+++ Ukraine-Krieg +++: Merz telefoniert mit Trump zur Ukraine
Kriegsgeschehen, Angriffe auf Energieinfrastruktur und diplomatische Initiativen prägen die aktuelle Lage.
Quick Look
- Nach einem Telefonat von Kanzler Merz mit US-Präsident Trump sehen westliche Partner neue Dringlichkeit im Ukraine-Krieg.
- Gleichzeitig führen anhaltende russische Angriffe zu Stromausfällen in der Ukraine, während Russland Raffineriebrände und Drohnenangriffe verzeichnet.
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Why It Matters
Der anhaltende russische Angriffskrieg gegen die Ukraine führt zu massiven Infrastrukturschäden und finanziellen Belastungen für alle beteiligten Staaten.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat vergangene Nacht mit US-Präsident Donald Trump telefoniert. Das teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin mit. Man sei sich einig, dass der Krieg gegen die Ukraine schnellstmöglich beendet werden müsse, sagte Kornelius. Eine Friedensvereinbarung müsse darüber hinaus Konsens der Nato-Partner haben. Es gebe nach den US-Wahlen ein „neues Gefühl der Dringlichkeit“, das Verhandlungsmandat habe sich „enorm“ verdichtet, sagte der Regierungssprecher.
Mehrere russische Regionen streichen Leistungen für Familien von Soldaten, die im Krieg gegen die Ukraine gefallen sind. Laut einem Regierungsbeamten, der nicht namentlich genannt werden wollte, haben mehr als zehn Regionen ihre Unterstützung für die Teilnahme an der sogenannten „militärischen Sonderoperation“ reduziert. Als Gründe nennt er knappe Mittel und unzureichende Ausgleichszahlungen des Bundes. Die Kürzungen zeigen, wie stark der Krieg die regionalen Finanzen unter Druck setzt.
Besonders deutlich wird das in Baschkortostan: Dort sank die Zahlung an Familien gefallener Soldaten von 2 Millionen Rubel im September 2025 auf 100.000 Rubel (rund 1.220 US-Dollar) Ende April. Auch Saratow, Samara und Belgorod haben ihre Leistungen gekürzt oder gestrichen. Die Bundeszahlung von 5 Millionen Rubel pro Familie bleibt unverändert. Hintergrund ist die schwierige Haushaltslage: Die Regionen rutschten von einem Überschuss von 50,6 Milliarden Rubel im Jahr 2022 in ein Defizit von 1,54 Billionen Rubel im Jahr 2025.
Die russischen Streitkräfte haben in der Nacht erneut Energieinfrastruktur-Einrichtungen in der Ukraine angegriffen. In sieben Regionen habe dies zu neuen Stromausfällen geführt, sagte der stellvertretende Energieminister der Ukraine, Artem Nekrassow. Die betroffenen Regionen seien Winnyzja, Dnipropetrowsk, Schytomyr, Saporischschja, Kiew, Charkiw und Tschernihiw. „Die Lage ist in der Hauptstadtregion nach wie vor am schwierigsten“, sagte Nekrassow. Die Versorgungsunternehmen müssten aufgrund schwerer Schäden immer noch Netzbeschränkungen verhängen.
In der südrussischen Region Krasnodar ist nach einem Drohnenangriff in einer Industrieanlage ein Feuer ausgebrochen. Die Anlage befinde sich in der Stadt Afipsky, teilte der örtliche Rettungsdienst auf Telegram mit. Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt. In der Stadt befindet sich die Ölraffinerie Afipsky. Die Ukraine hat wiederholt russische Ölraffinerien angegriffen. Krasnodar liegt am Schwarzen und am Asowschen Meer und ist über die Brücke von Kertsch mit der bereits 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim verbunden.
