
Präsident Nawrocki dringt in das Gebäude des Verfassungsgerichts ein, während die Regierung und die PiS-Opposition sich gegenseitig einen Staatsstreich vorwerfen.
Nach einem Hackerangriff auf die Website des polnischen Verfassungsgerichts und einem gewaltsamen Eindringen von Präsident Nawrocki in das Gebäude spitzt sich der Machtkampf zwischen der Regierung Tusk und der PiS-Opposition dramatisch zu.
AI-generated summary
Der Streit dreht sich um die Besetzung des Verfassungsgerichts, das während der PiS-Regierung (2015-2023) politisch umstritten besetzt wurde. Die Regierung Tusk versucht, diese Strukturen rückgängig zu machen, stößt dabei aber auf Widerstand des Präsidenten.
Der rechtskonservative polnische Präsident Karol Nawrocki sieht im Streit mit der Mitte-links-Regierung um das Verfassungsgericht die innere Sicherheit des Landes bedroht. Er berufe dringende Beratungen aller im Parlament vertretenen Parteien ein, »um die politische Lage zu stabilisieren und die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen«, sagte er nach einem nächtlichen Besuch am Sitz des Gerichts in Warschau. Zuvor hatte er sich mit körperlichem Einsatz den Weg ins Gerichtsgebäude gebahnt, um sich mit Richtern zu beraten.
Justizminister Waldemar Żurek stellte sich gegen den Präsidenten und bezeichnete die Tatsache, dass der Nawrocki in das Gebäude des Verfassungsgerichts eingedrungen sei, als beunruhigendes Verhalten. »Es ist inakzeptabel, dass jemand, der durch die präsidiale Immunität geschützt ist, sich auf diese Weise verhält«, sagte Żurek dem Sender TVN 24. »Für mich ist das ein skandalöses Verhalten – die Situation dazu zu nutzen, die Emotionen auf der Straße noch anzuheizen.«
Nawrocki äußerte sich auch vor Demonstranten, die seit Stunden vor dem von der Polizei abgeriegelten Gebäude ausharrten. Er forderte »die Wiederherstellung der Rechtsordnung und den Abzug der von der Regierung entsandten Sicherheitskräfte vom Gerichtsgelände«.
Ausgelöst wurde die Krise durch eine Bekanntmachung auf der Website des Verfassungsgerichts. Dort hieß es, der bisherige Präsident Bogdan Święczkowski und sein Stellvertreter, die ihre Posten der bis 2023 regierenden und dann in die Opposition verbannten rechtskonservativen Partei PiS verdanken, seien einstweilen von ihren Funktionen entbunden worden. Stattdessen werde die Richterin Anna Korwin-Piotrowska das Gericht geschäftsführend leiten. Kurz darauf erschien auf X ein Post des Verfassungsgerichts, der diese Information dementierte und angab, die Website sei von Hackern attackiert worden.
Bisheriger Gerichtspräsident spricht von »Staatsstreich«
Hinter dem Chaos verbirgt sich ein erbitterter Streit zwischen den beiden größten politischen Lagern um das Verfassungsgericht. Die rechtskonservative PiS, die das Land von 2015 bis 2023 regierte, hatte das Gericht mit ihr politisch nahestehenden Richtern besetzt. Der Europäische Gerichtshof stellte seinerzeit fest, dass das polnische Verfassungsgericht aufgrund schwerwiegender Mängel bei der Ernennung seiner Richter sowie seiner damaligen Präsidentin nicht als unabhängig und unparteiisch angesehen werden könne.
Nachdem nach der Parlamentswahl 2023 das Mitte-links-Bündnis von Regierungschef Donald Tusk die Amtsgeschäfte übernommen hatte, kündigte sie an, die umstrittenen Neuerungen der PiS-Regierung im Justizwesen rückgängig zu machen.
Doch dieser Prozess kommt nur schleppend voran. Das liegt auch an Präsident Nawrocki, der der PiS nahesteht und der Regierung von Tusk immer wieder Steine in den Weg legt. So hatte sich Nawrocki in den vergangenen Monaten geweigert, fünf vom Parlament nominierte Verfassungsrichter zu vereidigen. Als diese Richter ihren Amtseid stattdessen vor dem Parlament ablegten, verweigerte ihnen der noch zu PiS-Zeiten nominierte Gerichtspräsident den Zugang zum Gebäude.
