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Back|Porträt: Die „Soulsister“ vom Starnberger See wird wohl Bundespräsidentin
Porträt: Die „Soulsister“ vom Starnberger See wird wohl Bundespräsidentin
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Handelsblatt·25 minutes ago·Politics·7 min read·🇩🇪Germany·

Porträt: Die „Soulsister“ vom Starnberger See wird wohl Bundespräsidentin

SPD und Grüne dürften zustimmen – Gründe für ihre Beliebtheit finden sich in ihrem Heimatort, in München und in Berlin.

Quick Look

  • CDU und CSU haben Ilse Aigner als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin benannt.
  • SPD und Grüne signalisieren Zustimmung.
  • Die 61-Jährige soll im März Frank-Walter Steinmeier ablösen und wäre die erste Frau in diesem Amt.

AI-generated summary

Why It Matters

CDU und CSU haben Ilse Aigner als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin benannt. SPD und Grüne signalisieren große Sympathie für sie. Eine Mehrheit in der Bundesversammlung dürfte ihr nichts im Wege stehen. Sie soll im März das Amt von Frank-Walter Steinmeier übernehmen und wäre die erste Bundespräsidentin der Bundesrepublik Deutschland.

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CDU und CSU nominieren Ilse Aigner für das Amt der Bundespräsidentin. SPD und Grüne dürften zustimmen. Gründe für ihre Beliebtheit finden sich in ihrem Heimatort, in München – und in Berlin.

Ilse Aigner (CSU) wird voraussichtlich als erste Frau Bundespräsidentin und soll im März das Amt von Frank-Walter Steinmeier übernehmen.

Aigner lebt bodenständig im Landkreis Rosenheim und wird während ihrer Amtszeit nicht im Schloss Bellevue residieren, da es saniert wird.

Sie hat Erfahrung als Ministerin, wird als ausgleichend und vermittelnd beschrieben und könnte wie der jetzige Amtsinhaber als Bundespräsidentin Bürgerdialoge einrichten.

Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.

Berlin. Prominente können schweigen. Erst recht, wenn sie am Starnberger See an Leslie Mandokis Soirée teilnehmen. In lockerer Atmosphäre versammeln sich seit mehr als 20 Jahren Ministerpräsidenten, Spitzenpolitiker, Unternehmensbosse, Verleger, Musiker und Größen der Gesellschaft im Privathaus des Musikers und Produzenten.

Im Oktober rief der 73-Jährige wieder einmal an den See. Mit dabei war auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff – und ebenso die bald wohl erste Bundespräsidentin der Bundesrepublik Deutschland: Ilse Aigner.

Seit Anbeginn, so berichten es Teilnehmer, gehört die 61-Jährige dem exklusiven Zirkel an. Der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber habe die junge Abgeordnete mitgebracht, heißt es. Längst sind Aigner und Mandoki eng befreundet. Der Musiker besucht gern ihre Familie und nennt Aigner liebevoll seine „Soulsister“. Sie wiederum kommt öfter zu den Konzerten seiner Band „Soulmates“. Beide lieben nicht nur die Musik, sie sind auch begnadete Netzwerker.

Soirée bei Leslie Mandoki: Christian Wulff, Ilse Aigner, Leslie Mandoki, Peter Maffay und Charlotte Knobloch (v.l.n.r.) zu Besuch beim Musikproduzenten. Foto: Red Rock Production

Ende Januar wird Ilse Aigner aller Voraussicht nach als erste Frau zur Bundespräsidentin gewählt werden und im März die Amtsgeschäfte von Frank-Walter Steinmeier übernehmen. CDU und CSU haben sie als Kandidatin benannt, sowohl bei der SPD als auch bei den Grünen gibt es große Sympathie für sie. Einer Mehrheit in der Bundesversammlung dürfte nichts im Wege stehen.

Es ist das höchste Amt im Staate, eines, bei dem die langen Linien die Aufgabe beschreiben: Sie zu erkennen, sie zu benennen und zu problematisieren, als einende Figur, jenseits der Tagespolitik.

