
Der russische Staatskonzern Rosatom kämpft mit sinkenden Auslandsumsätzen, Verzögerungen bei Großprojekten und den Auswirkungen westlicher Sanktionen.
AI-generated summary
Rosatom ist ein staatlicher russischer Atomkonzern, der seit 2007 existiert und die gesamte nukleare Wertschöpfungskette abdeckt. Er gilt als zentrale Stütze der russischen Wirtschaft und Kriegsanstrengungen.
Rosatom ist eine tragende Säule der russischen Wirtschaft. Der Atomkonzern baut Kernkraftwerke, betreibt Eisbrecher und beliefert das Militär. Im Ausland tritt er teils wie das russische Außenministerium auf. Doch genau dort stapeln sich inzwischen die Probleme.
Nach spannenden Erkenntnissen zu Umweltfragen und Atommüll sucht Dmitri Gortschakow längst nicht mehr, wenn er den Jahresbericht von Rosatom durchforstet. Damit war es 2022 vorbei, als Russland die Ukraine angriff. Der russische Atomexperte verließ das Land und schloss sich der norwegischen Umweltschutzorganisation Bellona an.
Seitdem verfolgt er ein anderes Ziel. Er sammelt in den Geschäftszahlen des Atomkonzerns Informationen, um der Ukraine und den Ländern der westlichen Welt aufzuzeigen, wie der staatliche Atomkonzern und die russische Atomindustrie funktionieren. Außerdem will er erklären, wie Rosatom dem russischen Präsidenten Wladimir Putin dabei hilft, seinen Krieg gegen die Ukraine zu führen.
Zahlreiche Anzeichen für Probleme
Rosatom ist ein Gigant. Der Konzern wurde 2007 gegründet und befindet sich bis heute zu 100 Prozent in russischer Hand. Mehr als 400.000 Mitarbeiter in mehr als 350 Einzelunternehmen decken die gesamte nukleare Wertschöpfungskette ab: Uranabbau, Brennstoffproduktion, Bau von Kernkraftwerken im Inland und im Ausland - und Entsorgung radioaktiver Abfälle. Rosatom betreibt die weltweit einzige Flotte von atomgetriebenen Eisbrechern.
Rosatom ist allerdings längst kein reines Atomunternehmen mehr. Der Konzern kaufe jedes Jahr neue Unternehmen in Russland dazu, sagt Dimitri Gortschakow im "Wieder was gelernt"-Podcast von ntv. Mittlerweile gehöre es auch in Bereichen wie 3D-Druck, Werkstoffe oder IT zu den führenden Unternehmen. "Vieles wurde ursprünglich für die Nuklearindustrie entwickelt", sagt der Atomexperte. "Mittlerweile stellt Rosatom diese Dinge insbesondere für die Rüstungsindustrie sowie für militärische Zwecke her."
Rosatom ist eine Säule der russischen Kriegswirtschaft. In vielen Städten ist der Konzern größter Arbeitgeber und dementsprechend einflussreich. Auch im Kreml. Rosatom erforscht, entwickelt und baut Atomwaffen für Putin. Der Konzern besetzt das Atomkraftwerk Saporischschja und beteiligt sich damit aktiv an der Invasion der Ukraine.
Es ist ein erfolgreiches Rezept. 2025 ist der Konzernumsatz Rosatom zufolge um knapp acht Prozent auf umgerechnet 43,3 Milliarden US-Dollar gestiegen.
Doch am Horizont zieht ein Problem auf: Im Jahresbericht für 2025 musste der Konzern einräumen, dass der Umsatz im Auslandsgeschäft erstmals gesunken ist - um 4,1 Prozent auf etwa 17,2 Milliarden US-Dollar.
Das inoffizielle Außenministerium
"Es gab zahlreiche Anzeichen dafür, dass sie immer mehr Probleme haben", sagt Gortschakow. "Das können sie nicht mehr verbergen. Wir kennen nicht alle Details, welcher Geschäftsbereich betroffen ist. Das größte Problem waren aber Auslandsprojekte. Rosatom hat Schwierigkeiten beim Bau von Kernkraftwerken. Wir gehen davon aus, dass dies der Hauptgrund ist."
