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Die Renditen von US-Staatsanleihen sind in den letzten Monaten gestiegen, getrieben von Zinserwartungen, Inflationsdruck und geopolitischen Entwicklungen wie dem Iran-Krieg. Die 30-jährige Anleihe erreichte zuletzt den höchsten Stand seit 2004, bevor sie nun auf 5,62 Prozent stieg – den höchsten Stand seit 2002.
Das Renditeniveau verschiebt sich bei US-Staatsanleihen immer weiter nach oben. Auf dem aktuellen Stand muss aber noch nicht Schluss sein, sagen die Analysten einer US-Großbank.
Händler an der Wall Street: Für die Renditen am Anleihemarkt scheint es derzeit nur nach oben zu gehen. Foto: AFP
Düsseldorf. Das Renditeniveau am US-Anleihemarkt erreicht Dimensionen, die es seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr gab. Bei amerikanischen Staatspapieren mit 30-jähriger Laufzeit lag die Rendite am Dienstag in der Spitze bei 5,62 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 2002.
Die Rendite von zehnjährigen US-Treasuries bewegt sich aktuell noch auf dem Niveau von 2007, nähert sich aber ebenfalls dem Stand von 2002. Sie ist der Referenzwert für Hypothekenkredite, Autokredite und teilweise auch Kreditkartenzinsen. Je höher die Renditen sind, desto teurer wird die Finanzierung für die US-Verbraucher.
Erst in der vergangenen Woche erreichte die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe den höchsten Stand seit 2004. Doch der Anstieg scheint sich langsam, aber bislang unaufhaltsam fortzusetzen und erstreckt sich über die gesamten Laufzeiten (angegeben ist jeweils das Tageshoch):
dreimonatige Laufzeit: 4,23 Prozent
sechsmonatige Laufzeit: 4,45 Prozent
einjährige Laufzeit: 4,58 Prozent
zweijährige Laufzeit: 4,96 Prozent
fünfjährige Laufzeit: 5,11 Prozent
zehnjährige Laufzeit: 5,29 Prozent
30-jährige Laufzeit: 5,62 Prozent
Je kürzer die Laufzeiten sind, desto stärker reagieren die Renditen auf geldpolitische Entscheidungen. Die zweijährige Staatsanleihe gilt dabei als Richtwert für Zinserwartungen am Markt. Zuletzt hatte die US-Notenbank Fed ihren Leitzins auf das Band von 3,75 von 4,00 Prozent angehoben.
Damit preist die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen fast vier weitere Zinsschritte ein. Zinshändler sehen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von fast 60 Prozent, dass die Fed den Leitzins bis zum Jahresende noch zweimal um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht.
Energiepreise, Staatsschulden und Unternehmensanleihen wirken auf den Markt
Allerdings sind es nicht allein die Zinserwartungen, die die Rendite bewegen. Je länger die Laufzeit ist, desto stärker reagieren die Anleihen auf geopolitische und fiskalpolitische Entscheidungen. In beiden Feldern gibt es aktuelle Entwicklungen, die die Renditen treiben.
So sind durch den Irankrieg die Energiepreise weltweit gestiegen. Dadurch steigt das Inflationsrisiko. Zudem steigen die Staatsschulden der USA immer weiter. Im August überschritten sie erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar.
Zusätzlich verstärkt wird der Renditeanstieg durch Anleiheemissionen von Unternehmen. Vor allem Tech-Konzerne finanzieren darüber zunehmend ihre Investitionen in Künstliche Intelligenz. Diese Unternehmensanleihen mit hoher Bonität stehen bei Investoren in Konkurrenz zu Staatsanleihen. Das treibt ebenfalls die Rendite.
Weil die Verbraucher den Renditeanstieg zunehmend spüren, wird „Affordability“, Bezahlbarkeit, ein wichtiges Wahlkampfthema bei den Zwischenwahlen im November. US-Präsident Donald Trump forderte daher schon mehrfach Zinssenkungen von der Fed.
Keine Grundlage für Zinssenkungen
Für Zinssenkungen sehen Ökonomen aktuell aber keine Grundlage. Die Fed verfolgt ein doppeltes Mandat: Preisstabilität und maximale Beschäftigung.
Der Arbeitsmarkt in den USA ist weiterhin robust. Auch andere Konjunkturindikatoren weisen mehrheitlich auf eine stabile Wirtschaft hin. Das würde keine Zinssenkung rechtfertigen. Gleichzeitig lag die jährliche Inflationsrate mit 3,4 im August über dem Fed-Zielwert von zwei Prozent. Das spricht ebenfalls gegen eine baldige Zinssenkung.
Da die höheren Finanzierungsbedingungen die Unternehmen bislang nicht übermäßig belasten, reagiert auch der Aktienmarkt vergleichsweise verhalten auf den Renditeanstieg. Am Dienstag lagen die großen Indizes nur leicht im Minus, die Rekordstände sind nicht weit entfernt.
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Mehr: Verlieren Aktien wirklich immer, wenn die Renditen von Anleihen steigen?
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