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Rekordzahlen bei Pflegeausbildungen: Gesundheitsberufe trotzen dem Trend
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Tagesschau Wirtschaft1 hour agoHealth3 min readGermanyView translation

Rekordzahlen bei Pflegeausbildungen: Gesundheitsberufe trotzen dem Trend

Während die duale Ausbildung insgesamt an Attraktivität verliert, verzeichnen Gesundheitsberufe wie die Operationstechnische Assistenz einen Bewerberboom.

Quick Look

  • Das Klinikum Ludwigshafen verzeichnet einen Bewerberrekord für Pflegeausbildungen.
  • Bundesweit steigen die Zahlen in Gesundheitsberufen entgegen dem allgemeinen Trend, getrieben durch Arbeitsplatzsicherheit, Übernahmechancen und soziale Medien.

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Why It Matters

Die duale Berufsausbildung in Deutschland verzeichnete zuletzt einen Rückgang, während Gesundheitsberufe aufgrund von Arbeitsplatzsicherheit und Reformen an Attraktivität gewinnen.

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Der Operationssaal ist grell ausgeleuchtet, es riecht nach Desinfektionsmittel. Im blauen Kittel und mit OP-Maske steht Lilly Sand an ihrem Arbeitsplatz. Heute übt sie, wie ein OP-Saal steril für eine Operation vorbereitet wird.

Lilly Sand macht eine Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin am Klinikum in Ludwigshafen. Zu ihren Aufgaben gehört es, bei Operationen zu helfen und etwa medizinische Instrumente zu pflegen. Nach einem Praktikum war für sie klar, dass sie im Operationssaal arbeiten möchte. Auch, weil der Beruf im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz als sicher gilt. "Sicherheit spielt bei jedem eine Rolle. Vor allem bei uns jungen Menschen", sagt sie.

Diese Entwicklung beobachtet auch Benny Neukamm, Gesamtschulleiter der Ausbildungen am Klinikum Ludwigshafen. Dort wird Pflegepersonal für verschiedene Kliniken ausgebildet. Während in der Corona-Zeit die Zahl der Bewerbungen zurückging, stellt er nun fest, dass die Ausbildung wieder deutlich an Attraktivität gewinnt.

In diesem Jahr verzeichnete die Schule einen Bewerberrekord: Auf 200 freie Plätze kamen rund 4.200 Bewerbungen. "Wir stellen seit zwei Jahren fest, dass die Bewerbungen bei uns stetig ansteigen", sagt Neumann. "Wir haben mittlerweile wieder Wartelisten für die Ausbildungsplätze."

Das Klinikum in Ludwigshafen ist kein Einzelfall. Das zeigen bundesweite Zahlen. Vor allem in der Pflege steigen die Ausbildungszahlen seit einigen Jahren: 2025 haben laut Statistischem Bundesamt etwa 64.300 Menschen eine Pflegeausbildung begonnen, acht Prozent mehr als im Vorjahr.

Viele Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen stellen sich damit gegen den allgemeinen Trend: "Insgesamt hat die duale Berufsausbildung in den letzten Jahren abgenommen. Die wirtschaftliche Krise schlägt hier durch. Aber nicht in den Gesundheitsberufen", erklärt Hubert Ertl, Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn.

Von einem Bewerberboom im Gesundheitswesen möchte er trotzdem nicht sprechen: "Nicht alle Zahlen gehen in dieselbe Richtung. Aber in einigen der wichtigen und großen Bereiche haben wir deutlich steigende Zahlen." Zum Beispiel in der Pflege oder bei der Ausbildung zu medizinischen Fachangestellten.

Dass sich die Ausbildungszahlen im Gesundheitswesen vergleichsweise positiv entwickeln, hat aus seiner Sicht mehrere Gründe. Dazu zählen etwa die Abschaffung des Schulgeldes in vielen Gesundheitsberufen sowie die guten Chancen, nach der Ausbildung vom Betrieb übernommen zu werden.

"Übernahme heißt oft auch Soforteinstieg mit einer unbefristeten Beschäftigung. Und das ist gegenüber anderen Bereichen sehr attraktiv", so Ertl. Gerade in Krisenzeiten sei das für junge Menschen oft ein Grund, eine solche Ausbildung zu wählen.

Patrycja Biundo hat selbst eine Ausbildung im Gesundheitsbereich absolviert. Zehn Jahre lang arbeitete sie im Operationssaal, heute ist sie in Ludwigshafen Kursleiterin für die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz (OTA).

In der Arbeit mit ihren Auszubildenden spürt sie einen Imagewandel: Die Berufe im Gesundheitswesen seien beliebter und präsenter geworden. Dazu hätten ihrer Einschätzung nach auch Videos auf Social Media beigetragen. "Durch die Aufklärung, durch Social Media, sind diese Berufe einfach präsenter", so Biundo. Gerade die bislang weniger bekannten und noch jungen Ausbildungsberufe wie die Operationstechnische Assistenz hätten so unter jungen Menschen mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Gleichzeitig seien die Weiterbildungsmöglichkeiten attraktiver geworden, etwa ein Studium im Gesundheitsbereich, oft im Anschluss an die Ausbildung.

Die meisten Lehrkräfte haben parallel zur Arbeit studiert und sich weitergebildet. Auf der einen Seite eine attraktive Karriereperspektive, auf der anderen eine hohe Hürde, überhaupt in den Lehrberuf zu kommen. Das spürt auch die Pflegeschule am Klinikum in Ludwigshafen, wo etwa 40 Lehrerinnen und Lehrer in medizinischen Berufen ausbilden. "Das Lehrpersonal für diese Schulen zu finden ist wirklich schwierig", sagt Schulleiter Benny Neukamm.

Es ist ein langer Weg, der vielen aber zu mühsam ist. Deshalb könnte es mit der positiven Entwicklung bald vorbei sein. "Wenn wir es nicht schaffen, da die Nachfrage zu stärken, dann wird der steigende Trend, den wir ja bei den Ausbildungszahlen haben, nicht weitergehen können", sagt Hubert Ertl vom Bundesinstitut für Berufsbildung.

Auch wenn die Zahl der Auszubildenden steigt, wird das den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen wohl nicht vollständig auffangen können. "Wir sind eine alternde Gesellschaft. Deswegen wird der Bedarf auch längerfristig hoch bleiben", so Ertl.

Im Operationssaal in Ludwigshafen hat Auszubildende Lilly Sand noch zwei Lehrjahre vor sich. Danach möchte sie in ihrem Beruf weiterarbeiten. Schon als Kind habe sie gewusst, dass sie in den medizinischen Bereich will, erzählt sie. Sie sagt, sie habe ihren Traumjob gefunden.

Open Questions

  • Wie kann der Mangel an Lehrpersonal in Pflegeschulen behoben werden?
  • Reichen die steigenden Ausbildungszahlen langfristig aus?

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This article was originally published by Tagesschau Wirtschaft.

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