Russischer Angriff auf Slowjansk und Eskalation der Drohnen-Konflikte
Tote in der Ostukraine, Spannungen im Baltikum und diplomatische Bemühungen um Energie-Deeskalation
Quick Look
- Bei russischen Angriffen auf Slowjansk wurden zwei Menschen getötet.
- Während die UN Hilfsgüter in Bunker verlegen, eskalieren Drohnen-Zwischenfälle in Litauen und Dänemark.
- Parallel dazu gibt es diplomatische Bemühungen zur Einstellung von Angriffen auf Energieinfrastruktur.
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Why It Matters
Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine dauert an, mit zunehmenden Angriffen auf zivile und kritische Infrastruktur. Die Nato-Staaten reagieren verstärkt auf Grenzüberschreitungen durch russische Drohnen.
Bei einem russischen Angriff auf die ostukrainische Stadt Slowjansk sind ein Mann und eine Frau getötet worden. Eine weitere Frau sei verletzt worden, teilte der Chef der Militärverwaltung der Stadt, Wadym Ljach, bei Facebook mit. Es seien drei Wohnhäuser beschädigt worden.
Die Vereinten Nationen (UN) erwägen wegen anhaltender russischer Luftangriffe, ihre Hilfsgüter in der Ukraine in unterirdische Bunker zu verlegen. In diesem Jahr hätten russische Angriffe zehn Lagerhäuser der Organisation getroffen und Hilfsgüter im Wert von Millionen Dollar zerstört, sagt der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in der Ukraine, Matthias Schmale, der Nachrichtenagentur Reuters in Genf.
Unter den getroffenen Einrichtungen befindet sich auch ein Hauptlager der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit medizinischen Gütern. Die UN prüfen zudem den Kauf von gepanzerten Fahrzeugen und Drohnen-Abwehrsystemen. Die zusätzlichen Kosten sind im Hilfsbudget von 2,3 Milliarden Dollar für 2026 nicht vorgesehen.
Die russische Flugabwehr hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau in der Nacht zum Dienstag 222 ukrainische Drohnen abgefangen. Der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, erklärte, in der Stadt Taganrog habe ein schwerer ukrainischer Drohnenangriff mehrere Brände verursacht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, das ukrainische Militär habe in der Stadt eine Drohnenfabrik angegriffen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht in den jüngsten Zwischenfällen in Litauen und Dänemark ein größeres Muster russischer Aggression gegen Europa. Die Vorfälle seien nicht isoliert, sondern „Teil eines umfassenderen Musters russischer Aggression und Provokation gegen Europa, das unsere Bereitschaft und unsere Entschlossenheit auf die Probe stellt“, sagte von der Leyen am Dienstag.
„Russland wird feststellen, dass unsere Entschlossenheit nur stärker wird.“ In Litauen hatten Nato-Kampfjets nach Angaben der Behörden eine in den Luftraum eingedrungene Drohne abgeschossen. In Dänemark wurde dem Außenministerium zufolge ein Hubschrauber der Luftwaffe mit Leuchtkörpern beschossen, als er eine russische Fregatte in der Ostsee beobachtete.
Das westliche Verteidigungsbündnis Nato wird sich nach den Worten von Außenminister Johann Wadephul konsequent gegen Verletzungen der Souveränität wie durch die Drohne in Litauen zur Wehr setzen. „Wir sehen erneut Feindseligkeiten von russischer Seite, gegen Nato-Verbündete“, sagte Wadephul am Rande eines Besuchs der Vereinten Nationen in Genf. „Es zeigt einmal mehr, was Russland versucht: Es versucht, uns zu spalten, zu verunsichern und beides darf nicht gelingen.“ Die Nato habe gezeigt, dass sie derartige Angriffe zurückweisen kann. „Wir lassen uns nicht verunsichern“, sagte Wadephul.
Russland warnt westliche Politiker und Diplomaten vor Reisen in die Ukraine. Sie sollten die Risiken „nüchtern“ abwägen, mahnt die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. Hintergrund ist ein russischer Drohnenangriff auf eine Bahnstrecke, die kurz zuvor ein Zug mit dem britischen Ex-Premierminister Boris Johnson und dem schwedischen Ex-Ministerpräsidenten Carl Bildt passiert hatte. Sacharowa erklärt, Bahnhöfe und die Transportinfrastruktur für das ukrainische Militär seien legitime Ziele. Russland habe ausländische Diplomaten im Mai aufgefordert, Kiew wegen der Angriffe auf Rüstungsbetriebe zu verlassen.
Nach den jüngsten russischen Drohnenangriffen auf einen Zug von Kiew nach Warschau und auf die ukrainische Grenzregion will Polen seine Grenzübergänge zur Ukraine befestigen. „Die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, dass Russlands Vorgehen die Sicherheit ganz Europas gefährdet“, schrieb Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf X. Pioniere der polnischen Armee sollen nun die Grenzposten mit sogenannten Hesco-Barrieren verstärken, wie das Oberkommando auf X mitteilte.
