
Der japanische Konkurrent Toyota drängt in Europa massiv auf den Markt und macht dem Spitzenreiter Volkswagen im wichtigsten margenstarken Segment Konkurrenz.
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Das Geschäft mit Privatkunden gilt als margenstärkster und aussagekräftigster Indikator für die tatsächliche Nachfrage auf dem Automarkt.
Düsseldorf. Die Autohersteller Volkswagen und Toyota kämpfen härter denn je um die europäischen Privatkunden. In der ersten Jahreshälfte konnte der Wolfsburger Konzern Volkswagen die Führung bei den privaten Kundinnen und Kunden zwar noch verteidigen. Die Neuzulassungszahlen für Juli geben jedoch seiner Sorge weiteren Anlass, vom japanischen Konkurrenten überholt zu werden.
Vor allem der Zeitpunkt dieses Führungswechsels ist aus Branchensicht überraschend. Denn in den Vorjahren war Toyota meist nur im ersten Quartal besonders stark und Volkswagen in den restlichen. Seit Beginn der Dataforce-Datensammlung 2021 lag Toyota bislang erst in einem Monat vor Volkswagen: nämlich vor drei Jahren im Oktober. Nun könnte ein endgültiger Wechsel stattfinden. Seit Jahresbeginn ist der Absatz von Toyota den Daten zufolge um 5,4 Prozent gewachsen, während Volkswagen um rund 2,9 Prozent geschrumpft ist.
Der Abstand zwischen den beiden Marken ist laut den Zahlen so eng wie noch nie: Von Januar bis Juli kommt Volkswagen in der Privatkundenstatistik auf einen Vorsprung von nur 376 Autos.
Das Geschäft mit Privatkunden ist das größte Einzelsegment am europäischen Automobilmarkt. Laut Dataforce wurden seit Jahresbeginn knapp 45 Prozent aller neuen Autos von privaten Haltern neu zugelassen. „Für die Hersteller ist das Geschäft mit den privaten Käuferinnen und Käufern deshalb besonders wichtig, weil es der margenstärkste Kanal ist. Bei großen Unternehmenskunden gelten oft viel höhere Rabatte“, sagt Frank Schwope, Automotive Consultant und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule des Mittelstands Berlin.
Privat- und Unternehmenskunden gelten als Indikator für die tatsächliche Nachfrage am Markt. Denn Zulassungszahlen lassen sich schönen – etwa durch Auslieferungen an Autovermieter, die die Fahrzeuge nicht selten bereits nach einer Saison weiterverkaufen, oder durch Eigenzulassungen von Herstellern und Händlern. In der Branche spricht man deshalb auch von „taktischen Zulassungen“.
Der Grund dafür, dass mehr Privatkundinnen und Privatkunden in Europa Toyota wählen, ist dem Branchenkenner Schwope zufolge die Preisgestaltung des japanischen Konzerns. „In einem schwachen konjunkturellen Umfeld mit steigender Inflation fragen Kunden beim Autohändler tendenziell eher ein in Relation günstigeres Modell von Toyota als einen teureren Volkswagen nach“, sagt er. Zumal die Japaner hinsichtlich Qualität einen hervorragenden Ruf genießen würden und Privatkunden daher mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis für sich gewinnen könnten.
Besonders das Minus am deutschen Markt treibt den negativen Trend von Volkswagen in Europa. Seit Jahresbeginn sind die Neuzulassungen in Deutschland um 8000 zurückgegangen. Das entspricht einem Minus von 9,5 Prozent zum Vorjahr. Dennoch bleibt Volkswagen mit großem Abstand absatzstärkster Hersteller am deutschen Markt, gefolgt von Mercedes, der eigenen Tochter Skoda und BMW.
Auch Toyota hat am deutschen Markt zuletzt Geschäft verloren. Der Absatz brach auf Jahresfrist um zehn Prozent ein. Bei den Deutschen punkten konnte hingegen der Premiumhersteller BMW. Den Zulassungszahlen zufolge kommen die Münchner auf ein Plus von mehr als zwölf Prozent. Auch der US-Hersteller Tesla hat deutlich aufgeholt und kommt seit Jahresbeginn auf einen Absatz von knapp 239.000 Autos – 2025 waren es noch weniger als 6000. Besonders stark sind hierzulande aber die Verkaufszahlen der chinesischen Hersteller wie etwa BYD gewachsen, wenngleich von einem niedrigeren Vorjahresniveau.
In anderen europäischen Märkten läuft es besser für Toyota. So legten die Japaner in skandinavischen Ländern wie Dänemark oder Norwegen sowie in den südeuropäischen Märkten Italien und Spanien zu.
Besonders viel Erfolg bei den europäischen Privatkundinnen und Privatkunden hat das neue Toyota-Elektromodell C-HR+. Seit seinem europäischen Marktstart im April kommt das SUV bereits auf knapp 10.800 Neuzulassungen von Privatkunden.
Dabei ist Toyota am Markt für E-Autos noch neu, die Japaner haben stattdessen lange auf Hybridfahrzeuge gesetzt. Dazu gehört das Kompakt-SUV Aygo X, das mit einem Plus von rund 16.700 Einheiten seit Jahresanfang das erfolgreichste Modell des Herstellers bei den Europäerinnen und Europäern war.
Am stärksten gewinnen am europäischen Privatkundenmarkt derzeit aber die chinesischen Hersteller hinzu. BYD kommt im Jahresverlauf auf ein Plus von rund 48 Prozent und war im Juli erfolgreichster chinesischer Hersteller in Europa. Mit einem Plus von knapp 16.100 neuen Autos liegt die Marke aber noch weit hinter Toyota und Volkswagen.
Zudem geht der Anteil der Privatkunden am BYD-Gesamtabsatz zurück. Das liegt laut den Dataforce-Zahlen vor allem daran, dass die taktischen Zulassungen des Herstellers zugenommen haben.
Auch die drei zum chinesischen Chery-Konzern gehörenden Marken Jaecoo, Omoda und Chery wachsen stark. Sie haben ihre Verkäufe an europäische Privatkundinnen und Privatkunden von Januar bis Juli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jeweils mehr als verdoppelt.
Am deutlichsten hat der chinesische Hersteller Leapmotor hinzugewonnen. Das Plus beläuft sich auf mehr als 640 Prozent – wenngleich von einem niedrigen absoluten Niveau. In Europa arbeitet der Hersteller eng mit dem in den Niederlanden ansässigen Mehrmarken-Konzern Stellantis zusammen. Im Herbst 2023 wurde Stellantis größter Einzelaktionär des Unternehmens. Gemeinsam gründeten die beiden Konzerne ein Joint-Venture, das für den Vertrieb der Marke außerhalb Chinas verantwortlich ist. Stellantis hält mit 51 Prozent die Mehrheit am Gemeinschaftsunternehmen.

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