Russische Luftstreitkräfte haben ukrainischen Angaben zufolge ein Kraftwerk nahe der ukrainischen Stadt Sumy bombardiert. Auch eine Militärbrigade in der Region Saporischschja sei angegriffen worden. Wie russische Nachrichtenagenturen melden, kam bei dem Angriff eine Bombe vom Typ FAB-3000 zum Einsatz. Die Agenturen beriefen sich auf das Verteidigungsministerium in Moskau.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview zur Sicherung weiterer Hilfen eine rasche Anpassung an die neuen politischen Machtverhältnisse in den USA gefordert. Das Land müsse die parteiübergreifende Unterstützung bündeln, sagte er dem ukrainischen Fernsehsender TSN.
Die Versorgung mit Raketen für das US-Luftabwehrsystem Patriot habe dabei oberste Priorität. Das US-Außenministerium hatte in der vergangenen Woche den Verkauf von 500 Patriot-Raketen genehmigt, deren Lieferung erst für Anfang der 2030er Jahre erwartet wird.
US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben den Putin-Gesandten Kirill Dmitrijew im Weißen Haus getroffen. „Ich kann Ihnen nicht sagen, worüber ich gesprochen habe“, sagte Trump am Donnerstag zu Reporterinnen und Reportern.
Auf die Frage, ob er auch ukrainische Vertreter getroffen habe, die sich ebenfalls am Präsidentensitz aufhielten, sagte Trump, dass er das nicht getan habe.
Trump sprach von einem künftigen Abkommen. „Es wird ein großes Abkommen sein und es wird mehr als die Ukraine betreffen“, sagte er. Womöglich sei ganz Europa davon betroffen.
Vertreter der von Russland angegriffenen Ukraine und Moskaus waren für eine Veranstaltung zu Ehren von First Lady Melania Trump im Weißen Haus. Melania Trump wurde für ihre Rolle bei der Vermittlung einer Waffenruhe in dem von Russland besetzten ukrainischen Ort Oleschky gefeiert.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rechnet nach der Zwischenwahl in den USA mit neuen Schritte zur Unterstützung seines Landes. „Wir erwarten eine neue Dynamik“, sagte er auf einer Pressekonferenz in Bukarest. „Wir erwarten neue Schritte zur Unterstützung der Ukraine.“ Ohne die USA sei es nicht möglich, den Krieg zu beenden. Zugleich sei eine neue Rolle für Europa erforderlich.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist in Spanien von Regierungschef Pedro Sánchez und von König Felipe VI. empfangen worden. Zudem traf er in Madrid am Rande des 30. Iberoamerika-Gipfeltreffens mehrere lateinamerikanische Staats- und Regierungschefs. Selenskyj dankte Sánchez für die Einladung zu dem Gipfel und für dessen Unterstützung für die Ukraine.
Er forderte die lateinamerikanischen Staats- und Regierungschefs auf, in ihren Heimatländern über den russischen Angriffskrieg gegen sein Land zu sprechen. „Sorgen Sie dafür, dass die Welt von diesen Verbrechen erfährt“, zitierte ihn der spanische staatliche TV-Sender RTVE. Viele Länder Lateinamerikas haben zwar den Angriffskrieg Russlands verurteilt, sich aber ansonsten kaum an Hilfen für die Ukraine beteiligt.
Sánchez betonte, die Unterstützung für die Ukraine dürfe nicht allein von europäischen Ländern kommen. „Die Welt muss die Ukraine in ihrem Kampf für Freiheit und für das Völkerrecht unterstützen, denn andernfalls (...) legitimieren das Recht des Stärkeren“, warnt er.
Der ukrainische Parlamentsabgeordnete David Arachamija hat die US-First-Lady Melania Trump um weitere Bemühungen zur Deeskalation im Krieg gegen die Ukraine gebeten. Arachamija äußerte sich bei einer von Melania Trump in Washington ausgerichteten Veranstaltung mit russischen und ukrainischen Vertretern.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat im Kreml den mächtigen Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats empfangen, Mohsen Resai. Details zu dem Treffen gab der Kreml am Donnerstag zunächst nicht bekannt. Auf vom Kreml veröffentlichten Bildern war zu sehen, dass auch Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow und der Chef des russischen Militärgeheimdienstes, Igor Kostjukow, an dem Gespräch teilnahmen.
