
Der VZBV warnt vor sozialer Ausgrenzung durch den Wegfall von Barzahlungsmöglichkeiten im öffentlichen Nahverkehr.
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Der VZBV nimmt Bezug auf eine geplante EU-Verordnung zur Bargeldannahmepflicht, deren Schlussverhandlungen diese Woche beginnen. Parallel dazu wird über die Einführung eines digitalen Euro diskutiert.
Frankfurt. Die deutschen Verbraucherschützer fordern, dass Ticketautomaten für den Nahverkehr dauerhaft Bargeld akzeptieren sollen – und nicht nur Kartenzahlungen. „Wer Bus und Bahn nutzen möchte, muss ein Ticket unkompliziert erwerben können. Das gilt auch für Verbraucherinnen und Verbraucher, die auf Bargeld angewiesen sind oder sich bewusst für die Barzahlung entscheiden“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV).
Der VZBV bezieht seine Forderung auf eine geplante EU-Verordnung zur Annahmepflicht von Bargeld, deren konkrete Form derzeit diskutiert wird. Die Schlussverhandlungen zwischen EU-Kommission, EU-Rat und EU-Parlament für das Gesetz sollen diese Woche starten. Die Brüsseler Gesetzgeber wollen durch die neue Vorgabe Bargeld stärken.
Die Verbraucherschützer interpretieren die Gesetzesvorschläge so, dass sie die Bargeldakzeptanz beim Ticketkauf in Bussen vorschreiben dürften. Mehrere Verkehrsunternehmen hatten diese Option abgeschafft. Sie wollen so unter anderem dafür sorgen, dass die Busse pünktlicher sind. Der Schritt sorgt aber auch für Kritik.
Allerdings fürchten die Verbraucherschützer, dass die künftige gesetzliche Pflicht zur Bargeldakzeptanz Ticketautomaten nicht umfasst. „Im Gesetzesvorschlag der EU-Kommission werden aus unserer Sicht nur wenige Ausnahmen von der Bargeldakzeptanzpflicht zugelassen. Man kann daraus schließen, dass auch Ticketautomaten Bargeld annehmen müssen, allerdings wird das nicht explizit erwähnt“, sagt Mohn.
„Europäischer Rat und Europäisches Parlament sehen dagegen eine umfangreiche Ausnahme von der Bargeldakzeptanzpflicht für unbemannte Verkaufsstellen, wie etwa Ticketautomaten, vor.“ Das sei mit Blick auf den Erwerb von Fahrkarten für den Nahverkehr ein Problem, sagt Mohn. Sie verweist darauf, dass der Vorschlag des Parlaments die Ausnahmen immerhin etwas strenger benenne.
Wie im Einzelhandel gehen auch im deutschen Nahverkehr Barzahlungen zurück. Fahrgäste kaufen ihre Tickets zunehmend per Karte oder per Smartphone-App, viele Menschen haben ein Deutschlandticket.
Der VZBV fürchtet jedoch, dass Menschen, die auf Bargeld angewiesen seien, künftig schwerer an Fahrscheine für den öffentlichen Nahverkehr kommen würden. Das gelte besonders für bestimmte Personengruppen. Dazu zählten Kinder und Jugendliche ohne eigenes Konto, Wohnungslose, Geflüchtete oder neu Zugewanderte sowie Menschen mit eingeschränkten digitalen Kompetenzen. Barzahlungen im Nahverkehr seien auch „eine Frage von Inklusion und sozialer Teilhabe“.
Die geplante Verordnung zu Bargeld soll parallel zum Gesetz für einen digitalen Euro beschlossen werden. Für den digitalen Euro ist ebenfalls eine Annahmepflicht im Handel vorgesehen.
Das ist ein Novum und geht über den bisherigen Umgang mit Bargeld hinaus. Deshalb planen die EU-Gesetzgeber auch eine Annahmepflicht für Bargeld. Sollte sie kommen, könnten Händler die Akzeptanz von Bargeld beispielsweise nicht mehr mit einem „Hier kein Bargeld“-Aufsteller vor ihrem Geschäft ablehnen.
Im Nahverkehr gibt es schon heute häufiger Schwierigkeiten bei Barzahlungen, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des VZBV ergeben hat. Dort gaben zehn Prozent der Befragten an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten schon einmal ein Ticket nicht mit Bargeld zahlen konnten, obwohl sie das gerne wollten. Befragt hat Forsa Anfang August gut 1000 deutschsprachige Personen ab 18 Jahren.
Aktuell akzeptieren die meisten Ticketautomaten zwar noch Bargeld. Doch die Entwicklung hin zu Automaten nur für Kartenzahlungen hat längst begonnen. Deutlich wird das beispielsweise in Berlin: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) planen eine Umstellung des Ticketkaufs hin zu Automaten, bei denen der Fahrschein beim Kauf direkt an Bankkarte oder Smartphone gekoppelt wird, wie die „Berliner Zeitung“ kürzlich berichtete. Ähnliche Systeme gibt es bereits seit Längerem in anderen europäischen Ländern und Großstädten.
Die Einführung ist laut BVG ab 2030 geplant. Details zu den Plänen nennt sie nicht. Für Fahrgäste, die Bargeld nutzen wollten, würde künftig die BVG-Guthabenkarte eine zentrale Rolle spielen. Die Karte könne an derzeit 900 Verkaufspunkten mit Bargeld aufgeladen werden.
Im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) aus Frankfurt wird es künftig deutlich weniger Ticketautomaten geben, die Bargeld annehmen. Die Zahl der Automaten soll ab dem Jahr 2028 von aktuell 650 auf 600 sinken. 190 davon werden nur per Kartenzahlung funktionieren, teilt der RMV mit.
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Beginn der Schlussverhandlungen zwischen EU-Institutionen zur Bargeldverordnung diese Woche.
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