Rhein-Niedrigwasser führt kaum zu mehr Lkw-Verkehr
Trotz Rekordtiefs auf dem Rhein wuchs die Fahrleistung mautpflichtiger Lastwagen im August nur leicht. Experten verweisen auf den Mangel an Fahrern.
Quick Look
- Trotz Rekordtiefs auf dem Rhein ist die Lkw-Fahrleistung im August in Deutschland nur minimal gestiegen.
- Laut Experten bremsen Kapazitätsgrenzen und der Mangel an Lkw-Fahrern eine stärkere Verlagerung der Gütertransporte von der Binnenschifffahrt auf die Straße aus.
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Why It Matters
Auf dem Rhein führten Rekordtiefs bei Pegelständen zu starken Behinderungen in der Binnenschifffahrt.
Berlin. Das Niedrigwasser auf dem Rhein hat nicht zu einer starken Verlagerung der Transporte von Binnenschiffen auf die Straße geführt. Die Fahrleistung mautpflichtiger Lastwagen mit mindestens vier Achsen wuchs im August um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das war der zweite Anstieg in Folge, der aber niedriger ausfiel als im Juli mit 0,8 Prozent. Das Niveau des Vorjahresmonats wurde im August um 2,0 Prozent überschritten.
Auf Europas wichtigster Wasserstraße, dem Rhein, hatten die Pegelstände in den vergangenen Wochen Rekordtiefs erreicht, was die Binnenschifffahrt sehr stark behinderte. Mehrere Bundesländer haben deshalb eine vorübergehende Lockerung beim Sonntagsfahrverbot für bestimmte Lastwagen erlassen, um Material- und Versorgungsengpässen vorzubeugen.
„Die niedrigen Pegelstände hätten den Lkw-Transport durchaus stärker anschieben können“, sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL. „Kapazitäten von Lkw und Fahrern sind aber begrenzt, weshalb nicht alle Güter transportiert worden sein dürften.“ Der Transport von Waren über die Straße halte die Lieferketten aber aufrecht.
Auch Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen rät dazu, den August-Wert nicht zu überinterpretieren. „Ich glaube auch nicht, dass hier das Niedrigwasser in den Flüssen eine entscheidende Rolle gespielt hat“, betonte Solveen.
Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) verweist auf den Fachkräftemangel. „Der limitierende Faktor im Straßengüterverkehr ist der in ganz Europa grassierende Lkw-Fahrermangel“, sagte BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt. Bereits jetzt fehlten allein in Deutschland mindestens 100.000 Lkw-Fahrer. „Und das Problem wird jedes Jahr größer, weil jährlich rund 30.000 bis 35.000 Lkw-Fahrer in Rente gehen, aber nur 15.000 bis 20.000 neue dazukommen“, warnte Engelhardt.
Der Lkw-Verkehr auf deutschen Autobahnen gilt als Konjunkturvorbote, da wirtschaftliche Aktivität Verkehrsleistungen erzeugt und benötigt: „Daher besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Lkw-Maut-Fahrleistungsindex und Indizes zur wirtschaftlichen Aktivität, insbesondere der Industrieproduktion“, erläuterte das Statistikamt.
Da die Lkw-Maut-Fahrleistungsdaten etwa einen Monat früher verfügbar sind als jene zur Produktion, gelten sie als ein früher Signalgeber für den Konjunkturverlauf. Die eingeschränkte Binnenschifffahrt bremse die Produktion, würge sie aber nicht ab, sagte Chefvolkswirt Krüger zur aktuellen Entwicklung: „Damit lebt die Hoffnung auf weiteres Wirtschaftswachstum.“
Die deutsche Industrie hat sich zuletzt berappelt. Die Auftragsbücher sind mittlerweile so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn der Statistik 2015. Die deutsche Wirtschaft insgesamt ist im ersten Halbjahr trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg robuster gewachsen als erwartet. Institute haben deshalb ihre Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr angehoben – auf bis zu 1,4 Prozent.
Open Questions
- Wie entwickeln sich die Pegelstände des Rheins in den kommenden Wochen?
- Welche konkreten Maßnahmen ergreifen Logistikunternehmen gegen den Fahrermangel?






