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Die US-Inflation liegt seit über fünf Jahren über dem Zweiprozentziel der Federal Reserve. In der vergangenen Woche hob die Fed erstmals seit 2023 die Leitzinsen an. Die jüngsten Konjunkturdaten zeigen ein starkes Wachstum, das jedoch mit Lieferkettenengpässen einhergeht und Inflationssorgen nährt.
Eine schwache Nachfrage bei der Auktion von US-Staatsanleihen und zunehmende Sorgen um einen strafferen Zinskurs der Fed haben die Renditen auf neue Jahreshöchststände getrieben.
Börsenkurse auf Bildschrmen: Am Mittwoch zogen die Renditen der US-Staatsanleihen deutlich an. Foto: IMAGO/UPI Photo
New York. Am größten und wichtigsten Anleihemarkt der Welt haben Anleger am Mittwoch reihenweise US-Staatsanleihen auf den Markt geworfen. In der Folge sind die Renditen der amerikanischen Schuldtitel auf die höchsten Stände seit Jahren gestiegen. Auch europäische Staatsanleihen gerieten in dem Zuge unter Druck.
Die wichtige zehnjährige US-Benchmarkanleihe ist zur Wochenmitte auf 5,13 Prozent geklettert und damit auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2007. Die Rendite der zehnjährigen Anleihen steuert nun auf den siebten Monat in Folge mit einem Anstieg zu – die längste Aufwärtsbewegung seit 2011.
Auch über die anderen Laufzeiten hinweg stiegen die US-Renditen im Handelsverlauf auf Mehrjahreshöchststände.
Die zweijährigen US‑Bonds legten um 12 Basispunkte auf 4,889 Prozent zu.
Die fünfjährige US-Staatsanleihe notierte zwischenzeitlich bei knapp über 5,0 Prozent.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe, die als Benchmark für Unternehmensanleihen gilt, kletterte zwischenzeitlich um bis zu 18 Basispunkte auf 5,13 Prozent, den höchsten Stand seit 19 Jahren.
Die 30-jährige US‑Staatsanleihe zog auf 5,4 Prozent an – und liegt damit nur etwa vier Basispunkte unter dem Höchststand seit 2004.
Gründe für den Ausverkauf
Am Mittwoch sorgte eine Reihe von Daten und Entwicklungen für Druck an den Anleihemärkten. Zum einen wurde heute der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor von S&P Global vorgelegt. Demnach erreicht die Wirtschaftstätigkeit im September den höchsten Stand seit über fünf Jahren.
Der Datenanbieter S&P merkte jedoch an, dass dieses Wachstum mit gravierenden Engpässen in den Lieferketten einherginge. Das deute darauf hin, „dass die Unternehmen an Preisgestaltungsmacht gewinnen, was für die Inflationsaussichten Anlass zur Sorge gebe“, sagte S&P-Ökonom Chris Williamson dazu.
Das Direktoriumsmitglied der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Michael Barr, schürte indes weiter Sorgen vor einer deutlich strafferen Geldpolitik der Fed. Auf einer Veranstaltung der regionalen Notenbank am Mittwoch in Chicago sagte er, dass weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich notwendig seien, um die Inflation wieder auf das Ziel der Zentralbank zurückzuführen. Die US-Inflation übersteigt das Notenbankziel von zwei Prozent bereits seit über fünf Jahren.
Vergangene Woche hatten die Währungshüter um Fed-Chef Kevin Warsh das erste Mal seit über drei Jahren die Leitzinsen auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Warsh hatte dabei einen deutlich „falkenhafteren“ Ton angeschlagen. Am Markt wird nun über einen möglichen Zinsstraffungszyklus spekuliert.
An den Anleihemärkten führten die Sorgen vor einem deutlich strafferen Kurs der US-Notenbank zu Kursverlusten. Fallen die Preise für Anleihen, steigt spiegelbildlich ihre Rendite.
Die Konjunkturdaten wurden zudem vor dem Hintergrund steigender Ölpreise infolge des Irankonflikts veröffentlicht, wo sich weiter keine dauerhafte Lösung abzeichnet. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Rohölsorte Brent lag auch zur Mitte der Woche bei über 100 Dollar.
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Schwache Nachfrage bei Auktion
Besonders aufmerksam verfolgt haben dürften Investoren aber auch die Auktionsergebnisse für fünfjährige US-Staatsanleihen am Mittwoch.
Die frühen Kursverluste bei Anleihen wurden durch die am Nachmittag stattfindende Auktion von fünfjährigen Anleihen im Wert von 70 Milliarden Dollar verstärkt, bei der die höchste Auktionsrendite seit 2006 erzielt wurde. Das deutet auf eine schwächere Nachfrage hin – das heißt, dass Investoren eine höhere Rendite verlangen.
Die für den Abschluss der Auktion erforderliche Rendite von 5,033 Prozent lag mehr als drei Basispunkte über dem vor Ablauf der Gebotsfrist erwarteten Niveau.
Gemessen daran war es die zweitschlechteste Auktion für fünfjährige Anleihen seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2018 – lediglich das Ergebnis vom Juni 2022 nach der ersten von mehreren deutlichen Zinserhöhungen der Fed um 75 Basispunkte war noch schlechter.
Am Dienstag versteigerte das US-Finanzministerium zweijährige Anleihen in Höhe von 69 Milliarden Dollar. Auch hier verlangten Investoren mit 4,787 Prozent die höchste Rendite seit mehr als zwei Jahren.
Die zweite Transaktion im Rahmen dieser Erweiterung, die auf Anleihen mit einer Laufzeit von 20 bis 30 Jahren abzielt, ist für Donnerstag angesetzt.
Höhere Zinsen verteuern Schuldenaufnahme
Schon seit Wochen treibt der Ausverkauf der Anleihen die Renditen zahlreicher Staatsbonds. Der neuerliche Druck am Anleihemarkt erhöht den Druck auf das erweiterte Rückkaufprogramm des Finanzministeriums unter Scott Bessent, das Mitte August angekündigt wurde. Für Experten galt dies als Versuch des Finanzministeriums, die Renditen am langen Ende zu drücken.
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