Ein Bundespräsident unterzeichnet zwar auch Gesetze und muss sein Veto einlegen, wenn er sie für verfassungswidrig hält. Er muss auch moderieren, wenn eine Koalition in der Krise steckt und die Mehrheit nicht mehr sicher ist. Vor allem aber soll er sich zu Wort melden, wenn es nötig ist, Haltung zu zeigen. In den Zeiten von Corona, Ukrainekrieg und Aufstieg der extremen Parteien haben dies so manche beim scheidenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier vermisst.

Ein Land im „Labyrinth der Krisen“

Angesprochen auf seine Freundin Aigner erklärte Mandoki dem Handelsblatt: „Das Land befindet sich in einem Labyrinth der Krisen und sucht nach dem Kompass heraus.“ Ilse Aigner sei „die Richtige“, um als Bundespräsidentin den Weg Richtung Zukunft zu weisen. „Mit ihrer Menschlichkeit, Ehrlichkeit und Warmherzigkeit ist sie in der Lage, zu verbinden, Brücken zu bauen und gerade bei den jungen Menschen die aufgetretene Repräsentationslücke zu schließen.“

In Mandokis Soirées reden sie gern über das große Ganze, wie es heißt. Wer Durst habe, hole sich sein Bier selbst aus dem Kühlschrank. Es ist ein Bild, das zu Aigner passt, die zwar den Glamour kennt, die viele aber als bodenständig wahrnehmen und als eine, die nicht polarisiert, sondern auszugleichen versucht.

Eine ausgleichende und vermittelnde Kollegin. SPD-Vertreter

Die CSU-Politikerin lebt heute noch in Feldkirchen-Westerham im Landkreis Rosenheim, in jener Gemeinde, in der sie einst geboren wurde. Es ist der Landstrich zwischen Starnberger See und Tegernsee, dort, wo die Superreichen leben und wo auch Friedrich Merz sein Feriendomizil hat. Aigner aber lebt unprätentiös in einer Wohnung, wie Vertraute berichten. Statussymbole brauche sie nicht.

Da passt es ganz gut, dass das Schloss Bellevue während ihrer Amtszeit als Amtssitz ausfallen wird. Es bleibt wegen Sanierung voraussichtlich für acht Jahre geschlossen.

Rennrad fuhr sie in der Jugend und liebt bis heute die Berge, ob zu Fuß oder auf Skiern. Im Urlaub zieht es sie mit Freundinnen nach Südtirol – Sehnsuchtsort auch des amtierenden Bundespräsidenten.

Radiotechnikerin, Gemeinderätin, Agrarministerin

Aigner ist die jüngste von vier Schwestern. Sie sei unter den „Orgelpfeifen“ die „Gaudinudel“ gewesen, sagte sie mal. Als Jugendliche ging sie vom Gymnasium ab, weil es ihr zu theoretisch war, wie sie vor vielen Jahren bekannte. Sie lernte lieber an der Realschule weiter, um danach eine Ausbildung zur Radio- und Fernsehtechnikerin zu absolvieren und staatlich geprüfte Elektrotechnikerin zu werden. Danach baute sie bei der EADS-Tochter Eurocopter mit an der Elektrik für den Militärhubschrauber.

Eurocopter-Mitarbeiterin Aigner: Entwicklung von Systemelektrik für Hubschrauber. Foto: Privat

Ihre Eltern besaßen einen Elektro-Fachbetrieb, ihr Vater war ihr aber auch in der Politik Vorbild: Wie er saß Aigner im Gemeinderat, stieg dann aber weiter auf: 1994 wurde sie Landtagsabgeordnete, vier Jahre später Bundestagsabgeordnete.

Im ersten Kabinett von Angela Merkel wurde Aigner 2008 Agrar- und Verbraucherministerin und zeigte schon damals, dass sie lieber den Ausgleich suchte und moderierte, anstatt eine eigene Agenda zu verfolgen – ähnlich wie Merkel. Allerdings legte sie sich mit Facebook und Co. an, um die Daten der Nutzer zu schützen. Erfolg hatte sie nicht.

