
Während die USA und Kanada in einen Zollstreit geraten, versucht die mexikanische Regierung unter Claudia Sheinbaum, durch Verhandlungen den Marktzugang zu sichern.
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Das USMCA-Abkommen ersetzte 2020 die NAFTA. Die USA haben die automatische Verlängerung gestoppt und führen nun jährliche Überprüfungen ein.
Mexiko-Stadt. Während die USA und Kanada sich in ihrem Zollkonflikt gegenseitig hochschaukeln, ist es im Süden der Vereinigten Staaten derzeit noch auffallend ruhig. Doch auch in Mexiko gibt es Befürchtungen, dass der neue Streit zwischen den Regierungen in Ottawa und Washington die Verhandlungen über die Fortsetzung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA zwischen den drei Ländern erschweren könnte.
Die USA hatten gegen Kanada neue Zölle von bis zu 50 Prozent verhängt, entsprechende kanadische Gegenzölle sollen ab dem 8. September greifen. Bisher hat die Regierung in Mexiko-Stadt in den Gesprächen mit den USA einen Konfrontationskurs stets mit aller Macht vermieden. Und Präsidentin Claudia Sheinbaum bemüht sich um ein kollegiales und freundliches Verhältnis zu ihrem US-Amtskollegen Donald Trump.
Doch nach der Eskalation zwischen Kanada und den USA schickte Sheinbaum vorsorglich ihren Wirtschaftsminister Marcelo Ebrard nach Washington. Er sollte sicherstellen, dass die vierte Runde der USMCA-Gespräche zwischen beiden Ländern wie geplant im September weiterlaufen und eine neue Vereinbarung über Zölle erzielt werden kann.
Besonders wichtig ist Mexiko, dass die Vereinigten Staaten Zölle auf Stahl und Aluminium (50 Prozent) sowie Kraftfahrzeuge und Autoteile (25 Prozent) reduzieren, die Trump nach dem „Trade Expansion Act“ von 1962 verhängt hat. Paragraf 232 dieses Bundesgesetzes ermächtigt den US-Präsidenten, Einfuhren aus dem Ausland zu beschränken, wenn diese die nationale Sicherheit gefährden oder beeinträchtigen könnten. „Wir arbeiten seit über einem Jahr daran, die Zölle der USA zu senken“, unterstrich Sheinbaum. Ein ähnliches Ziel verfolgte allerdings auch Kanada, bevor es zum neuen Eklat kam.
Im Juni hatte die Trump-Regierung auch Gespräche mit Mexiko über die Zukunft des USMCA-Abkommens aufgenommen. Beide Seiten haben mehr als ein Dutzend Punkte, die sie bei dem Handelspakt gerne modifizieren wollen. Bis zum 1. Juli hätte entschieden werden müssen, ob der Vertrag für weitere 16 Jahre fortdauern soll.
Doch am 1. Juli gab der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer dann unvermittelt bekannt, dass Washington das Abkommen nicht verlängern werde. Es bleibt nach dieser Entscheidung zwar bestehen, wird jedoch künftig jährlich einer Überprüfung unterzogen. Washington kann diesen Mechanismus nutzen, um politischen Druck auf die beiden Partner Mexiko und Kanada auszuüben – etwa in Fragen des Kampfes gegen den Drogenhandel oder in der Energiepolitik. Einigen sich die Vertragsstaaten bis spätestens 2036 nicht auf eine sechzehnjährige Verlängerung, läuft das USMCA-Abkommen endgültig aus.
Damit ist die Verlässlichkeit sehr zum Ärger Mexikos dahin, weil das Abkommen im Grunde jedes Jahr auf den Kopf gestellt werden kann. Das ist eine ausgesprochen schlechte Nachricht, denn die Wirtschaft des Schwellenlandes steht und fällt mit den Exporten in die USA. Mehr als 80 Prozent der mexikanischen Ausfuhren gehen in das Nachbarland.
Seit Inkrafttreten des USMCA-Abkommens, das im Jahr 2020 die Vorgängerin Nafta ablöste, hat Mexiko als Handelspartner der Vereinigten Staaten weiter an Bedeutung gewonnen. 2025 erreichte der bilaterale Warenhandel laut der International Trade Administration aus den USA mit 871,6 Milliarden Dollar einen Rekordwert. Der Handel der USA mit Kanada (715,5 Milliarden Dollar) und China (414,6 Milliarden) fiel deutlich niedriger aus.
Auch die deutschen Unternehmen in Mexiko beobachten die Lage im Norden genau. Natürlich sorge der Konflikt zwischen zwei der drei USMCA-Partner für weitere Verunsicherung, sagt Björn Lisker, Sprecher der Auslandshandelskammer (AHK) in Mexiko. „Einige unserer Mitgliedsunternehmen sprechen von einer durchaus komplexen Situation und prüfen aktuell noch die möglichen Auswirkungen auf das eigene Geschäft.“
Von ernsthaften Beeinträchtigungen berichte aber bisher niemand, sagt Lisker. Mehr als 2000 Unternehmen mit deutschem Kapital sind in Mexiko präsent, neben Dax-Unternehmen haben auch viele spezialisierte Mittelständler Niederlassungen im Land. Und allen gemeinsam ist, dass für sie die USA der wichtigste Markt sind.
Mexikos Verhandlungsführer und Wirtschaftsminister Ebrard und sein Team verhandeln mit den USA immer Punkt für Punkt, machen gezielte Zugeständnisse, vermeiden Vergeltungsmaßnahmen und priorisieren den Erhalt des Marktzugangs. „Die deutschen Unternehmen bewerten die Strategie der Regierung, auf Dialog zu setzen, positiv“, ergänzt AHK-Sprecher Lisker. Immerhin seien ja noch 85 Prozent der mexikanischen Produkte zollfrei.
Bislang sprächen die Ergebnisse für den mexikanischen Ansatz, schreibt auch das Wirtschaftsblatt „El Financiero“. Die Frage sei aber, ob „unser Vorgehen die Forderungen, die zum Abbruch der Verhandlungen mit Kanada führten, vermeidet oder sie lediglich hinauszögert“. Jede Verhandlung mit Washington beinhalte ein hohes politisches Risiko.
Auch Analysten der Bank Bradesco verweisen darauf, dass Mexiko zuverlässig und kontinuierlich mit den USA verhandele, aber die Verwischung der Grenzen zwischen Handelsfragen und der Erfüllung US-amerikanischer Forderungen in anderen Bereichen akzeptiere. „Mexiko hat sich in Fragen wie Sicherheit, Einwanderung, Drogenhandel und der Verfolgung von Politikern mit mutmaßlichen Verbindungen zu kriminellen Organisationen einen guten Ruf erworben, was dem Land in dieser schwierigen Verhandlungsphase helfen könnte“, schreiben die Experten.
Allerdings geht der Thinktank Eurasia Group infolge des Handelskonflikts zwischen den USA und Kanada von einer Entkernung des USMCA aus. In einer Schnellanalyse halten es die Experten für das wahrscheinlichste Szenario, dass das Abkommen zu einem „Zombie-USMCA“ wird. Das heißt: Der Vertrag besteht zwar fort, wird aber über mehrere bilaterale Zusatzprotokolle weitergeführt, die höhere Zölle beinhalten als zuvor.
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Fortführung der USMCA-Gespräche im September
Very likely · Within weeks

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