Gortschakow bezeichnet den Umsatzrückgang als erheblich, denn bisher war das Auslandsgeschäft ausnahmslos eine Erfolgsstory. Rosatom ist weltweit in 65 Ländern aktiv. Alle Aufträge gemeinsam sind mehr als 206 Milliarden US-Dollar wert. In den vorherigen zehn Jahren ist der Umsatz immer gewachsen - allein in den vergangenen fünf Jahren jährlich um mehr als 20 Prozent.
Geld verdient Rosatom im Ausland unter anderem mit der Lieferung und Entsorgung von Kernbrennstoffen. Der Konzern ist aber auch die international dominante Baufirma neuer Atomkraftwerke: Derzeit baut Rosatom 22 Reaktorblöcke in acht Ländern, darunter China, Ägypten, Indien, die Türkei oder auch Ungarn. Der Konzern ist so gut vernetzt und einflussreich - teilweise sei er im Ausland wie das inoffizielle russische Außenministerium aufgetreten, sagt Gortschakow.
Doch inzwischen häufen sich die Probleme. Das räumt Rosatom-Chef Alexej Lichatschow selbst ein. Bei der Vorstellung des Jahresberichts erklärte er, dass ihm speziell das neue Atomkraftwerk Paks 2 in Ungarn und das Akkuyu-Projekt in der Türkei Kopfzerbrechen bereiten.
Paks 2 ist das einzige Atomkraftwerk, das Rosatom innerhalb der EU baut. Die ungarische Regierung hat den Konzern 2014 beauftragt, zwei neue Reaktorblöcke zu errichten. Der frühere ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán war großer Unterstützer des Projekts. Baubeginn sollte 2022 sein. Doch Paks 2 leidet seit Jahren unter politischen, genehmigungsrechtlichen und auch technischen Problemen. So ist laut dem Jahresbericht zum Zustand der Atomindustrie (WNISR) im Januar 2025 in einer Baugrube für einen der beiden neuen Reaktoren eine Stützkonstruktion eingestürzt. Nach vier Jahren Verzögerung war im Februar 2026 endlich offizieller Baustart von Paks 2.
"Sanktions-Fleischwolf"
Auch die westlichen Sanktionen belasten den Konzern, obwohl Rosatom trotz aktiver Kriegsbeteiligung nie direkt sanktioniert wurde. Konzernchef Lichatschow sprach im Sommer davon, dass sich die Projekte in Ungarn und der Türkei in einem "Sanktions-Fleischwolf" befinden. Ihm zufolge wurden in der Türkei Investitionen in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar eingefroren. Das Zahlungssystem von Rosatom wurde ebenfalls gestört. Außerdem hat Siemens nach Kriegsbeginn "Lieferungen verweigert", wie der Rosatom-Chef beklagt.
"Es ging um elektrische Geräte und Leit- und Steuerungsausrüstung", sagt Rosatom-Beobachter Gortschakow im Podcast. "Dieser Auftrag wurde storniert. Rosatom hat entschieden, die Siemens-Ausrüstung durch chinesische zu ersetzen, um das Projekt abzuschließen. Aber durch diese Verzögerung hat Rosatom eventuell den Auftrag für ein zweites Kernkraftwerk in der Türkei verloren."
Die türkische Regierung plant mindestens zwei weitere große Atomkraftwerke. Eines mit vier Reaktoren soll nahe der Mittelmeerstadt Sinop entstehen. Dmitri Gortschakow zufolge war Rosatom Favorit für den Bau. Doch vor Kriegsbeginn war geplant, dass der erste Reaktor von Akkuyu 2023 in Betrieb geht. Die Fertigstellung verzögert sich also um inzwischen drei Jahre.
Deshalb spricht die türkische Regierung für das Projekt in Sinop offen mit internationalen Wettbewerbern. Bei seinem Besuch in den USA im September 2025 unterzeichnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan eine Absichtserklärung mit der US-Regierung über strategische Zusammenarbeit im Bereich der zivilen Kernenergie. Zwei Monate später gab es ein ähnliches Abkommen mit Südkorea.