Mit körperlichem Einsatz bahnte der Präsident sich den Weg ins Gericht
Nawrocki hatte wegen der plötzlichen Zuspitzung der Lage eine Reise in den Senegal abgebrochen und war umgehend nach Warschau zurückgekehrt. Den Weg ins Verfassungsgericht bahnte sich der frühere Amateurboxer in der Nacht auch mit rabiatem körperlichen Einsatz.
Święczkowski sagte nach der kurzen Ansprache Nawrockis, das Verfassungsgericht bestehe aus »rechtmäßig ernannten Richtern, nicht aus Usurpatoren, die sich in Begleitung von Sicherheitskräften der Regierung durch den Hintereingang Zutritt verschafft haben«. Święczkowski sprach von einem »Staatsstreich« und sagte: »Wir haben es hier mit einem Angriff auf ein verfassungsmäßiges Staatsorgan zu tun.«
Nach Angaben von Nawrockis Sprecher haben inzwischen im Präsidentenpalast Gespräche zwischen dem Präsidenten und Vertretern der im Parlament vertretenen Fraktionen begonnen.
Botschafter ziehen sich zurück
Angesichts der Zuspitzung haben zudem zwei PiS-nahe Botschafter des Landes ihren Rücktritt erklärt. »Angesichts des Versuchs, das Verfassungstribunal rechtswidrig zu übernehmen, sehe ich keine Möglichkeit mehr, weiterhin die Funktion als Botschafter der Republik Polen in Rumänien zu erfüllen«, schrieb Paweł Soloch, Polens Botschafter in Bukarest, auf der Plattform X .
Wenige Stunden zuvor hatte bereits sein Amtskollege in China, Jakub Kumoch erklärt, er habe aufgrund der Ereignisse in Polen erkannt, dass er nicht länger als Botschafter arbeiten könne.
Der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Präsident Lech Wałęsa sicherte hingegen Tusk seine Unterstützung zu. »Das Vaterland ist in Not!«, schrieb Wałęsa auf seiner Facebook-Seite. »Ich stehe an Ihrer Seite in der ersten Reihe – ganz gleich, wie die Umstände sind.« Er rufe auch seine Mitstreiter »aus unserem gemeinsamen Kampf dazu auf, unsere Bestrebungen zu unterstützen«, schrieb Wałęsa.
AI outlook — possibilities, not facts
Dringende Beratungen der Parlamentsparteien zur Stabilisierung der Lage.
Very likely · Within days

Youth protests from the “Gen Z regulates” initiative have begun in over 30 German cities. Investments in education, psychotherapy and climate protection as well as social justice are required. Over 182,000 people indicated their participation online.

The power struggle over the Polish Constitutional Court is escalating in Warsaw. After the previous court leadership was removed by a new acting judge, there were protests from the opposition and a blockade of the court building.

Berlin's left-wing top candidate Elif Eralp is being criticized for internal documents and her stance on Israel. While she called for the socialization of apartments at the party conference, activists protested in front of the site in Lichtenberg.

Following the historic election victory of the student movement in Serbia, activists continue to face trial on politically motivated charges. Experts warn of the deep-rooted influence of the old system in state institutions.
The Berlin left-wing politician Elif Eralp reaffirmed her commitment against anti-Semitism and violence at a state party conference. She was responding to reports about her concerns about Hamas sympathizers and doubts about her ability to govern.

Before the midterm elections in the USA, SPIEGEL asked students at Ohio State University about their opinions about President Trump and current political issues. The focus is on inflation, foreign policy, AI and the division of the country.