
Vertragsunterlagen zeigen, dass der Autobauer bis Mitte 2027 aus dem Ansiedlungsvertrag aussteigen kann, während Georgia in Vorleistung geht.
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Audi plant ein Werk im US-Bundesstaat Georgia mit einer Investition von vier Milliarden Dollar und 4500 Arbeitsplätzen bis Ende 2033. Das Förderpaket beläuft sich auf rund eine Milliarde Dollar, darunter Steuervorteile, direkte Zuschüsse und Infrastrukturkosten. Der Vertrag ist noch nicht unterzeichnet und bedarf der Zustimmung des VW-Aufsichtsrats.
Audi kann sein geplantes US-Werk selbst nach der Unterschrift noch absagen. Das zeigen Vertragsunterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen. Zugleich hält sich der Autobauer bereits einen Ausbau offen.
New York. Audi kann sich auch nach einer Unterschrift unter den Ansiedlungsvertrag noch aus seinem geplanten Werk im US-Bundesstaat Georgia zurückziehen. Das geht aus Vertragsunterlagen der regionalen Wirtschaftsförderung hervor, die dem Handelsblatt vorliegen.
Bis Mitte 2027 soll Audi das Werksgelände von der Wirtschaftsförderung mieten, erst dann ist das Geschäft vollzogen. Bis dahin darf der deutsche Autobauer kündigen, wenn ihm die Prüfung des Geländes nicht genügt – etwa beim Boden, bei der Umwelt oder bei der Erschließung. Darüber entscheidet Audi nach eigenem Ermessen.
Für die Ingolstädter wäre ein solcher Ausstieg vergleichsweise günstig. Verloren wären demnach vor allem eine Gebühr von zwei Millionen Dollar und die eigenen Vorbereitungskosten – ein Bruchteil der geplanten Investition von vier Milliarden Dollar.
Georgia geht in Vorleistung
Im Ansiedlungsvertrag vorgesehene Rückzahlungen bei verfehlten Zusagen greifen nämlich erst, wenn das Geschäft vollzogen ist. Noch ist der Vertrag ohnehin nicht unterzeichnet: Laut den Unterlagen fehlen die Unterschriften von Audi und dem Bundesstaat, zuvor muss auch der VW-Aufsichtsrat zustimmen.
Audi ließ eine Anfrage des Handelsblatts vom Donnerstagabend bis zur Veröffentlichung unbeantwortet. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters hatte der Konzern am selben Tag keinen Kommentar abgeben wollen.
Für Georgia ist der Vertrag heikel, denn die öffentliche Hand geht in Vorleistung. Noch in diesem Jahr muss die Wirtschaftsförderung zusätzliche Grundstücke kaufen, andernfalls darf Audi zurücktreten. Die Planierung von rund 400 Hektar darf sie bereits vor dem Vollzug des Geschäfts angehen, veranschlagt sind dafür gut 78 Millionen Dollar. Und wird es teurer, muss laut Vertrag der Staat nachschießen, soweit das Gesetz es zulässt. Das gilt ausdrücklich auch bei steigenden Material- und Treibstoffpreisen oder schwierigem Boden.
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Wie teuer solche Garantien werden können, zeigt das Werk der VW-Schwestermarke Scout Motors in South Carolina. Auch dort hatte der Staat die Erdarbeiten und Umweltauflagen übernommen. Im Januar bezifferte das zuständige Wirtschaftsministerium die Mehrkosten auf 150 Millionen Dollar, zusätzlich zu den ursprünglich bewilligten 1,3 Milliarden Dollar an Anreizen. Im Parlament sorgte dies für Streit.
Brisant wird der Zeitplan durch die Midterms. Bei den Zwischenwahlen am Dienstag gewann die Demokratin Keisha Lance Bottoms überraschend deutlich das Rennen um das Gouverneursamt in Georgia. Ihr unterlegener Gegenkandidat, der Republikaner Rick Jackson, hatte vor knapp zwei Wochen noch auf jener Wahlkampfkundgebung im nahe gelegenen Perry gesprochen, auf der US-Präsident Donald Trump das Werk gemeinsam mit Audi-Chef Gernot Döllner verkündete.
Die Demokratin Keisha Lance Bottoms: Sie setzte sich im Rennen um den Gouverneursposten in Georgia überraschend deutlich gegen ihren republikanischen Kontrahenten durch. Foto: AP Photo/Brynn Anderson
Mitte Januar tritt Bottoms ihr Amt an, bis dahin regiert noch der republikanische Amtsinhaber Brian Kemp. Zusätzlich drängt eine Steuerfrist: Von der Verkaufssteuer auf Baumaterial ist Audi nur befreit, wenn Georgia das Werk bis zum 31. Dezember als regional bedeutsames Projekt einstuft. Laut Vertrag soll das erst nach der Unterschrift geschehen.
Das Wirtschaftsministerium in Atlanta setzt auf Kontinuität. „Das Vorgehen bei Audi entspricht dem, wie Georgia große Investitionen von Autoherstellern über mehrere Regierungen hinweg unterstützt hat“, hatte eine Sprecherin dem Handelsblatt am Dienstagabend gesagt. Georgias Zusagen reichten über Jahrzehnte, und man sehe sich in der Verantwortung, ein „verlässlicher, langfristiger Partner“ der Unternehmen zu bleiben, die dort investieren.
Was für Georgia auf dem Spiel steht, zeigen die Vertragsdokumente ebenfalls. Rechnet man alle darin bezifferten Leistungen zusammen, kommt das Förderpaket auf rund eine Milliarde Dollar. Über die Größenordnung hatte zuvor bereits die Zeitung „Atlanta Journal-Constitution“ berichtet.
Steuervorteile machen größten Teil aus
Den größten Brocken bilden Steuervorteile: Formal soll das Werk der Wirtschaftsförderung gehören, die es an Audi vermietet. Deshalb zahlt Audi 20 Jahre lang keine regulären Steuern auf das Werk, sondern feste Ausgleichszahlungen. Die Ersparnis für den Konzern hatte die Wirtschaftsförderung in ihrem ersten Angebot im Juli auf rund 459 Millionen Dollar geschätzt. Gut 400 Millionen Dollar fließen in Straßen, Wasserversorgung und die Ausbildung künftiger Beschäftigter. Hinzu kommen 137 Millionen Dollar an direkten Zuschüssen, aus denen unter anderem Grundstückskauf und Planierung bezahlt werden.
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Audi verpflichtet sich im Gegenzug, zunächst vier Milliarden Dollar zu investieren und bis Ende 2033 4500 Arbeitsplätze mit einem Durchschnittslohn von etwa 63.000 Dollar im Jahr zu schaffen. Fällt der Konzern danach bis 2050 im Schnitt unter 80 Prozent dieser Zusagen, muss er einen Teil der Förderung zurückzahlen.
Die Verträge halten zudem schon eine zweite Ausbaustufe des Werks offen: Bis Ende 2033 kann Audi entscheiden, weitere drei Milliarden Dollar zu investieren und 3000 zusätzliche Stellen zu schaffen. Auch dafür stünden weitere Zuschüsse und Steuervorteile bereit.
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AI outlook — possibilities, not facts
Der VW-Aufsichtsrat wird dem Ansiedlungsvertrag zustimmen.
Likely · Within weeks
Georgia wird die zusätzlichen Grundstücke kaufen und die Erdarbeiten vornehmen.
Likely · Within months

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