Kremlunterhändler Kirill Dmitrijew hat auf Einladung von First Lady Melania Trump im Weißen Haus gesprochen. Im Namen von Russlands Präsident Wladimir Putin bedankte er sich bei ihr für ihre „herausragende humanitäre Rolle“ bei der Vermittlung einer Waffenruhe in der russisch besetzten Frontstadt Oleschky. Die Feuerpause hatte vergangene Woche von Dienstag bis Sonntagabend gegolten – Russland und die Ukraine hatten sich bereits mehrfach bei der First Lady dafür bedankt.
Für Dmitrijew war es ein ungewöhnlicher Auftritt im Weißen Haus. Der Putin-Vertraute hatte dort bereits im April 2025 Gespräche mit US-Vertretern geführt, allerdings abseits der Öffentlichkeit. Dass er nun bei einer offiziell angekündigten Veranstaltung selbst das Wort ergriff, ist US-Medienberichten zufolge eine Premiere. Demnach war es offenbar auch das erste Mal, dass Vertreter Russlands und der Ukraine im Weißen Haus persönlich zusammentrafen.
In großangelegten Ermittlungen wegen Callcenterbetrugs verdächtigen ukrainische Korruptionsermittler ranghohe Polizisten und einen Geheimdienstler der Schmiergeldannahme. „Mitglieder einer kriminellen Vereinigung haben ranghohen Staatsangestellten systematisch unrechtmäßige Vorteile gewährt, um den ungehinderten Betrieb von betrügerischen Callcentern und anderen illegalen Geschäften zu gewährleisten“, hieß es in einer Mitteilung staatlicher Ermittler.
Das Schmiergeld ging demnach an Geheimdienstler, Staatsanwälte und Polizisten. Dafür sollten sie betrügerische Callcenter, den Verkauf von Drogen und die Produktion von Zigaretten und Falschgeld decken.
Kremlchef Wladimir Putin hat das Russland-Geschäft des Tabakkonzerns Japan Tobacco International (JTI) wie das anderer westlicher Unternehmen unter Moskaus Zwangsverwaltung gestellt. Laut Dekret übertrug er die Vermögenswerte der Aktiengesellschaft Promyschlennye Aktivy (auf Deutsch: Industrieaktiva). JTI hat nach eigenen Angaben vier Werke in Russland und produziert mehrere Zigarettenmarken in dem Land. Das Unternehmen beschäftigt demnach mehr als 4.000 Menschen.
Zuvor hatte Putin das Russland-Geschäft mehrerer westlicher Unternehmen unter Fremdverwaltung gestellt, darunter die Töchter der Handelskonzerne Metro und Auchan sowie des Lebensmittelriesen Nestlé. Die Firmen hatten anders als viele andere ihre Arbeit in dem Land ungeachtet des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine fortgesetzt.
Die russische Ölraffinerie Rjasan ist offenbar Ziel eines Angriffs geworden. Darauf deuten Videoaufnahmen hin, die in sozialen Medien veröffentlicht wurden und einen Brand in Richtung des Industriegeländes mit der Raffinerie zeigen. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte den Aufnahmeort des Videos verifizieren, jedoch nicht den Zeitpunkt der Aufnahme. Der Gouverneur der Region hatte einen massiven Drohnenangriff mit mehr als 200 Drohnen bestätigt. Herabfallende Trümmerteile hätten Brände in Industrieanlagen ausgelöst, wobei eine Person verletzt wurde, teilte er mit.
Das genaue Ausmaß der Schäden an der Raffinerie war zunächst unklar. Die Brände an den nicht näher bezeichneten Industriestandorten seien inzwischen eingedämmt oder gelöscht worden, sagte der Gouverneur später. Die Raffinerie in Rjasan, die die Hauptstadt Moskau mit Treibstoff versorgt, war in diesem Jahr bereits mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe. Die Anlage liegt mehr als 200 Kilometer südöstlich von Moskau und hat eine Verarbeitungskapazität von 340.000 Barrel pro Tag.
