Thai Airways setzt Militär ein, um Gepäckchaos nach Bangkok-Überschwemmungen zu bewältigen
Quick Look
- Nach schweren Überschwemmungen in Bangkok setzt das thailändische Militär 100 Soldaten ein, um das Gepäckchaos bei Thai Airways zu lösen.
- Tausende Passagiere warten seit Tagen auf ihre Koffer.
- Der Tourismusminister kritisiert das Management scharf und erwägt eine Renationalisierung der Fluggesellschaft.
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Why It Matters
Thai Airways hatte erst vor einem Jahr ein gerichtliches Sanierungsverfahren nach der Coronapandemie abgeschlossen. Die aktuellen Probleme folgen schweren Überschwemmungen in Bangkok, die den Bodenbetrieb lahmlegten.
Bangkok. Um gravierende Probleme im Betriebsablauf bei Thai Airways zu lindern, rückt nun sogar das Militär an. Rund 100 Soldaten sind nach Regierungsangaben im Einsatz, damit Tausende Passagiere, die seit Tagen auf ihre Koffer warten, endlich an ihr Gepäck kommen.
Grund für die logistische Überforderung der nationalen Fluglinie Thailands sind die Überschwemmungen vom Wochenende, die weite Teile Bangkoks lahmgelegt haben – und deren Folgen den Flug- und Bodenbetrieb der Airline nach wie vor stark beeinträchtigen.
Passagiere der Airline mussten lokalen Medienberichten zufolge in den vergangenen Tagen nach der Landung bis zu sechs Stunden auf ihr Gepäck warten – oder bekamen es gar nicht ausgehändigt.
Noch zu Wochenbeginn, als sich die Hochwasserlage in Bangkok bereits entspannt hatte, kam es zu massiven Verspätungen: Ein Flug nach Frankfurt am Main, der bereits am Montagabend hätte ankommen sollen, landete erst am Dienstagmittag in Deutschland. Am Dienstag verspätete sich auch ein Flug nach München um einen halben Tag.
"Das Management muss proaktiver handeln", sagte Tourismusminister Surasak Phancharoenworakul – und attackierte Vorstandschef Chai Eamsiri. "Wenn er glaubt, er könne nichts tun, nur weil seine Amtszeit bald vorbei ist, halte ich das für inakzeptabel", sagte der Minister – ohne den Topmanager direkt beim Namen zu nennen. "Wenn er die Arbeit nicht machen will, sollte er seine Position schnell überdenken, damit jemand anderes helfen kann, die Dinge zu verbessern", fügte der Tourismusminister hinzu.
Der Minister, der nach eigenen Angaben nach einem Rückflug von Japan selbst von dem Chaos betroffen war, warf der Airline vor, mit den Störungen dem Ruf Thailands und dem Vertrauen in den Tourismus ernsthaft zu schaden. Er brachte zudem ins Spiel, die Airline wieder unter staatliche Kontrolle zu stellen. Das Finanzministerium hält derzeit 38,9 Prozent der Anteile.
Thai Airways hatte erst vor einem Jahr ein gerichtliches Sanierungsverfahren beendet, das die Airline durchlaufen musste, nachdem sie infolge der Coronapandemie in die Pleite geschlittert war.
Am Dienstag kündigte das Unternehmen infolge der logistischen Probleme umfangreiche Flugstreichungen an. Betroffen sind auch Verbindungen nach Deutschland. Ein für Dienstag geplanter Flug nach Frankfurt und ein für Mittwoch geplanter Flug nach München wurden annulliert. Insgesamt würden in den kommenden drei Tagen rund 30 Prozent aller Abflüge abgesagt, teilte die Fluggesellschaft mit.
Airline-Chef Chai bat am Dienstag in einer ersten öffentlichen Stellungnahme um Entschuldigung. Er sagte, dass sich noch mehr als 5000 Gepäckstücke aus Flügen vom Wochenende am Flughafen befänden und in den kommenden Tagen an ihre Besitzer zugestellt werden sollten. "Thai Airways sucht nicht nach Ausflüchten und bedauert diesen Vorfall zutiefst", sagte Chai. "Aber da es nun einmal geschehen ist, sind wir entschlossen, der Realität ins Auge zu blicken und die Situation mit all unserer Kraft zu lösen."
Der Manager führte die Probleme in erster Linie auf akuten Personalmangel während der Überschwemmungen zurück: Viele Mitarbeiter der Bodenabfertigung hätten ihren Dienst nicht antreten können, weil sie in überschwemmten Teilen der Stadt lebten. Die Airline habe zwar Fahrzeuge geschickt, um die Mitarbeiter abzuholen. Viele seien aber aus Sorge um ihre Familien und ihr Hab und Gut zu Hause geblieben. Daraufhin hätten sich große Mengen an Fracht und Passagiergepäck im Terminalgebäude angestaut.
Dauerregen hatte Bangkok rund 320 Millimeter Niederschlag binnen drei Tagen gebracht – ungefähr die Menge an Regen, die die tropische Metropole normalerweise im ganzen Monat September abbekommt. Nach Behördenangaben waren rund 700.000 Menschen direkt von den Überschwemmungen betroffen, vier Personen kamen ums Leben.
Die Folgen trafen auch viele Supermärkte in der Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt. Regale der Kette 7-Eleven blieben tagelang leer, weil Nachschub nicht in die Filialen kam. Der japanische Hersteller Honda musste die Arbeit in seiner Motorradfabrik einstellen.
Die Überschwemmungen weckten Erinnerungen an die Hochwasserkrise des Jahres 2011, als Teile Thailands monatelang unter Wasser standen und Hunderte Menschen starben. Besonders hart traf es damals die Industrie nördlich von Bangkok, wo Hunderte Fabriken den Betrieb einstellen mussten. Der Ausfall thailändischer Festplattenwerke führte damals weltweit zu Lieferengpässen.
Thailands Tourismuswirtschaft sorgt sich, dass das jüngste Unwetter ihre Geschäftslage weiter verschlechtert. Die Touristenzahlen lagen bereits vor dem Hochwasser seit Jahresbeginn knapp vier Prozent unter dem bereits enttäuschenden Vorjahreswert – unter anderem als Folge des Irankriegs. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren für das südostasiatische Land.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Thai Airways wird im Verlauf der Woche weitere Flugstreichungen ankündigen, wenn das Gepäckchaos nicht behoben ist.
Likely · Within days
Die thailändische Regierung wird Druck auf das Management von Thai Airways ausüben, um eine schnellere Lösung zu erzwingen.
Very likely · Within days
Open Questions
- Wann wird das Gepäck vollständig zugestellt sein?
- Welche finanziellen Verluste entstehen durch die Flugstreichungen?
- Wird die Airline tatsächlich renationalisiert?
- Wie lange dauert die Normalisierung des Betriebs?






