Putin führt AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt auf westliche Fehler zurück
Quick Look
- Kremlchef Wladimir Putin hat den Erfolg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf systematische Fehler westlicher Staaten in Politik, Sicherheit und Wirtschaft zurückgeführt.
- Er beschuldigte europäische Regierungen, einen offenen Konflikt mit Russland zu provozieren und ihre Bürger zu wollen und betonte, dass Russland keine europäischen Länder bedrohe.
- Die Aussagen wurden während eines Pressegesprächs in Neu-Delhi gemacht, während Putin am Brics-Gipfel in Indien teilnahm.
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Why It Matters
Putin hat im Februar 2022 den Befehl zum Angriff auf die Ukraine gegeben. Der Krieg dauert seitdem an. Eine Koalition aus mehr als 35 Ländern hat sich darauf verständigt, der Ukraine bei einem Friedensschluss nicht allein zu lassen und eine multinationale Truppe als Abschreckung aufzustellen. Moskau beharrt auf Maximalforderungen, die eine Unterwerfung der Ukraine bedeuten würden.
Kremlchef Wladimir Putin hat das starke Ergebnis der AfD bei der jüngsten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auch auf Fehler des Westens zurückgeführt. Alles, was derzeit in Europa passiere, sei das Ergebnis systematischer Fehler westlicher Staaten in Fragen der Politik, Sicherheit und Wirtschaft, sagte Putin bei einer Pressebegegnung in Neu-Delhi. Zugleich stellte er den Vorwurf in den Raum, dass die Regierungen europäischer Staaten einen offenen Konflikt mit Russland provozierten und damit ihre Bürger verunsicherten - was sich dann auch in den Wahlergebnissen in Deutschland niederschlage.
Die Bürger der europäischen Länder verstünden, was passiere, sagte Putin, der sich zurzeit wegen des Gipfeltreffens der Staatengruppe Brics am Wochenende in Indien aufhält. Er denke, darauf beruhten auch die Ergebnisse in der Bundesrepublik.
Der kremlnahe TV-Korrespondent Pawel Sarubin veröffentlichte ein Video auf Telegram, in dem die Aussagen Putins zu hören sind. Demnach war der Kremlchef zuvor nach einem Kommentar zum Ergebnis der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag gefragt worden. Putin legte in einer langen Antwort seine Sicht auf die Lage in Europa dar.
Putin will nichts von einer Bedrohung wissen
Russland bedrohe keine europäischen Länder und habe gar keine Grundlage für einen Konflikt mit ihnen, da mit dem Ergebnis des Zweiten Weltkriegs alle Fragen geklärt worden seien, sagte Putin. Er hatte aber auch vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine erklären lassen, dass Moskau keinen Krieg plane.
Der Konflikt gehe vielmehr von den europäischen Staaten aus, gab Putin zu verstehen. «Wollen sie die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs revidieren? Zu was treiben sie die Völker ihrer Länder? Zu einem Krieg mit der Russischen Föderation? Jetzt reden sie darüber, dass sie darüber nachdenken, wie sie Truppen auf das Gebiet der Ukraine bringen könnten. Das bedeutet Krieg mit Russland.»
Putin hatte im Februar 2022 den Befehl zum Angriff auf die Ukraine gegeben. Mittlerweile dauert der zerstörerische Krieg seit mehr als viereinhalb Jahren an. Eine Koalition aus mehr als 35 Ländern verständigte sich Anfang des Jahres darauf, der Ukraine rechtsverbindlich zuzusichern, sie nach einem etwaigen Friedensschluss und im Fall eines erneuten russischen Angriffs nicht allein zu lassen. Außerdem steckte sie den Rahmen für eine multinationale Truppe ab, die als Abschreckung dienen und in Friedenszeiten die ukrainischen Streitkräfte unterstützen soll - etwa bei der Ausbildung von Soldaten sowie der Sicherung des Luftraums und der Seegebiete.
Die bisherigen Vermittlungsbemühungen im Ringen um ein Ende des russischen Angriffskriegs, zuletzt vonseiten der USA, brachten keinen Durchbruch. Moskau beharrt auf Maximalforderungen, die auf eine Unterwerfung der Ukraine hinauslaufen.
Immer wieder Drohungen aus Moskau
EU-Staaten werfen Russland immer wieder hybride Kriegsführung vor. Darunter versteht man eine Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln. Dazu zählen auch Cyberattacken und Desinformationskampagnen, um die öffentliche Meinung etwa vor Wahlen zu beeinflussen.
Die Bundesregierung schrieb russischen Geheimdiensten auch einen versuchten Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle zu. Die Drohne war Anfang August in der Nähe eines ukrainischen Transportflugzeugs gefunden worden. Russland bestreitet den Vorwurf.
In einer Reaktion auf deutsche Strafmaßnahmen deswegen erklärte der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew: «Sie verdienen einen direkten Schlag gegen alle deutschen Produktionsstätten für Militärtechnik» und «durchaus auch einige andere Orte in Berlin». Der Ex-Präsident fällt immer wieder mit Drohungen etwa zu Atomschlägen gegen westliche Hauptstädte wie Berlin, London oder Paris auf.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Es werden weitere hybride Aktionen gegen europäische Staaten, insbesondere Deutschland, erwartet.
Likely · Within months
Die AfD wird versuchen, den Ukraine-Konflikt und wahrgenommene westliche Schwächen für zukünftige Wahlen in Deutschland zu nutzen.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie werden europäische Staaten auf Putins Drohungen gegen deutsche Militärtechnik reagieren?
- Wird es zu weiteren hybriden Angriffen kommen, wie dem mutmaßlichen Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle?
- Kann der Brics-Gipfel zu einer Deeskalation des Konflikts führen, oder verstärkt er lediglich Putins Position?