Russland hat nach eigenen Angaben fast 500 ukrainische Drohnen abgefangen. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Donnerstag mit, insgesamt 496 ukrainische Drohnen seien über 13 russischen Regionen, der völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Halbinsel Krim sowie dem Schwarzen und dem Asowschen Meer abgeschossen worden.
Mehr als 200 Drohnen setzte die Ukraine nach Angaben von Gouverneur Pawel Malkow gegen die südöstlich von Moskau gelegene Region Rjasan ein. Ein Mensch sei verletzt worden. Herabfallende Trümmer hätten Stromleitungen beschädigt und auf einem Industriegelände einen Brand ausgelöst, sagte Malkow. Russische Medien berichteten später von einem Brand in der Raffinerie von Rjasan.
Die ukrainische Flugabwehr hat nach Angaben ukrainischer Behörden zwischen Mittwochabend und Donnerstagmorgen 105 von 128 russischen Angriffsdrohnen unschädlich gemacht. Bei russischen Angriffen in den Regionen Dnipropetrowsk und Kiew seien vier Menschen verletzt worden, hieß es. In der Stadt Dnipro wurden nach Angaben des Chefs der regionalen Militärverwaltung, Olexander Hanscha, drei Menschen verletzt. Zudem seien Infrastruktur, Wohnhäuser und Garagen beschädigt worden, sagte Hanscha. Bei einem Angriff auf Logistikinfrastruktur westlich der Hauptstadt Kiew brach laut Katastrophenschutz ein Feuer aus, ein Mann wurde verletzt.
Die Zahl der Todesopfer bei einem russischen Lenkbombenangriff auf das südukrainische Dorf Komyschuwacha ist weiter gestiegen. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, bislang sei der Tod von 43 Menschen bestätigt. Die Identifizierung von Opfern anhand von DNA-Proben von Angehörigen dauere an, schrieb er auf der Plattform X. Eine als vermisst gemeldete Person sei lebend gefunden worden. Bei dem Angriff am Montag wurden eine Ausgabestelle für humanitäre Hilfe und ein angrenzender Schutzraum getroffen. Die Suche nach Vermissten wurde am Donnerstag fortgesetzt.
Die EU hat der Ukraine 4,36 Milliarden für das weitere Funktionieren des Staates und grundlegende öffentliche Dienstleistungen sowie für den Kauf militärischer Ausrüstung überwiesen. Konkret sind 3,7 Milliarden Euro dafür vorgesehen, den Finanzierungsbedarf der Ukraine zu decken, und 658 Millionen Euro für die Beschaffung von Drohnen, Raketen, Radarsystemen, elektronischen Kampfführungssystemen sowie Munition, wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte.
„Während Russland seine unerbittlichen Angriffe fortsetzt, steht der Ukraine ihr fünfter Kriegswinter bevor. Und während die Bemühungen um einen gerechten und dauerhaften Frieden für die Ukraine weitergehen, hält auch die unerschütterliche Unterstützung der EU an“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Gespräche über den Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg und Sicherheitsgarantien westlicher Verbündeter für das von Russland angegriffene Land werden nach Angaben des ukrainischen Chefunterhändlers Rustem Umjerow fortgesetzt. Dabei gehe es am heutigen Donnerstag im Nato-Hauptquartier in Brüssel auch um Finanzmittel für das kommende Jahr. Beteiligt seien Vertreter der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, der EU und der Nato. Auch die Weltbank und die US-Investmentgruppe BlackRock seien vertreten. Nato-Sprecherin Allison Hart sagte, es gehe um einen Weg hin zu einem „gerechten und nachhaltigen Ende des Krieges in der Ukraine“.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Fortsetzung der diplomatischen Gespräche über Sicherheitsgarantien in Brüssel und Washington.
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Open Questions
- Welche konkreten Inhalte hatte das Gespräch zwischen Trump und dem Putin-Gesandten?
- Wie reagiert Europa auf die veränderten US-Verhandlungsmandate?






