Ukraine-Krieg: Drohnenangriffe, internationale Diplomatie und Energieinfrastruktur
Präsident Selenskyj in Kanada, Angriffe auf sibirische Gasanlagen und diplomatische Bemühungen um Friedensgespräche
Quick Look
- Präsident Selenskyj besucht Kanada zur Sicherung von Luftabwehrhilfen.
- Während Russland massive Drohnenangriffe auf ukrainische Städte und zivile Infrastruktur meldet, weitet die Ukraine ihre Angriffe auf russische Gasanlagen in Sibirien aus.
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Why It Matters
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert seit Februar 2022 an. Russland nutzt verstärkt Drohnen und Raketen gegen ukrainische Energieinfrastruktur.
Felicitas Dahmen
Selenskyj: Kanada sagt Ukraine wichtiges Luftabwehr-Paket zu
Kanada stellt der Ukraine nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein wichtiges Paket zur Luftabwehr sowie Unterstützung für die Energiewirtschaft in Aussicht. Dies sagt Selenskyj vor einem Treffen mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney.
Einzelheiten dazu nennt er zunächst nicht. In seiner eigenen Stellungnahme verspricht Carney der Ukraine weitere Hilfe zur Abwehr russischer Angriffe sowie Unterstützung bei den Bemühungen um einen Beitritt zur Nato und zur Europäischen Union. Kanada hat das Land seit dem Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 mit insgesamt mehr als 25,5 Milliarden kanadischen Dollar unterstützt.
Marie Boms
Russland meldet Abschuss von fast 450 ukrainischen Drohnen
Die russische Flugabwehr hat nach Angaben aus Moskau Hunderte ukrainische Drohnen unschädlich gemacht. Das russische Verteidigungsministerium teilte am Donnerstag mit, in der Nacht seien 448 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. Laut dem Ministerium wurden die Drohnen über 13 russischen Regionen, der von Russland völkerrechtswidrig annektierten Halbinsel Krim sowie dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer abgefangen.
Marie Boms
Ukrainischer Generalstab bestätigt Angriff auf Raffinerie in Sibirien
Ukrainische Drohnen erreichen nach Angaben aus Kiew inzwischen Ziele im weit entfernten Sibirien. Der ukrainische Generalstab bestätigte am Donnerstag Berichte über einen Angriff auf eine mehr als 3.000 Kilometer von der Ukraine entfernte Ölraffinerie in der weitläufigen russischen Region.
Marie Boms
Ukraine meldet Angriffe von 149 russischen Drohnen
Das russische Militär hat nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe in der Nacht 149 Drohnen gegen die Ukraine eingesetzt. Dabei seien in der Region Kiew ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt worden, erklärte der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden in anderen ukrainischen Regionen mindestens 16 weitere Zivilisten verletzt.
Laura Thalmeyer
Viele Verletzte nach russischen Angriffen auf Kramatorsk
Durch russischen Beschuss sind in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk mindestens 16 Menschen verletzt worden. Viermal sei die frontnahe Stadt beschossen worden, teilte der Militärgouverneur des Gebietes Donezk, Wadym Filaschkin, bei Telegram mit. Einschläge hat es demnach in einem Wohngebiet und in der Nähe von Schulen gegeben. Filaschkin forderte die verbliebenen Einwohner erneut zur Flucht auf. Die Frontlinie ist nur etwas mehr als zwölf Kilometer von Kramatorsk entfernt.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren gegen die russische Invasion.
Felicitas Dahmen
Tote und Verletzte bei russischem Angriff auf Einkaufszentrum
Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in der nordukrainischen Stadt Sumy sind nach Angaben des regionalen Gouverneurs zwei Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden. Vier der Verletzten seien in einem ernsten Zustand, teilt Gouverneur Oleh Hryhorow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit.
Unter den Verletzten seien auch drei Teenager. Auf Fotos, die der Gouverneur im Internet veröffentlichte, sind ein schwer beschädigtes Gebäude und verstreute Trümmer zu sehen. Laut dem Gouverneur sind die Rettungskräfte weiter im Einsatz.