Ihre Parlamentarische Staatssekretärin hieß damals übrigens Julia Klöckner, Vertraute von Friedrich Merz und inzwischen Bundestagspräsidentin. Auch sie wurde für das Amt der Bundespräsidentin gehandelt.

Steiler Aufstieg in der Partei

In der Gruppe der CSU-Bundestagsabgeordneten galt Aigner immer als eine, die Meinungen zusammenführt. Die SPD lobte sie als „ausgleichende und vermittelnde Kollegin“. Manch einer hält genau diese Eigenschaften in der jetzigen Zeit für besonders wertvoll. Andererseits sind es autoritäre Führungspersonen, die vielerorts in der Welt reüssieren und als Wegweiser die Menschen begeistern.

Delegierte und Landtagsabgeordnete Aigner: Früher Auftstieg in der Jungen Union. Foto: Privat

In der Partei verlief der Aufstieg ähnlich steil wie in den Parlamenten. Aigner war stellvertretende Landesvorsitzende der Jungen Union, der Vorsitzender hieß Markus Söder. Gemeinsam zogen sie als jüngste Abgeordnete in den Landtag ein.

Ihr Kreisverband Miesbach hat nach eigenen Angaben annähernd 2000 Mitglieder und ist damit einer der größten der CSU. Seit nunmehr 15 Jahren führt sie zudem den mitgliederstärksten Parteibezirk Oberbayern an und sitzt im Parteipräsidium.

2013 kehrte Aigner aus Berlin nach Bayern zurück, aus eigenem Willen, um sich als Kronprinzessin auf das Amt der Ministerpräsidentin vorzubereiten. Sie wurde stellvertretende Regierungschefin und Ministerin für Wirtschaft und Energie. Eine Agenda im Amt wurde ihr in der Zeit nicht nachgesagt.

Während Ministerpräsident Horst Seehofer die Energiewende in Bayern blockierte, suchte Aigner zumindest mit einem „Energiedialog“ den Ausgleich der Interessen. Es galt, Alternativen für die Atomkraftwerke zu finden und große Stromtrassen zu bauen, damit der Windenergiestrom aus dem Norden der Republik nach Bayern fließen kann. Seehofer aber stoppte sie.

Als Ministerin trug sie die Ordnungspolitik nicht wie eine Monstranz vor sich her, was im Wirtschaftsministerium manchem Beamten übel aufstieß. Sehr wohl aber nahm sie als versierte Netzwerkerin von Anbeginn am Ludwig-Erhard-Gipfel teil, den der Verleger und heutige Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in Gmund am Tegernsee, Erhards frühere Heimstatt, 2014 ins Leben gerufen hatte.

Der lobte ihre Kandidatur am Sonntag sogleich: „Ilse Aigner ist ein heiterer, ausgleichender Herzensmensch - genau die Richtige für eine Nation in großer Gereiztheit“, schrieb er in den sozialen Medien. „Sie ist liberal, ohne beliebig zu sein, selbstbewusst ohne falschen Stolz, klug ohne jeden Dünkel, sie ist traditionsbewusst, katholisch gläubig und doch fern von jedem missionarischen Eifer, sie hat große Haltung, ohne sich von leeren Phrasen halten zu lassen.“

Ihre Stärke ist das direkte Gespräch

Aigner sieht sich Erhard verbunden, sie besucht sogar regelmäßig sein Grab. 2015 etwa legte sie dort gemeinsam mit Friedrich Merz einen Kranz nieder. Merz war damals weit entfernt davon Kanzler, Kandidat oder CDU-Chef zu werden. Beide, so heißt es, seien befreundet.

Vor vier Jahren, zu Erhards 125. Geburtstag, erklärte Aigner bei einem neuerlichen Grabbesuch, die Regeln der Sozialen Marktwirtschaft seien weiter wichtig. „Zurück in die Zukunft mit Ludwig Erhard“, forderte sie.

