US-Börsen: Kursrutsch bei Chip-Aktien belastet Wall Street – Goldman Sachs legt zu
Quick Look
- Der Ausverkauf bei US-Chipaktien setzt sich fort und belastet die Wall Street-Indizes, während Anleger auf die Quartalsberichte der Großbanken warten.
- Der Dow Jones bleibt bei 51.733 Punkten, der S&P 500 bei 7.810 und der Nasdaq bei 27.220 Zählern nahezu unverändert.
- Der Nasdaq 100 verliert 0,4 Prozent auf 30.562 Punkte.
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Why It Matters
Der Ausverkauf bei US-Chipaktien setzt sich fort, ausgelöst durch Medienberichte über den chinesischen Halbleiterkonzern CXMT, der eine neue Generation von Speicherchips für Rechenzentren auf den Markt bringen möchte, um seinen technologischen Rückstand gegenüber westlichen Anbietern zu verringern. Gleichzeitig steht der Beginn der Bilanzsaison an, wobei traditionell die Großbanken in den USA den Auftakt machen. Die IWF-Jahrestagung in Bangkok diskutiert die aktuelle Entwicklung der globalen Konjunktur.
Der massive Ausverkauf bei Chipwerten in den USA hält an und macht den Märkten weiter zu schaffen. Gleichzeitig schauen die Anleger heute auf die ersten Quartalsberichte der Großbanken.
Ein Straßenschild an der Wall Street. Foto: dpa
Düsseldorf. Die US-Börsen zeigen sich am Dienstag im Handelsverlauf uneinheitlich. Der Ausverkauf bei Chip-Aktien setzte sich einen weiteren Tag fort und übt Druck auf die Aktienmärkte aus. Im Fokus der Anlegerinnen und Anleger steht der Beginn der Bilanzsaison.
Der Dow Jones der Standardwerte notiert nahezu unverändert und liegt bei 51.733 Punkten.
Der breiter gestreute S&P 500 liegt unverändert bei 7810 Zählern.
Die Technologiebörse Nasdaq notiert ebenfalls nahezu unverändert bei 27.220 Punkten.
Der Nasdaq 100, ein Abbild der 100 Nicht-Finanzunternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung, notiert im Minus mit 0,4 Prozent bei 30.562 Zählern.
Am Montag schlossen die großen Indizes mit Ausnahme des S&P 500 leicht tiefer. Der Handel wurde durch einen weiteren Anstieg der Rohölpreise und einen Ausverkauf bei US-Chipwerten belastet. Halbleiterwerte in den USA und Asien verloren wegen der Spekulationen über ein Ende der rasanten Preissteigerungen bei Speicherchips deutlich.
Auslöser der Verkäufe waren Medienberichte, nach denen der chinesische Halbleiterkonzern CXMT eine neue Generation von Speicherchips für Rechenzentren auf den Markt bringen will. Damit würde CXMT seinen technologischen Rückstand gegenüber westlichen Anbietern verringern. „Die technologische Konkurrenz aus dem Reich der Mitte nährt die Sorge, wie lange sich die hohen Bewertungen und Gewinnmargen der etablierten Chipkonzerne noch rechtfertigen lassen“, sagte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets.
Am Tag vor Veröffentlichung der Daten zu den US-Verbraucherpreisen berichtet Markus Koch von einem sehr zurückhaltenden Start in den Handel. Der KI-Sektor stehe weiter unter Druck.
Der Ausverkauf bei Technologiewerten lässt Anlegerinnen und Anleger zu Staatspapieren greifen. Spiegelbildlich zu den steigenden Kursen sinken die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen US-Bonds fiel um sechs Basispunkte auf 5,18 Prozent.
Ölpreis gibt nach
Die Ölpreise bleiben angesichts der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und möglicher Angebotsrisiken ein bestimmendes Thema für die Märkte. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember verteuert sich um etwa 0,3 Prozent auf rund 105,93 Dollar je Barrel (159 Liter).
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, Russland habe zugestimmt, Diesel auf die Weltmärkte zu liefern. Seine Regierung habe die US-Sanktionen gegen russischen Treibstoff vorübergehend aufgehoben.
Gleichzeitig blieben die Versorgungsrisiken im Nahen Osten im Fokus der Anleger. „Frische Diesellieferungen aus Russland und stabilere saudische Ströme bringen zwar eine gewisse Entlastung, doch der Markt scheint immer noch mehr über das Risiko weiterer Angriffe auf Schiffe oder Pipelines am Golf besorgt zu sein“, sagte der Analyst Tim Waterer vom Brokerhaus KCM Trade.
Die Opec hatte zudem ihre Prognose für das Wachstum der Ölnachfrage in diesem Jahr auf 400.000 Barrel pro Tag gesenkt. Zu Jahresbeginn war sie noch von 1,4 Millionen Barrel ausgegangen.
Großbanken veröffentlichen Geschäftszahlen
Mit dem Beginn der Bilanzsaison steht dem Aktienmarkt in den nächsten Wochen ein wichtiger Belastungstest bevor. Den Auftakt machen traditionell die Großbanken in den USA: JP Morgan, Goldman Sachs Citigroup und Wells Fargo berichten am Dienstag vor dem Handelsauftakt an der Wall Street über das dritte Quartal. Am Mittwoch folgen die Geschäftszahlen von Morgan Stanley und der Bank of America.