Dies sind vom Militär verwendete Körbe aus Metall und Kunststofffolie, die mit Sand gefüllt werden. Außerdem sollen in der Nähe der Grenzübergänge Dorohusk, Medyka und Korczowa zusätzliche Beobachtungs- und Wachposten gebaut werden. Am Sonntag war nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn die Lokomotive des regulären Passagierzugs von Kiew nach Warschau beim Grenzbahnhof Jahodyn angegriffen worden. Verletzt wurde niemand.
Das ukrainische Militär macht mit Verzögerung erfolgreiche Gegenangriffe im Norden des Gebiets Donezk öffentlich. Der Kommandeur des 3. Armeekorps, Andrij Bilezkyj, berichtete in einem Video, nördlich der Stadt Lyman seien auf einer Fläche von 75 Quadratkilometern in mehreren Dörfern eingesickerte russische Stoßtrupps ausgeschaltet worden. Ukrainische Truppen hätten das Dorf Serednje und eine Fläche von zehn Quadratkilometern von russischen Truppen zurückerobert.
Dies sei jedoch nur ein Teil der Offensive mit dem Codenamen „Vivaldi“, sagte Bilezkyj. Wegen der strikten Geheimhaltung auf ukrainischer Seite hatte es aus dieser Region seit dem Frühsommer kaum Nachrichten gegeben. Erst in den vergangenen Tagen machten von Militärexperten verifizierte Fotos und Videoaufnahmen deutlich, dass es der Ukraine gelungen war, die Stadt Lyman zu sichern und einen großen Vorstoß der russischen Streitkräfte zurückzuwerfen.
Russische strategische Bomber vom Typ Tu-95 haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau Patrouillenflüge über neutralen Gewässern der Barentssee und der Norwegischen See unternommen. Die Maschinen seien dabei zeitweise von ausländischen Kampfflugzeugen eskortiert worden, melden russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Ministerium.
Das ukrainische Parlament hat für die Entlassung des Generalstaatsanwalts Ruslan Krawtschenko gestimmt. Eine deutliche Mehrheit von 317 Abgeordneten unterstützte einen entsprechenden Antrag von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Krawtschenko hatte vor rund einer Woche im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre in seiner Behörde seinen Rücktritt eingereicht, aber von einer „politischen Entscheidung“ gesprochen.
Am Montag erhob er in einem Video Vorwürfe gegen die ukrainischen Antikorruptionsbehörden und forderte deren Chefs zum Rücktritt auf. Zudem gab er an, sich auf einer Dienstreise im Ausland zu befinden. Selenskyj forderte die Abgeordneten auf, Krawtschenko schnellstmöglich zu entlassen.
Russland wird die Kampfhandlungen in der Ukraine nach den Worten von Außenminister Sergej Lawrow auch im Falle von Friedensgesprächen nicht einstellen. Lawrow erklärt, die sogenannte „Militäroperation“ werde auch während solcher Verhandlungen fortgesetzt. Die Ukraine fordert hingegen eine Waffenruhe als Grundlage für Verhandlungen.
Eine russische Fregatte hat am Donnerstag in internationalen Gewässern vor der dänischen Küste nach Angaben aus Kopenhagen zwei Leuchtkugeln auf einen dänischen Militärhubschrauber abgefeuert. Die Geschosse hätten den Helikopter knapp verfehlt, teilte das Militär des Nato-Landes mit. Der Hubschrauber sei auf einem Routineeinsatz gewesen, um die russische Fregatte zu fotografieren. Bei der Leuchtmunition handele es sich um Pyrotechnik, die auf See üblicherweise als Warnsignal genutzt werde, hieß es in der Mitteilung weiter. Wegen des Vorfalls will Dänemark den russischen Botschafter einbestellen. Dies kündigte Verteidigungsminister Jeppe Bruus im dänischen Sender TV2 an.
Russland hat erneut die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Drohnen angegriffen und dabei wieder eine Tankstelle getroffen. Ein Mensch sei verletzt worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Auch ein Lagerhaus sei getroffen worden. Den ukrainischen Behörden zufolge hat Russland zuletzt seine Angriffe auf Tankstellen ausgeweitet. Aus Russland meldeten die Behörden ihrerseits neue ukrainische Angriffe. In der südrussischen Hafenstadt Taganrog habe ein Raketenangriff unter anderem erneut eine Lagerhalle des Online-Händlers Ozon beschädigt. Zudem habe ein Drohnenangriff eine Industrieanlage in der Region Samara an der Wolga getroffen. Um welche Anlage es sich handelte, wurde nicht genannt. In der Region befinden sich große Ölraffinerien.
