Sandoz bereitet sich auf den Markt für Semaglutid-Generika vor
Der Schweizer Generikahersteller Sandoz plant den Einstieg in den Milliardenmarkt für Abnehmmedikamente, während der Patentschutz für Semaglutid schrittweise ausläuft.
Quick Look
- Sandoz plant den Einstieg in den Markt für Semaglutid-Generika, nachdem der Patentschutz für Novo Nordisks Abnehmmittel schrittweise ausläuft.
- Finanzchef Remco Steenbergen sieht ein Milliardenpotenzial und setzt zudem auf den Ausbau von Biosimilars.
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Why It Matters
Semaglutid ist der Wirkstoff in Novo Nordisks Abnehmmedikamenten Ozempic und Wegovy. Das Patent auf den Wirkstoff ist in mehreren Ländern bereits ausgelaufen.
München. Es wird einer der bedeutendsten Patentabläufe eines Medikaments in der Geschichte der Pharmaindustrie: Semaglutid, der zentrale Wirkstoff der Abnehmmedikamente von Novo Nordisk, verliert nach und nach den Schutz vor billigeren Nachahmermitteln.
Jetzt rüsten sich die Hersteller solcher Generika für dieses Multi-Milliardengeschäft. Allen voran der Schweizer Konzern Sandoz, der sich als führender Anbieter etablieren will, wie Finanzchef Remco Steenbergen dem Handelsblatt erklärt.
Mit einem Anteil am Generikamarkt von 20 Prozent und einem Umsatz von elf Milliarden Dollar im vorigen Jahr ist Sandoz einer der führenden Produzenten. „Das Potenzial ist enorm und liegt definitiv im Milliardenbereich“, sagt Steenbergen über die Chancen in dem Markt.
Vorteil für Patienten und Krankenkassen: Generikakonkurrenz teurer Medikamente führt zu deutlich geringeren Kosten. Auch der Preis für Abnehmspritzen werde kräftig sinken, sagt Steenberger. Zu konkreten Preisen äußert sich Sandoz bisher nicht. In Kanada peilt Sandoz für generische Abnehmmittel Preisnachlässe von bis zu 70 Prozent gegenüber den Originalpräparaten an.
Aktuell werden die Abnehmmittel Ozempic und Wegovy des dänischen Konzerns Novo Nordisk in Deutschland je nach Dosierung für bis zu 278 Euro verkauft. Das Patent auf den Wirkstoff Semaglutid ist Anfang des Jahres in mehreren Ländern ausgelaufen.
Ende dieses Jahres will Sandoz mit Kopien der Abnehmmittel in Brasilien und Kanada starten, danach folgt der Nahe Osten. Das große Geschäft aber wird es erst Anfang des nächsten Jahrzehnts geben – wenn sich die Märkte in den USA und Europa für Generika öffnen.
„Dann werden wir auch dort offensiv in den Markt eintreten“, sagt der Finanzchef. „Es werden deutlich mehr Menschen Zugang zu den Produkten bekommen.“ Der Markt könne bis zu siebenmal so groß werden wie heute. Über eine konkrete Zahl will er nicht spekulieren.
Experten rechnen damit, dass der gesamte Markt für Abnehmmedikamente bis 2031 das Volumen von 100 Milliarden Dollar überschreiten wird. Davon könnten 203,7 Millionen Dollar bis 2030 an Sandoz gehen, prognostizieren von Visible Alpha befragte Analysten. Wie hoch der Anteil von Generika im Gesamtmarkt sein wird, ist eine der entscheidenden offenen Fragen unter Anlegern.
Zusätzlich zu dem Vorstoß in den Markt für Abnehmmittel kommt Sandoz eine zweite Entwicklung zugute: Das Unternehmen entwickelt sogenannte Biosimilars. Dabei handelt es sich um komplexe Nachahmerpräparate, die aus lebenden Zellen hergestellt werden.