Quartalszahlen
Anleihehandel lässt Zahlen der US-Banken schwächer ausfallen
Wells Fargo meldet im dritten Quartal höhere Einnahmen. Wie das viertgrößte US-Geldhaus am Dienstag mitteilte, stieg der Nettogewinn in den drei Monaten bis Ende September auf 5,95 Milliarden Dollar von 5,59 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Das Institut profitiert davon, dass die US-Notenbank Fed eine regulatorische Obergrenze für die Bilanzsumme aufgehoben hat. Dadurch hat Wells Fargo mehr Spielraum, um Kredite zu vergeben.
Auch Goldman Sachs hat im dritten Quartal dank florierender Aktiengeschäfte deutlich mehr verdient. Der Gewinn kletterte auf 5,29 Milliarden Dollar nach 4,10 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum, wie die US-Investmentbank mitteilte. „Ungeachtet der aktuellen Komplexität und Unsicherheit in der Welt sind wir weiterhin sehr gut positioniert, um unsere Kunden zu bedienen“, erklärte Bankchef David Solomon. Die Aktien von Goldman Sachs legen um rund 2,2 Prozent zu.
Die Citigroup verbuchte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Gewinnsprung um 40 Prozent auf 5,25 Milliarden Dollar. Mit 2,85 Dollar je Aktie übertraf die Bank die Analystenschätzungen von 2,66 Dollar. Allerdings fiel der Überschuss damit um zehn Prozent niedriger aus als im zweiten Quartal. Die Erträge im Investmentbanking kletterten im Jahresvergleich um neun Prozent, schwächten sich aber zuletzt wegen weniger Emissionen ab. Die Papiere der Citigroup gaben um 0,4 Prozent nach.
Die Investmentbank JP Morgan meldet einen Rückgang der Investmentbanking-Gebühren um acht Prozent gegenüber dem zweiten Quartal. Nach einem fulminanten Jahresstart habe sich die Kundenaktivität im Laufe des Quartals etwas abgeschwächt. Der Nettogewinn stieg in den drei Monaten bis Ende September dagegen auf 15,3 Milliarden Dollar, nach 14,4 Milliarden im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die abflauende Dynamik bereitet den Anlegerinnen und Anlegern Sorge. Dennoch legen die Titel der US-Großbank zum Handelsstart rund 1,3 Prozent zu.
IWF-Jahrestagung
In Bangkok beginnt am Dienstag der zweite Tag der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Hier treffen sich Finanzminister und Notenbanker aus aller Welt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) legte am Dienstagmorgen seine neue Prognose zur Entwicklung der globalen Konjunktur vor.
Der Irankrieg und der Boom bei Künstlicher Intelligenz spalten die Weltwirtschaft aus Sicht des IWF. Während Chipexporteure wie Taiwan und Südkorea deutlich stärker wuchsen als erwartet, litten vor allem Ölimporteure, die über keine starke Tech-Industrie verfügten.
Blick auf die Einzelwerte
Visa: Die Aussicht auf einen Eintritt in den chinesischen Markt stützt die Aktien von Visa. Die Titel des US-Kreditkartenanbieters rücken um rund 0,7 Prozent vor. Visa hat von der chinesischen Zentralbank die Genehmigung erhalten, ein Geschäft zur Abwicklung von Bankkartenzahlungen vorzubereiten. Dafür habe der Konzern ein Jahr Zeit, teilte die People's Bank of China (PBOC) mit. Mit der Genehmigung rückt Visa einen Schritt näher an die Konkurrenten American Express und Mastercard heran, die bereits auf dem lukrativen und bislang von der staatlichen China UnionPay dominierten Zahlungsmarkt vertreten sind.
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Johnson & Johnson: Die überraschend starken Zahlen des US-Pharma- und Konsumgüterkonzerns Johnson & Johnson (J&J) lassen Anlegerinnen und Anleger kalt. Die Titel geben zum Start des US-Handels über sechs Prozent nach, obwohl der Konzern seine Umsatz und Gewinnprognose für das Gesamtjahr leicht angehoben hat. Der Nahost-Konflikt habe das Medizintechnikgeschäft von J&J belastet.
Mehr: Die Weltwirtschaft klafft auseinander – das sind die Gewinner und die Verlierer
Bianca Hugo Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.
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What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Quartalsberichte der übrigen Großbanken wie Morgan Stanley und Bank of America werden am Mittwoch veröffentlicht und könnten den Markt weiter beeinflussen.
Very likely · Within days
Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen könnten weiter fallen, wenn der Ausverkauf bei risikoreichen Anlagen wie Chipaktien anhält.
Likely · Within days
Visa wird voraussichtlich innerhalb des einjährigen Zeitraums, der ihm von der People's Bank of China eingeräumt wurde, die Vorbereitung für den Eintritt in den chinesischen Zahlungsmarkt abschließen.
Possible · Within months
Open Questions
- Wie lange wird der Ausverkauf bei Chipaktien anhalten?
- Welche konkreten Auswirkungen wird der Eintritt von Visa in den chinesischen Zahlungsmarkt haben?
- Wie wird sich der Nahost-Konflikt langfristig auf das Medizintechnikgeschäft von Unternehmen wie Johnson & Johnson auswirken?
- Welche Maßnahmen werden die Zentralbanken ergreifen, um die Marktvolatilität zu reduzieren?