Lukas Bay
Selenskyj in Kanada – Treffen mit Carney geplant
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist in Kanada eingetroffen. Bei seinem Besuch werde es vor allem um Unterstützung für die ukrainische Flugabwehr und die Vorbereitungen auf den Winter gehen, sagt er nach seiner Ankunft. Es seien wichtige Treffen und Vereinbarungen geplant. Unter anderem wird Selenskyj bei Premierminister Mark Carney erwartet.
„Wir werden erörtern, wie wir unsere Widerstandsfähigkeit stärken, unsere Bevölkerung unterstützen und sicherstellen können, dass die Ukraine über die für ihre Verteidigung erforderlichen Fähigkeiten verfügt.“
Mit Angriffen auf das ukrainische Stromnetz versucht Russland nach Angaben Kiews, die Zivilbevölkerung vor dem anstehenden Winter zu demoralisieren.
Bianca Hugo
Ukraine greift zwei Gasanlagen in russischer Arktis an
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben erstmals zwei Anlagen zur Verarbeitung von Gaskondensat in der russischen Arktis ins Visier genommen. Dies zeigt die wachsende Reichweite der ukrainischen Angriffe auf Russlands Schlüsselindustrie.
Drohnen hätten Anlagen zur Verarbeitung von Gaskondensat im Bezirk Purow und in Nowy Urengoi in der russischen Region Jamal-Nenzen getroffen, teilten die ukrainischen Spezialkräfte auf Telegram mit. Sie legten mehr als 3.000 Kilometer zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Der Erklärung zufolge war es der bislang tiefste Angriff innerhalb Russlands.
Die Bestätigung von ukrainischer Seite folgt auf Angaben russischer Behörden vom Mittwoch über einen Angriff auf eine nicht näher bezeichnete Energieanlage in der Region Jamal-Nenzen. Durch herabfallende Trümmer sei in einem Energiekomplex der Region ein Feuer ausgebrochen, sagte Artem Schoga, Vertreter des Präsidenten im Föderationskreis Ural, am Mittwoch auf Telegram. Nach vorläufigen Angaben habe es keine Opfer gegeben.
Vivian Melchert
Trump: Putin will Abkommen zur Beendigung des Kriegs
Kremlchef Wladimir Putin ist nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump zu einer Vereinbarung zur Beilegung des Ukraine-Kriegs bereit. „Wir hatten ein großartiges Gespräch. Er will eine Vereinbarung“, sagte der Präsident vor seinem Abflug zu einem Parteikongress der Republikaner in Dallas auf eine entsprechende Journalistenfrage über das Telefonat mit Putin. Und wenn auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Vereinbarung wolle, wäre das „sehr schön“.
Nach der Reise von US-Vermittlern nach Kiew und Moskau zu Gesprächen über einen Ausweg aus dem Ukraine-Krieg war aus Russland zum Telefonat mitgeteilt worden, dass Putin Trump zugesichert habe, keine „aggressiven Pläne“ in Bezug auf Europa zu haben. Der Kremlchef habe Trump zudem eine „objektive und ausführliche Analyse der Vorgänge auf dem Schlachtfeld“ gegeben, sagte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow Journalisten. Putin habe dabei ausgeführt, was die USA „real für ein baldiges Ende der Kampfhandlungen tun können“.
Vivian Melchert
Flugzeug von Selenskyj beinahe von Drohne getroffen
Das Flugzeug des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist nach Angaben des norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre auf dem Weg nach Oslo beinahe von einer Drohne getroffen worden. Zu dem Vorfall sei es gekommen, als Selenskyj am frühen Dienstagabend von Moldau in die norwegische Hauptstadt reiste, um an den Trauerfeierlichkeiten des gestorbenen Königs Harald V. teilzunehmen. „Das ist die Realität, in der er sich befindet“, sagte Støre dem Sender NRK zufolge.
Die ukrainischen Behörden und Selenskyj selbst äußerten sich bislang nicht zu dem Vorfall und auch Støre machte demnach keine weiteren Angaben. Bei einem Treffen am Mittwochmorgen habe Selenskyj ihm berichtet, dass er keine gute Nacht gehabt habe, sagte Støre den Angaben nach und sprach von einer „dramatischen Situation“. Der Ukrainer habe am Telefon gesessen und Nachrichten über Raketeneinschläge in seiner Heimat entgegennehmen müssen.
