  • Wird der Besuch langfristige Auswirkungen auf die Frankreich-Vatikan-Beziehungen haben?
  • Wie reagiert die französische Regierung auf die Kritik an der Sterbehilfe und nuklearen Aufrüstung?

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This article was originally published by Die Zeit.

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