
Griechenland lockt Hedgefonds und vermögende Manager mit Steuervorteilen und will London Konkurrenz machen.
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Großbritannien hat das Non-Dom-Steuermodell abgeschafft, was zu einer Überprüfung von Standorten durch Spitzenverdiener führt. Griechenland wirbt seit 2020 gezielt um wohlhabende Ausländer.
Athen will vom Steuerwohnsitz vermögender Manager zum neuen Standort für internationale Fonds werden. Erste größere US-Fonds signalisieren ihre Bereitschaft zum Wechsel nach Griechenland.
Athen. Noch vor wenigen Jahren wäre die Vorstellung kaum ernst genommen worden: Griechenland will sich als Standort für internationale Hedgefonds etablieren und London Konkurrenz machen. Jetzt bekommt die Idee Konturen.
Der Milliardär Chris Rokos hat Griechenland zu seinem neuen Steuerwohnsitz gemacht. Zugleich bereitet Millennium Management, einer der größten Hedgefonds der Welt, die Eröffnung eines Büros in Athen vor. Auch der US-Fonds Verition Fund Management prüft einen solchen Schritt.
Die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis arbeitet am Aufbau eines Finanzplatzes, der neben Fondsmanagern auch Banken, Kanzleien, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, IT-Spezialisten und andere Finanzdienstleister anziehen soll.
„Wir wollen neues Geschäft aufbauen und Unternehmen nach Griechenland holen“, sagte Vassilis Karatzas, