
Stark wachsende Unternehmensgewinne stützten bisher die US-Börsen. Experten der Bank J. Safra Sarasin warnen jedoch vor bremsenden Faktoren wie sinkenden Energiepreisen und steigenden Finanzierungskosten.
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Der US-Leitindex S&P 500 stieg im laufenden Jahr um zwölf Prozent, maßgeblich getrieben durch hohe Unternehmensgewinne.
Stark wachsende Unternehmensgewinne gelten als wichtigste Stütze der Börsenrally in den USA. Doch die Signale mehren sich, dass der Boom enden könnte, meint Jakob Blume.
Frankfurt. Wenn sie die anhaltende Rekordjagd an den Börsen trotz Kriegen und geopolitischer Krisen begründen müssen, verweisen Anlagestrategen oft auf die stark wachsenden Unternehmensgewinne in den USA. Die jüngsten Quartalszahlen von Konzernen wie Nvidia haben einmal mehr bewiesen, warum die Börsenrally, die den US-Leitindex S&P 500 im laufenden Jahr bereits um zwölf Prozent steigen ließ, als fundamental untermauert gilt.
Im Durchschnitt stieg der Gewinn pro Aktie von US-Konzernen im zweiten Quartal um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie die Anlagestrategen der Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin schreiben. Das Gewinnwachstum in den USA habe „außergewöhnliche Stärke“ bewiesen.
Sie rechnen allerdings nicht damit, dass sich der Profit-Boom ungebrochen fortsetzt. „Eine weitere Beschleunigung wird schwer zu erreichen sein.“ Die Anlagestrategen der Schweizer Privatbank haben gleich drei Faktoren ausgemacht, die das Gewinnwachstum bremsen könnten.
1. Der Energiepreis-Schock hat sich gelegt
Während der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus der Wirtschaft in Europa schweren Schaden zugefügt haben, wirkten sie für einen wichtigen Teil der US-Wirtschaft wie eine Sonderkonjunktur. Der Preis für die US-Ölsorte WTI stieg in der Spitze auf über 110 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter), auch Raffinerieprodukte wie Diesel oder Kerosin verteuerten sich massiv.
Der Gewinn pro Aktie im US-Energiesektor stieg daher laut Safra Sarasin im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 150 Prozent und steuerte mehr als fünf Prozentpunkte zum 30-prozentigen Gewinnwachstum in den USA bei.
Inzwischen passieren jedoch wieder Tanker die Straße von Hormus, wenn auch deutlich weniger als vor Kriegsausbruch. In der Tendenz fallen die Energiepreise, daher dürften auch die Gewinne der US-Energiekonzerne nicht länger so rasant wachsen, erwarten die Safra-Sarasin-Experten.
2. Steigende Finanzierungskosten
Im KI-Wettrüsten investieren die US-Technologiekonzerne in historisch beispiellosem Ausmaß in Chips, Rechenzentren und Infrastruktur. Längst reicht der Cashflow nicht mehr zur Finanzierung der Investitionen aus, daher schrauben Hyperscaler wie Amazon, Google oder Meta ihre Verschuldung in die Höhe.
Der Mix aus höheren Schulden bei gleichzeitig steigenden Anleiherenditen sorgt dafür, dass die US-Tech-Konzerne in Zukunft einen immer höheren Anteil ihres operativen Ertrags für Zinszahlungen ausgeben müssen. Dies werde das zukünftige Gewinnwachstum ebenfalls bremsen, erwarten die Anlagestrategen der Schweizer Bank.
3. Höhere Abschreibungen
Hinzu komme, dass schon bald hohe Abschreibungen auf Investitionen die Bilanzen der US-Tech-Konzerne belasten dürften. Das hängt damit zusammen, dass laut Schätzungen von Safra Sarasin in diesem Jahr gut 60 Prozent der gesamten hunderte Milliarden Dollar schweren Investitionen der Tech-Konzerne in Chips fließen. Diese müssen über drei bis fünf Jahre abgeschrieben werden, also in einem deutlich kürzeren Zeitraum als andere Investitionsgüter.
„Hohe Investitionsausgaben von heute führen morgen zu erheblichen Abschreibungen – eine Entwicklung, die sich in den kommenden Quartalen zunehmend in den Ergebnissen der Hyperscaler niederschlagen dürfte“, schreiben die Anlagestrategen. All diese Faktoren tragen aus ihrer Sicht dazu bei, dass der Ausblick für das Gewinnwachstum der US-Konzerne fragil wirkt.

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