
AI-generated summary
Gießen kämpft mit einem strukturellen Haushaltsminus von rund 50 Millionen Euro, das größtenteils auf Unterfinanzierung durch Bund und Land zurückzuführen ist. Die Stadt benötigt dringend neue Einnahmequellen und Arbeitsplätze.
Die Rechenzentrumsbranche frisst sich immer weiter in die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main hinein. Jüngstes Beispiel ist Gießen. In der Unistadt an der Lahn bereitet der umtriebige Projektentwickler Revikon den Boden für einen auf eine Milliarde Euro veranschlagten Neubau für Hochleistungsrechner. Und was für einen: Die Anschlussleistung von 65 Megawatt übertrifft etwa den für das Datencenter in Rosbach ins Auge gefassten Wert um das Vierfache. Im Endausbau werden die Hochleistungsrechner absehbar mehr Strom verbrauchen als die gesamte Unistadt mit ihren rund 90.000 Einwohnern. Die Lichter werden in den Haushalten aber nicht ausgehen. Denn der Neubau entsteht direkt neben einem ausreichend großen Umspannwerk.
Auch sonst ist der Standort clever gewählt. Anders als in der Wetterau stehen nicht aus landwirtschaftlicher Sicht beste Böden auf dem Spiel, die besser weiter für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden sollten. Der Baugrund liegt weit genug entfernt von den Wohngebäuden der Weststadt. Zur Wahrheit gehört aber auch: Der Ausblick aus den Räumen einer nahe gelegenen Grundschule und einer Kindertagesstätte wird durch den Neubau mit seinen 30 Meter hohen Wänden nicht schöner. Der Protest aus dieser Perspektive gegen das Rechenzentrum ist verständlich.
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Schwerer wiegen aber die mit dem Neubau für die Stadt verbundenen Chancen. Gießen kann jeden Arbeitsplatz gut gebrauchen und jeden Euro aus der Gewerbesteuer auch. Die Unistadt kämpft mit einem strukturellen Haushaltsminus von rund 50 Millionen Euro. Dies liegt weitestgehend an Bund und Land. Sie bürden Kommunen wie Gießen zusätzliche Aufgaben auf, ohne ausreichend Geld dafür zu überweisen. Bis zu 900 gut bezahlte Arbeitsplätze und langfristig stetig fließende Gewerbesteuereinnahmen aus einem florierenden Geschäft kämen Gießen zupass.
Gleichwohl befürwortet nicht jeder Stadtverordnete das Vorhaben des in der Region verwurzelten und gut beleumundeten Projektentwicklers. Nur CDU, SPD und Grüne als neue Mehrheit stehen dahinter. Andere bemängeln angeblich unzureichende Informationen, den zu hohen Stromverbrauch und die schiere Größe des Neubaus. Dabei geraten wesentliche Gründe für das Wachstum der Rechenzentrumsbranche aus dem Blick. Und einen Grund dafür hält heutzutage fast jedes Kind im Wortsinn in der Hand: das Mobiltelefon. Wer im Internet surft, Mails schreibt oder Social Media nutzt, zapft automatisch Hochleistungsrechner in Datencentern an. Wer das nicht will, muss auf Smartphone, Tablet und Laptop verzichten. Aber wer will das schon?
AI outlook — possibilities, not facts
Der Bau des Rechenzentrums wird trotz Widerstands beginnen, da die politische Mehrheit aus CDU, SPD und Grünen das Projekt unterstützt.
Likely · Within months
Die Gewerbesteuereinnahmen aus dem Rechenzentrum werden dazu beitragen, das strukturelle Haushaltsdefizit von Gießen zu reduzieren.
Possible · Within years

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