
Der US-Finanzminister Scott Bessent fordert Spekulanten heraus, nicht gegen seine Marktinterventionen zu wetten, und vergleicht den Finanzmarkt mit einem Casino.
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Die USA intervenierten Ende Juli gemeinsam mit Japan am Devisenmarkt, um den Yen zu stützen. Bessent plant zudem den Rückkauf von US-Staatsanleihen, um deren Renditen zu beeinflussen.
Die USA haben zuletzt ungewöhnlich häufig am Finanzmarkt interveniert. Nun warnt der Finanzminister Investoren davor, gegen ihn zu wetten. Dafür bemüht er ein Bild aus dem Glücksspiel.
New York. US-Finanzminister Scott Bessent hat sich mit bemerkenswerten Worten an Investoren und Spekulanten gewandt. Bei einer Veranstaltung an der Southern Methodist University in Texas warnte er sie davor, gegen seine Entscheidungen zu wetten.
Dabei bemühte er ein Bild aus dem Glücksspiel und verglich den Finanzmarkt mit einem Casino. „Ich bin jetzt die Bank“, sagte Bessent. Weil die Chancen im Glücksspiel zugunsten der Bank ungleich verteilt sind, gewinnt diese auf lange Sicht.
Die USA hatten Ende Juli zusammen mit Japan am Devisenmarkt interveniert, um die japanische Landeswährung Yen zu stabilisieren. Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass beide Länder koordiniert intervenierten.
Kritik an der Intervention wies der 64-jährige ehemalige Devisenhändler zurück. „Wenn Leute sagen: ‚Oh, der Finanzminister geht da ein Risiko ein‘ – für mich ist das ein Traum: Ich verfüge über einen Informationsvorsprung“, sagte Bessent.
Er forderte daher Investoren heraus: „Wenn wir beim Yen intervenieren, weiß ich ziemlich genau, was die Bank of Japan und japanische Politiker vorhaben.“ An Investoren gewandt ergänzte er: „Sie können gegen mich wetten, wenn Sie wollen.“
Der Yen legte infolge der Intervention zunächst kräftig zu, gab seine Gewinne in den folgenden Tagen aber wieder ab – unter anderem, weil Händler auf die begrenzten Mittel hinwiesen, die dem Finanzministerium für Devisenkäufe zur Verfügung stehen.
Mittlerweile ist der Yen zwar wieder gestiegen, allerdings in Erwartung einer Zinserhöhung in Japan. Bessents Hinweis auf „asymmetrische Informationen“ könnte daher auch nur ein Bluff sein, sagte der Devisenstratege Yujiro Goto von der japanischen Investmentbank Nomura Securities.
Andere Marktteilnehmer nehmen seine Aussagen ernster. Deren Bedeutung sei immens, sagte etwa Anleiheexperte Tadashi Matsukawa beim US-Vermögensverwalter Pine Bridge Investments in Japan: „Die Botschaft ist klar: Widersetzen Sie sich nicht dem Finanzminister.“
Der Satz gehört zu Bessents schärfsten Äußerungen in einer ungewöhnlichen Kampagne, mit der er die Märkte nach seinem Willen – und gegen die Skepsis vieler Investoren – lenken will. Vor der Yen-Intervention überraschte er die Märkte bereits mit dem Plan, mehr langlaufende US-Staatsanleihen zurückzukaufen.
Damit will er deren Renditen senken. Kurzfristig gelang das. Mittlerweile haben die Renditen für US-Staatsanleihen mit 30‑jähriger Laufzeit ihre vorherigen Höchststände aber fast wieder erreicht.
Denn finanziert werden können die Rückkäufe Marktbeobachtern zufolge nur durch die Ausgabe von neuen, kurz laufenden Anleihen. Experten kritisierten daher den Plan. James Sullivan, Analyst bei der US-Großbank JP Morgan, sagte, das sei so, „als würde man seine Hypothek mit der Kreditkarte bezahlen“.
Vor diesem Hintergrund ist es vielleicht kein Zufall, dass Bessent seine Aussagen ausgerechnet jetzt platziert. Am heutigen Mittwochabend wird Bessent mitteilen, wie groß die Rückkäufe sein werden. Im August hatte er gesagt, bei jeder geplanten Transaktion Anleihen im Wert von mindestens vier Milliarden Dollar zu kaufen, doppelt so viele wie zunächst geplant.
Nach Einschätzung von Kazushige Kaida, Devisenexperte bei der State Street Bank & Trust in Tokio, steckt hinter Bessents „Ich bin die Bank“-Aussage daher Kalkül: „Ob es sich nun um US-Staatsanleihen oder den Yen handelt – seine wiederholten verbalen Warnungen zielen wahrscheinlich darauf ab, Marktbewegungen zu korrigieren, die seiner Ansicht nach zu weit gegangen sind.“
Ob sich Investoren davon beeindrucken lassen, dürfte spannend werden. Gerade Anleiheinvestoren haben in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach gezeigt, wie mächtig sie sind.
James Carville, früher Politikberater des ehemaligen US-Presidents Bill Clinton, sagte daher einmal, dass er früher gern als Präsident, Papst oder Baseball-Star wiedergeboren worden wäre: „ Aber heute denke ich, ich wäre im nächsten Leben gern der Anleihemarkt. Damit kann man jeden einschüchtern.“
Mit gezielten Verkäufen von Anleihen können Investoren die Renditen in die Höhe treiben – im Extremfall so hoch, dass sie Staaten zu Ausgabenkürzungen zwingen, weil sie sich sonst angesichts der hohen Zinskosten nicht mehr finanzieren können.
AI outlook — possibilities, not facts
Bekanntgabe des Volumens der Anleiherückkäufe durch Bessent.
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