Die Türkei ist kein Einzelfall. Selbst die frühere Sowjetrepublik Kasachstan trifft Vorkehrungen, obwohl der russische Einfluss groß ist, wie Gortschakow erklärt. "Russland und Putin betrachten Kasachstan quasi als zweites Belarus. Ein Land, in dem sie fast alles machen können, was sie wollen. Doch selbst dort hat Rosatom seinen Status verloren. Wegen der geopolitischen Veränderungen, die der Krieg in der Ukraine verursacht hat, hat Kasachstan seine Atomprojekte diversifiziert. Es sollen mindestens zwei Kernkraftwerke gebaut werden, aber nur eines davon wird russisch sein. Das zweite Projekt wird chinesisch."
Der größte Verlierer dieser Entwicklung ist Wladimir Putin. Rosatom ist Staatskonzern; die Auslandsprojekte sind wichtig für das Prestige von Russland als Atomnation. Gleichzeitig belasten die Probleme die russischen Kassen: Rosatom finanziert neue Atomkraftwerke nicht im Alleingang, unter anderem russische Banken helfen dabei. Geht es Rosatom schlecht, geht es Russland schlecht.
Das schwindende Vertrauen in die Fähigkeiten von Rosatom ist aber auch eine ganz persönliche Niederlage für Putin, denn der russische Präsident im Ausland oft als eine Art persönlicher Markenbotschafter des Konzerns. Bei Staatsbesuchen wirbt er für neue Projekte, ganz egal ob in der Türkei, in China, in Kasachstan oder in Usbekistan. Immer im Schlepptau: Rosatom-Chef Alexej Lichatschow. Schwerwiegende Probleme bei der Umsetzung fallen auf den Kremlchef persönlich zurück.
Die Probleme bedeuten allerdings nicht, dass Rosatom ein ähnliches Schicksal wie Gazprom droht: der Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Für Regierungen, denen der Krieg in der Ukraine egal ist, ist der Konzern weiterhin ist eine der besten Optionen, ein neues Atomkraftwerk zu bauen - nur nicht mehr reibungslos, im Gegenteil.
Putin schmeißt nicht nur russische Soldaten in den Kriegsfleischwolf, sondern inzwischen auch seinen Atomkonzern.
AI outlook — possibilities, not facts
Weitere Verzögerungen bei Paks 2 und Akkuyu
Likely · Within months

President Volodymyr Zelenskyj confirms that the USA is again sending intelligence data to Ukraine to defend against Russian missile attacks after a break of several days.

The EU condemns an attack by radical settlers on a diplomatic car convoy in the West Bank. Vehicles from France, Belgium and Poland were attacked. The EU calls on the Israeli government to prosecute.

In Italy, Portugal and Belgium, tens of thousands protested against the high cost of living and lack of housing. There were violent clashes between demonstrators and police in Milan and Brussels, resulting in injuries and arrests.

In Italy, Portugal and Belgium, tens of thousands demonstrated against the high cost of living and housing shortages. In Milan and Brussels there were violent clashes between demonstrators and police, resulting in injuries and arrests.

The term 'Casseurs' describes hooded, mostly young men who infiltrate peaceful protest rallies in France in order to destroy them. They use the peaceful marches as a shield for their actions.

Despite bans under international law since 1977, hunger remains an instrument of warfare. Current crises in Yemen, South Sudan, Myanmar and Gaza as well as Russian blockades on Ukrainian exports illustrate the continued relevance of this humanitarian problem.