Im Machtkampf mit Markus Söder aber zog Aigner zurück. Sie habe nicht bis zum Äußersten gehen wollen, sagte sie einmal. Andere berichten, sie habe in der Partei nie den vollen Rückhalt gehabt, auch nicht im eigenen Bezirksverband. Auch sei sie in der entscheidenden Phase lieber in den Urlaub gefahren, anstatt den Machtkampf bis zum Ende auszutragen. Tatsächlich aber wäre Ilse Aigner gern Ministerpräsidentin geworden, wie Wegbegleiter berichten.

Markus Söder wurde schließlich Ministerpräsident. Und Ilse Aigner? Sie wollte sich nicht unter Söder in die Kabinettdisziplin einordnen und wechselte nach einem kurzen Intermezzo als Bauministerin nach der Landtagswahl 2018 ins Amt der Landtagspräsidentin.

Sie wäre eine exzellente Kommunalpolitikerin. Wegbereiter

Aigner verrät nicht viel von ihrem Privatleben, wohl aber, dass sie in ihrem Leben schon zwei Mal schwer krank gewesen ist, mit 17 Jahren, später dann als Agrarministerin. „Deswegen erklärt sich vielleicht, dass ich heute manches etwas gelassener sehe, weil ich weiß, was wirklich wichtig ist“, sagte sie im Oktober dem „Münchner Merkur“. Die „Aufgeregtheiten“ im politischen Betrieb seien es jedenfalls nicht. Aigner führt ein Leben als Single, sodass sie als Bundespräsidentin allein Staatsbesuche absolvieren dürfte.

Während sie nicht dafür bekannt ist, das Aktenstudium zu lieben, gilt sie als äußerst fair. Ist sie auf der Bühne manches Mal unsicher, so wird ihre Stärke im direkten Gespräch mit den Menschen sichtbar. „Sie wäre eine exzellente Kommunalpolitikern“, berichten Wegbegleiter. Womöglich werde sie im Amt der Bundespräsidentin wie Steinmeier Bürgerdialoge einrichten, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und so etwas zu bewegen.

Sie jedenfalls ist nahbar, ist keine intellektuelle Philosophin wie ein Joachim Gauck. Dafür erleben sie viele als eine fortschrittliche Politikerin, die sich sehr für Forschung interessiert. Bereits im Bundestag vertrat sie liberale Positionen, etwa zur Stammzellenforschung. In ihrem Umfeld ermöglichte sie weit vor der Coronapandemie moderne Arbeitsformen.

Schafkopf am Flughafen in der Nacht

Ihre Bodenständigkeit erlebten einige auf dem Flughafen von Teheran: Als Aigner in ihrer Funktion als Ministerin dort vor Jahren gestrandet war, habe sie sich nicht etwa echauffiert, erzählen Beteiligte. Und das, obwohl sie die Nacht im kalten Flughafengebäude ausharren musste und die Geschäfte geschlossen hatten. Aigner aber reagierte pragmatisch: Sie spielte mit dem damaligen Präsidenten der Technischen Universität, Wolfgang Herrmann, die ganze Nacht das bayerische Traditionskartenspiel Schafkopf.

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Bisher ist Aigner immer die Nummer zwei hinter Söder geblieben. Als Bundespräsidentin würde sie ihn überholen – und womöglich verhindern, dass er doch noch Kanzler wird. Zwei CSU-Politiker in den höchsten Staatsämtern wäre vielen dann doch zu viel, heißt es in der CDU.

Mehr: „Es ging hoch her“ – Merz bekommt Frust der CDU-Basis zu spüren

Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Ilse Aigner wird im März 2026 das Amt von Frank-Walter Steinmeier übernehmen.

    Very likely · Within weeks

  • Ilse Aigner wird als Bundespräsidentin Bürgerdialoge einrichten.

    Likely · Within months

Open Questions

  • ?Wann genau findet die Wahl in der Bundesversammlung statt?
  • ?Welches konkrete Programm plant Ilse Aigner als Bundespräsidentin?
  • ?Wie wird die Opposition auf ihre Kandidatur reagieren?

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  • CDU und CSU haben Ilse Aigner als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin benannt.
  • SPD und Grüne signalisieren Zustimmung.
  • Die 61-Jährige soll im März Frank-Walter Steinmeier ablösen und wäre die erste Frau in diesem Amt.

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