Nach Angaben der US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) flog am Dienstag etwa eine Stunde lang eine russische Drohne im moldauischen und rumänischen Luftraum. Die Verteidigungsministerien in Moldau und Rumänien berichteten laut ISW von einer Shahed-Drohne, die aus der Ukraine in den moldauischen Luftraum eindrang, nach Rumänien weiterflog und schließlich nach Moldau zurückkehrte, bevor sie dort abstürzte. Ob es sich dabei um die von Støre genannte Drohne handelte, ist bislang unklar.
Vivian Melchert
Merz: Sehe wenig Chancen, dass Russland zu Gesprächen bereit ist
Bundeskanzler Friedrich Merz äußert sich skeptisch, dass Russland wirklich zu neuen Friedensverhandlungen über die Ukraine bereit ist. „Wir haben im Augenblick wenig Anzeichen dafür, dass die russische Regierung, der russische Präsident bereit ist, in ernsthafte Gespräche über ein Ende des Krieges einzutreten“, sagt Merz nach einem Treffen mit EU-Ratspräsident Antonio Costa. Die Bundesregierung mache seit Monaten Gesprächsangebote, um eine diplomatische Lösung zu erreichen. „Aber solange sich die russische Regierung allen Wünschen um ein Gespräch, um Verhandlungen, diplomatische Lösungen verschließt, sehe ich im Augenblick relativ wenig Chancen.“ Man werde die Ukraine so lange weiter unterstützen. Das diene nicht der Verlängerung des Krieges, sondern dessen Beendigung.
Vivian Melchert
Tote und Verletzte bei russischen Angriffen in der Ukraine
Bei russischen Angriffen auf ukrainische Städte sind nach offiziellen Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt worden. In der Hauptstadt Kiew kam eine Frau ums Leben, als eine Kampfdrohne ein mehrstöckiges Wohngebäude traf. Drei weitere Bewohner, darunter Kinder, wurden nach Angaben des Zivilschutzes verletzt.
In der Hafenstadt Mykolajiw wurden bei wiederholten russischen Angriffen mindestens zwei Menschen getötet, weitere zwölf Personen wurden verletzt. Die Angriffe galten nach offiziellen Angaben Hafenanlagen und Lagerhäusern, in denen Lebensmittel gelagert werden. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Angriffe mit Drohnen und Präzisionswaffen, erklärte jedoch, dass lediglich militärische Lager angegriffen und getroffen worden seien. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war zunächst nicht möglich.
Bei einem russischen Luftangriff auf die Stadt Kramatorsk im Osten der Ukraine wurden mindestens neun Bewohner verletzt. Die Stadt sei von mindestens neun Gleitbomben getroffen worden, berichteten die Behörden.
Vivian Melchert
Russland und Vietnam planen strategische Ölreserve
Der staatliche russische Öl- und Erdgaskonzern Sarubeschneft und das vietnamesische Staatsunternehmen Petrovietnam unterzeichnen eine Rahmenvereinbarung zum Aufbau einer strategischen Ölreserve in Vietnam. Das Abkommen wird während des Staatsbesuchs des vietnamesischen Präsidenten To Lam in Russland geschlossen. Einen Zeitplan, den Umfang der geplanten Reserve oder finanzielle Details geben die Unternehmen nicht bekannt. Die russische Seite habe ihren Partnern vorgeschlagen, die Idee zu prüfen, gemeinsam strategische Treibstoffreserven in Vietnam anzulegen, sagt Präsident Wladimir Putin.
Vivian Melchert
Berichte über ukrainischen Angriff in Westsibirien
Die ukrainischen Streitkräfte haben Medienberichten zufolge ein weit entferntes Ziel in Russland mit Drohnen angegriffen und möglicherweise beschädigt. Nach Darstellung ukrainischer Medien wurde in Nowy Urengoj im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen im Norden Westsibiriens eine Gas-Kondensationsanlage angegriffen. Über das Ausmaß der Schäden lagen keine offiziell bestätigten Angaben vor. Die ukrainische Nachrichtenagentur Unian veröffentlichte dazu lediglich nicht überprüfbare Fotos aus russischen sozialen Medien.
Der Gouverneur des Kreises, Dmitri Artjuchow, bestätigte den Angriff der Kampfdrohnen und sprach von einem Brand, der durch herabstürzende Trümmer verursacht worden sei. Nach seiner Darstellung wurden die anfliegenden Drohnen abgeschossen. „Die Situation ist unter Kontrolle“, schrieb er.
