Volkswagen-Softwaretochter Cariad plant weiteren massiven Stellenabbau
Nach bereits erfolgten Kürzungen sollen bei der VW-Tochter Cariad rund 1000 weitere Stellen wegfallen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Quick Look
- Die VW-Softwaretochter Cariad plant den Abbau von rund 1000 weiteren Stellen, was etwa einem Viertel der Belegschaft entspricht.
- Hintergrund sind Sparmaßnahmen und eine strategische Neuausrichtung nach der Partnerschaft mit Rivian.
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Why It Matters
Cariad ist die Softwaretochter von Volkswagen und steht seit längerem unter Druck aufgrund von Verzögerungen bei der Softwareentwicklung. Die Kooperation mit Rivian hat die Rolle von Cariad im Konzern verändert.
Wolfsburg. Wenn es um Kostenziele bei Volkswagen geht, gilt Peter Bosch oft als einer der Ersten, die liefern. Anfang 2025 kündigte der Chef der Softwaretochter Cariad nach der großen Tarifeinigung im Konzern einen Stellenabbau an: Rund 30 Prozent der Jobs sollten wegfallen. Inzwischen beschäftigt die Einheit noch etwa 4300 Menschen. Nun steht der nächste Einschnitt bevor.
Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen plant Cariad den Abbau von rund 1000 weiteren Stellen. Das wäre knapp ein Viertel der verbliebenen Belegschaft. Wann der Abbau abgeschlossen sein soll und mit welchen Instrumenten er umgesetzt wird, ist bislang offen. Ein Cariad-Sprecher wollte die Information auf Anfrage des Handelsblatts nicht kommentieren.
Auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch soll das Unternehmen die Belegschaft über den weiteren Kurs informiert haben. Dabei soll auch der zusätzliche Personalabbau zur Sprache gekommen sein. Dieser sei nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu externen Softwareanbietern zu halten, ist von Teilnehmern des Treffens zu hören. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern stehen noch aus.
Zudem hat Cariad mehrere Tarifverträge gekündigt, um Regelungen neu zu verhandeln. Auch bei der Marke Volkswagen bereitet das Management solche Schritte vor.
Laut einem internen Papier, das dem Handelsblatt vorliegt, soll Cariad seine Investitionen zwischen 2027 bis 2031 um insgesamt rund 6,1 Milliarden Euro senken. Zudem soll das Unternehmen zum Anfang des nächsten Jahrzehnts weitere 400 Millionen Euro zur angestrebten Verbesserung des operativen Konzernergebnisses beitragen. Dafür sollen die Aufgaben von Cariad weiter fokussiert werden. Ein detailliertes Konzept soll bis Ende Dezember 2026 vorliegen.
Ende 2024 besiegelte Volkswagen eine umfassende Softwarepartnerschaft mit dem US-Elektroautobauer Rivian. Seitdem spielt Cariad bei der Entwicklung künftiger Fahrzeuge eine kleinere Rolle. Die neue Elektronik- und Softwarearchitektur, intern SDV genannt, entsteht vor allem im Gemeinschaftsunternehmen mit Rivian.
Auch das Infotainment für die neue Software kommt vom Rivian-Joint-Venture. Cariad pflegt dagegen weiterhin die bestehenden Konzern-Betriebssysteme E1.1 und E1.2 und hält die Versionen noch einige Jahre weiter frisch. Auch die Softwarearchitektur CEA für den chinesischen Markt ist ein Produkt der Cariad in China.
Zudem ist Cariad für die Eigenentwicklung von Schlüsseltechnologien des Konzerns eingeplant, etwa Fahrdynamik-Software, Cloud-Anwendungen und das autonome Fahren. Doch auch hier gab es zuletzt Veränderungen.
Diesen Sommer endete die „Automated Driving Alliance“ von Cariad und dem Zulieferer Bosch. Die 2022 gestartete Kooperation sollte automatisierte Fahrfunktionen in den Massenmarkt bringen und war ursprünglich mindestens bis 2029 geplant. Bei Cariad waren dafür rund 500 Beschäftigte eingesetzt. Diese Stellen dürften nun unter Druck geraten. Zusätzlich soll Cariad derzeit prüfen, wie sich mithilfe von Künstlicher Intelligenz Effizienzen heben lassen. Welcher Personalbedarf daraus folgt, ist noch offen.
Fest steht: Künftige Assistenzsysteme für höhere Automatisierungslevel sollen in Eigenentwicklung mit einem neuen KI-Partner entstehen. Als aussichtsreichsten Kooperationskandidaten nennen Insider das britische Start-up Wayve. Zudem ist nach Informationen aus Unternehmenskreisen ein Chipdeal mit Nvidia geplant. Das Paket könnte noch in diesem Jahr besiegelt werden.
Cariad musste VW-intern immer wieder als Sündenbock herhalten, wenn Autos später kamen oder Absprachen nicht eingehalten wurden. Die Probleme lassen sich allerdings nicht allein der Softwaretochter anlasten. Sie sollte mehrere Softwarearchitekturen parallel entwickeln und zugleich unterschiedliche Anforderungen von VW, Audi und Porsche erfüllen. Wechselnde Vorgaben und konkurrierende Wünsche der Marken erschwerten den Auftrag. Die Beschäftigten mussten damit auch die Folgen einer Konzernsteuerung ausbaden, die zu viel gleichzeitig wollte.
Über Cariads Rolle gab es zuletzt auch im Konzern Streit. Das „Manager Magazin“ berichtete über eine interne Analyse, die die Zusammenarbeit der Marken mit der Tochter grundsätzlich infrage stelle. Der Konzern erklärte, ein solches Papier sei weder im Konzernvorstand noch im Cariad-Aufsichtsrat diskutiert worden.
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Detailliertes Konzept zur Kostensenkung bis Ende Dezember 2026
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Open Questions
- Wann genau beginnt der Stellenabbau?
- Welche Instrumente werden für den Abbau genutzt?





