Urin trägt maßgeblich zum Gletscherschmelze am Everest bei
Quick Look
- Eine Studie aus Juli 2026 zeigt, dass menschliche Aktivitäten während der Everest-Besteigungssaison mehrere Tausend Tonnen Gletschereis zum Schmelzen bringen, wobei allein körperwarmer Urin pro Saison 154 Tonnen Eis schmelzen kann.
- Zusätzlich tragen Brennstoffe wie Gas, Kerosin und Benzin zum Energieverbrauch bei, der etwa 3000 Tonnen Eis und Schnee schmelzen könnte.
- Satellitendaten bestätigen einen Temperaturanstieg um 0,28 Grad pro Jahr rund um das Basislager.
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Why It Matters
Der Everest zieht jährlich Hunderte von Bergsteigern an, die während der Frühjahrssaison im Basislager und auf den Routen verweilen. Menschliche Abfälle und Brennstoffverbrauch belasten das empfindliche Ökosystem der Region.
Gelber Schnee ist an hohen, stark frequentierten Bergen wie dem Mont Blanc, dem Kilimandscharo und dem Mount Everest ein ernsthaftes Problem, nicht nur optisch. Eine im Juli 2026 in der Fachzeitschrift Regional Environmental Change veröffentlichte Studie zeigt, dass menschliche Aktivitäten während der Everest-Besteigungssaison mehrere Tausend Tonnen Gletschereis zum Schmelzen bringen – und Urin spielt dabei eine überraschend große Rolle.
Studienautor Khim Lal Gautam betitelte einen Konferenzvortrag zum Thema launig mit „Pisab ko Hisab“ (nepalesisch für: „Die Berechnung des Urins“). Als leitender Vermessungsoffizier im Landverwaltungsministerium von Nepal weiß er, wovon er spricht: Gautam war selbst zweimal auf dem Gipfel des Everest und leitete 2019 die offizielle Vermessung, nach der die neue Höhe von 8848,86 Metern festgelegt wurde. Seit 2022 ist er zudem für das temporäre Regierungsbüro im Basislager verantwortlich.
Allein der körperwarme Urin reicht, um pro Saison 154 Tonnen Gletschereis zu schmelzen
Die von ihm gesammelten Felddaten sind kein Pipikram, da kommt laut Studie einiges zusammen. Während der rund 50-tägigen Everest-Saison im Frühjahr 2023 verbrauchten Bergsteigerinnen und Bergsteiger 824 Gasflaschen Flüssiggas, 18 935 Liter Kerosin und 5130 Liter Benzin zum Kochen, Heizen und für die Stromversorgung – genug Energie, um schätzungsweise 3000 Tonnen Eis und Schnee zu schmelzen. Der Urin noch nicht einberechnet: Feste Ausscheidungen werden gesammelt und ins Tal transportiert, der Urin jedoch gelangt größtenteils direkt auf den Gletscher und verunreinigt das Trinkwasser des Khumbu-Tals. Täglich sind das 6000 Liter aus dem Basislager.
Allein der körperwarme Urin der Everest-Besucher reicht laut Studie, um rund 154 Tonnen Eis pro Saison zu schmelzen. Satellitendaten von 1991 bis 2023 bestätigen den Trend: Die Oberflächentemperatur rund um das Basislager stieg im Schnitt um 0,28 Grad Celsius pro Jahr – etwa doppelt so schnell wie auf dem umliegenden Gletscher selbst. Co-Autor Sudeep Thakuri relativiert das allerdings: Gravierender als der Urin seien die Brennstoffe fürs Heizen, Kochen und Beleuchtung, ganz abgesehen von den steigenden Durchschnittstemperaturen durch den Klimawandel.
Open Questions
- Wie können Abfallmanagement-Systeme am Everest verbessert werden?
- Welche langfristigen Auswirkungen hat die Verschmutzung auf die Wasserquelle des Khumbu-Tals?
- Gibt es Pläne zur Beschränkung der Besucherzahl auf dem Everest?