Nowy Urengoj ist über 3.000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Das angegriffene Unternehmen gilt als eine der wichtigsten Einrichtungen der Gas-Infrastruktur der Region.
Vivian Melchert
Rechnungshof: Europas Abkehr von russischem Erdgas gerät ins Stocken
Die EU-Bemühungen um eine Unabhängigkeit von russischem Öl und Erdgas geraten nach Einschätzung des Europäischen Rechnungshofs ins Stocken. Dies geschehe zu einem Zeitpunkt, an dem die Gasspeicher vor dem Winter ungewöhnlich leer seien, teilt die Behörde in einem Bericht mit. Daten des Branchenverbandes Gas Infrastructure Europe zufolge sind die Speicher zu 67 Prozent gefüllt, verglichen mit 80 Prozent im Vorjahreszeitraum. Für den Ausstieg veranschlagte die EU-Kommission 300 Milliarden Euro. Die Mitgliedsstaaten haben davon jedoch erst 54,3 Milliarden Euro eingeplant. Die EU-Kommission teilt dazu mit, die europäischen Maßnahmen hätten den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt und zu einer drastischen Verringerung der russischen Gasimporte beigetragen. Man werde die Empfehlungen des Rechnungshofs prüfen.
Vivian Melchert
Selenskyj wirft Westen mangelnden Druck auf Russland vor
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dem Westen einen zu sachten Umgang mit Russland angesichts zunehmender Angriffe auf zivile Gebiete vorgeworfen. „Leider ist die Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf diese Angriffe, die praktisch jeden Tag Menschen das Leben kosten, zu gering ausgefallen“, schrieb Selenskyj am Mittwoch in den sozialen Medien. „Doch eine Reaktion ist nötig - Moskau darf nicht mit der Annahme in den Winter gehen, dass es ohne Konsequenzen mit Raketen- und Drohnenterror davonkommen könne.“
Bei russischen Luftangriffen in der Nacht zum Mittwoch wurden nach ukrainischen Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet. Russland attackierte demnach sechs Regionen der Ukraine mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen. In einem beschossenen Wohngebäude im Kiewer Bezirk Darnyzkyj wurden nach Angaben des ukrainischen Notfalldiensts vier Menschen verletzt. Die 62-jährige Bewohnerin Olha Smal berichtete, durch die Explosion einer Drohne sei sie durch ihre Küche geschleudert worden. Eines ihrer Schlafzimmer habe Feuer gefangen. Ihre schwangere Nachbarin sei verletzt worden. „Man lebt von Tag zu Tag“, sagte Smal der Nachrichtenagentur AP. „Man weiß nicht, was einem morgen passieren wird, oder selbst was heute passieren wird. Es ist sehr, sehr hart.“
Das russische Verteidigungsministerium teilte dagegen mit, die Luftabwehr habe zwischen Dienstagabend und Mittwochfrüh 596 ukrainische Drohnen abgeschossen.
Vivian Melchert
Kreml: Hoffen auf baldige Ukraine-Gespräche unter US-Vermittlung
Russland hofft auf nach eigenen Angaben auf eine baldige Wiederaufnahme der von den USA vermittelten Friedensgespräche. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagt, man setze auf eine Fortsetzung der Verhandlungen in absehbarer Zeit und bleibe mit den US-Vertretern in Kontakt. Am Wochenende hatten die USA Unterhändler nach Moskau und Kiew entsandt, um den seit Februar stockenden Prozess wieder in Gang zu bringen. Am Dienstag hatten US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin miteinander telefoniert.
Bianca Hugo
Luftalarm in Kiew: Baden-Württembergs Innenminister muss in den Bunker
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) ist mit einer Delegation nach Kiew gereist – und hat die Auswirkungen des Krieges in der ukrainischen Hauptstadt am eigenen Leib zu spüren bekommen. Man habe in der Nacht in einen Bunker gehen müssen, weil es Luftangriffe auf Kiew gegeben habe, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Fortsetzung der diplomatischen Gespräche unter US-Vermittlung.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wie effektiv sind die neuen Luftabwehr-Pakete aus Kanada?
- Welche langfristigen Folgen haben die Angriffe auf sibirische Gasanlagen?