Gezielte Investitionen in dieses Geschäft sind Teil der Strategie von Sandoz. Derzeit hat der Konzern 13 Biosimilars im Verkauf und möchte diese auf mehr als 100 versiebenfachen. 39 Produkte sind bereits in der Entwicklung. Der Schwerpunkt liegt auf der Krebsbekämpfung und der Immunologie.
„Bis 2035 haben wir den Anspruch, unseren Nettoumsatz gegenüber 2025 mehr als zu verdoppeln“, sagt Steenberger. Dabei sei das Potenzial aus Abnehmmitteln noch gar nicht berücksichtigt. Dafür müsse Sandoz seine Entwicklungskapazitäten erweitern und zugleich mit den richtigen Partnern zusammenarbeiten. 70 Prozent der neuen Produkte sollen aber aus der eigenen Entwicklung kommen.
Die Börse traut dem Konzern das jedenfalls zu: Im Stoxx-Europe-600-Health-Care-Index liegt die Aktie seit Jahresbeginn mit einem Plus von knapp zehn Prozent auf Platz sieben.
Novo Nordisk und Eli Lilly, die beiden führenden Pharmakonzerne im Abnehmsegment, versuchen, die kommende Konkurrenz durch Generika herunterzuspielen. In den USA wird meist gegen jede einzelne Markteinführung von Kopien geklagt, um sich das Geschäft weiter zu sichern. „Patente sind essenziell, weil sie echte Innovationen belohnen“, sagt Steenbergen. „Problematisch wird es jedoch, wenn Patentstrategien genutzt werden, um Wettbewerb über die eigentliche Schutzdauer hinaus zu verzögern.“
Sandoz sieht sich dafür gerüstet. „Um es mit der großen forschenden Pharmaindustrie aufzunehmen, braucht man eine bestimmte Größe und juristische Kompetenz. Wir verfügen über sehr gute Fähigkeiten in diesem Bereich“, sagt der Finanzchef. „Wir haben keine Angst davor.“
Produktionskapazitäten für das Geschäft mit Biosimilars wird Sandoz in den USA aufbauen. Zusätzliche Standorte in Europa plant der Konzern dagegen nicht, obwohl dort aktuell die Hälfte des Umsatzes entsteht. Vier der europäischen Standorte des Konzerns liegen in Deutschland.
Zu den Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump, der die Gesundheitskosten und Arzneipreise in den USA drücken will, sagt Steenberger: „Wir sind Teil der Lösung, nicht Teil des Problems. Je mehr und je schneller wir Generika und Biosimilars auf den Markt bringen, desto stärker entlasten wir das US-Gesundheitssystem.“
Bisher hatte Trump die forschende Pharmaindustrie unter Druck gesetzt, Generikahersteller aber verschont gelassen. Seit Juli droht Trump aber auch Generikaherstellern mit Zöllen. Sandoz rechnet nicht damit, davon getroffen zu werden.
„Bei nüchterner Betrachtung erscheint der politische Nutzen solcher Zölle begrenzt“, sagt Steenbergen. „Letztlich würden sie entweder das Risiko von Versorgungsengpässen erhöhen oder zu höheren Kosten für das US-Gesundheitssystem führen. Beide Szenarien wären nur schwer im Interesse der Patienten zu rechtfertigen.“
Der Großteil der verkauften Generika wird außerhalb der USA produziert. Die US-Regierung will bei wichtigen Medikamenten deutlich mehr Versorgungssicherheit auch über Nachahmermittel erreichen. Künftig sieht Steenbergen großes Potential in den USA: „Wir würden sehr gern in den USA investieren und stehen dazu im engen Austausch mit der US-Regierung.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Sandoz startet Ende 2025 mit Kopien der Abnehmmittel in Brasilien und Kanada.
Likely · Within months
Open Questions
- Wie hoch wird der Anteil von Generika am Gesamtmarkt sein?
- Wie werden die konkreten Preise für Sandoz-Generika aussehen?




