UniCredit-Chef Orcel sieht Commerzbank-Übernahme als beschlossene Sache
Quick Look
- UniCredit-Chef Andrea Orcel betrachtet die Übernahme der Commerzbank als strategisch wertvoll und bereits beschlossene Sache, erwartet Genehmigungen noch dieses Jahr.
- Trotz Widerstands von Commerzbank-Vorstand, Betriebsrat und Bundesregierung will UniCredit die Kontrolle übernehmen und ihre Strategie implementieren.
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Why It Matters
UniCredit verfolgt eine Wachstumsstrategie durch Zukäufe, wie bereits in der Vergangenheit mit HypoVereinsbank und Bank Austria. Der Bund ist zweitgrößter Commerzbank-Aktionär, hat aber seine Sperrminorität aufgegeben.
Geht es nach UniCredit-Chef Andrea Orcel, ist die Übernahme der Commerzbank bereits beschlossene Sache. "Die Commerzbank entwickelt sich von einer attraktiven Finanzbeteiligung zu einer strategischen Transaktion mit substanziellem industriellen Wert durch die Umsetzung unserer bewährten Blaupause", heißt es in einer Präsentation von Orcel zu den Quartalszahlen.
Mit den Genehmigungen der Aufseher sei vielleicht noch in diesem Jahr zu rechnen. Kurz danach werde man die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen und die Strategie implementieren. Wenn nötig, werde UniCredit eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, heißt es in der Präsentation weiter. Mit einem Tauschangebot sicherte sich UniCredit zuletzt fast die Hälfte der Commerzbank-Anteile.
Europa-Visionen sind nicht neu
Orcel folgt mit der Commerzbank-Übernahme einer bekannten Strategie: profitables Wachstum durch Zukäufe. Schon einer seiner Vorgänger, Alessandro Profumo, der zwischen 1995 und 2010 an der Spitze stand, trieb die Formung eines europäischen Bankhauses energisch voran.
Zur UniCredit gehören heute die ehemalige HypoVereinsbank aus Deutschland, sowie die ebenfalls im Jahr 2005 übernommene Bank Austria aus Österreich. Mit der Commerzbank würde der Konzern weiter wachsen. Strategisch ist es das Ziel von Orcel, ein europäisches Gegengewicht zur übermächtigen US-Konkurrenz aufzubauen, die auch in Europa sehr aktiv ist und um Marktanteile kämpft.
Allen Widerständen zum Trotz: Risiken bleiben
Orcel will der Commerzbank das eigene Geschäftsmodell überstülpen. Das stößt sowohl beim Vorstand als auch beim Betriebsrat des Frankfurter Geldhauses auf erbitterten Widerstand und zog auch immer wieder Kritik der Bundesregierung auf sich. Der Bund ist mit einem Anteil von zwölf Prozent zweitgrößter Commerzbank-Aktionär - eine Übernahme wird er aber nicht verhindern können. Ab 2024 gab der Bund seine einstige Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie sukzessive auf, die er nach der Rettung der Bank während der Finanzkrise 2008/2009 erworben hatte.
Orcel erklärte nun, er wolle sich konstruktiv mit der Bundesregierung, den Arbeitnehmervertretern und der Führung der polnischen Commerzbank-Tochter mBank ins Benehmen setzen. "Es sollte kein Problem sein, zu einer Einigung zu kommen, die im besten Interesse aller ist", sagte Orcel.
Den jetzigen Commerzbank-Vorstand erwähnte er nicht - dafür aber der Betriebsrat: "Wenn wir Betriebsräte hier als Verhandlungspartner genannt werden, liegt die UniCredit leider falsch", sagte Betriebsratsvorsitzender Sascha Uebel und verwies auf das deutsche Gesellschaftsrecht. Danach sei der Vorstand erster Ansprechpartner.
Risiken bleiben damit für UniCredit. Denn weder der Commerzbank-Vorstand unter Bettina Orlopp, noch die Arbeitnehmer, noch die Bundesregierung heißen sie willkommen. Es wird vielmehr von einer "feindlichen Übernahme gesprochen". Zu erwarten sind nämlich deutliche personelle Einschnitte, um die Kosten weiter zu senken. Am Verlust weiterer hochwertiger Arbeitsplätze hat auch der deutsche Finanzminister kein Interesse.
Prognose erhöht
Trotz des Übernahmekampfes um die Commerzbank sprach die UniCredit von einem rekordträchtigen ersten Halbjahr mit einem Nettogewinn von 6,1 Milliarden Euro. Die Bank hat daher ihre Prognose für den Nettogewinn im Jahr 2026 nach oben gesetzt.
Sie rechnet nun mit "deutlich" mehr als den zuvor erwarteten mindestens elf Milliarden Euro. Im zweiten Quartal sank das Nettoergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, was aber immer noch über den Analystenerwartungen lag.
DAX fällt wieder zurück
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
UniCredit erwartet Genehmigungen der Aufseher noch dieses Jahr.
Likely · Within months
UniCredit wird die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen und Strategie implementieren.
Very likely · Within months
Es sind deutliche personelle Einschnitte bei der Commerzbank zu erwarten.
Likely · Medium term
Open Questions
- Wie genau sieht die Einigung mit den Stakeholdern aus?
- Wie viele Arbeitsplätze werden abgebaut?
- Wann genau erfolgen die Genehmigungen der Aufseher?