Die Ukraine hat in der Nacht mit Drohnen eine Industrieanlage in Russland angegriffen. Dabei seien die Anlage sowie mehrere Wohngebäude in der Region Samara im Südosten des Landes beschädigt worden, berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Gebietsgouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew. Todesopfer habe es nicht gegeben. Rund 40 Drohnen seien abgeschossen worden. Laut ukrainischen Berichten handelte es sich bei der Industrieanlage um eine Ölraffinerie.
Am Montag hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, Russland und die Ukraine wollten auf Angriffe auf gegnerische Energieanlagen verzichten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf X, dass ein deeskalierender Schritt mit Blick auf kritische Infrastruktur „ein erster Schritt in Richtung Frieden“ sein könnte. Aus Moskau gab es zunächst keine Reaktion.
Ein Nato-Kampfjet schießt eine Drohne im litauischen Luftraum ab. Zuvor waren die Jets wegen der Sichtung des unbemannten Flugkörpers nahe der Hauptstadt Vilnius aufgestiegen, teilt das nationale Krisenmanagementzentrum mit.
Die US-Regierung hat umfassende Sanktionen gegen die russische VTB Bank verhängt. Das Finanzministerium erklärte am Montag, die Maßnahme sei Teil der Bemühungen, verbliebene Finanzierungswege des Irans abzuschneiden.
Nach der überraschenden Ankündigung von US-Präsident Donald Trump über eine Feuerpause zwischen der Ukraine und Russland bei ihren gegenseitigen Angriffen auf Energieanlagen hat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj in diesem Zusammenhang von einem „nachdrücklichen Vorschlag“ gesprochen. Die Ukraine sei allerdings bereit, diese Deeskalation zu unterstützen, wenn Russland seine Angriffe auf kritische Infrastruktur in der Ukraine einstelle, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache.
Die Ukraine erkenne, dass Moskau nach den Gegenangriffen auf die russische Kriegswirtschaft unter Druck stehe. „Und bislang hat noch niemand einen echten Willen Russlands erkannt, den Krieg zu beenden“, bekräftigte er seine Zweifel an Russlands Bereitschaft zu einem baldigen Kriegsende. Sollte es den USA jedoch gelingen, den Krieg „aufrichtig und langfristig“ zu beenden, so werde die Ukraine ihre eigenen Schritte zur Deeskalation unternehmen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagt, sein Land sei bereit, Angriffe auf Russland einzustellen. Allerdings müssten die Partner der Ukraine über eine Vereinbarung mit Russland sicherstellen, dass Russland ukrainische Energieanlagen, Infrastruktur und Lebensmittelversorgungswege nicht mehr angreife, schreibt Selenskyj auf Telegram. Er äußert sich, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, die Ukraine und Russland hätten vereinbart, keine Energieziele des jeweils anderen zu angreifen. Selenskyj sagt dazu, die Ukraine sei nicht davon überzeugt, dass Russland bereit sei, sich an eine solche Vereinbarung zu halten.
US-Präsident Donald Trump erklärt, die Ukraine und Russland hätten vereinbart, die Energieziele des jeweils anderen Landes nicht anzugreifen. „Die Ukraine hat zugestimmt, keine russischen Energieziele anzugreifen. Russland hat sich ebenfalls dazu bereit erklärt“, schreibt Trump auf Truth Social. Eine offizielle Reaktion aus Moskau oder Kiew gab es zunächst nicht.
Finnland tritt der von Frankreich angeführten Initiative zur nuklearen Abschreckung („Forward Nuclear Deterrence Initiative“) bei, wie das Präsidialamt in Paris mitteilt. Frankreich hatte seinen europäischen Verbündeten im März eine engere Kooperation angeboten, um die Glaubwürdigkeit des eigenen Atomwaffenarsenals zu stärken. Das Vorhaben sieht gemeinsame Übungen, die Option einer kurzfristigen Verlegung atomwaffenfähiger Systeme auf das Gebiet von Verbündeten sowie engere Konsultationen vor. Einen formellen nuklearen Schutzschirm nach US-Vorbild bietet sie jedoch nicht.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert das Parlament auf, der Entlassung des Generalstaatsanwalts unverzüglich zuzustimmen. Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko, der vergangene Woche nach Korruptionsermittlungen in seiner Behörde zurückgetreten war, hat eigenen Angaben zufolge ein offizielles Verdachtsschreiben gegen den Chef der obersten Antikorruptionsbehörde des Landes unterzeichnet. Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden Nabu und Sapo hatten nach eigenen Angaben eine kriminelle Organisation aufgedeckt, die Betrugs-Callcenter betreibt.
What to Watch
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Polen verstärkt Grenzsicherung durch Hesco-Barrieren.
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- Wie reagiert Russland konkret auf die neuen US-Sanktionen?
- Wird die Vereinbarung zur Energie-Deeskalation tatsächlich umgesetzt?







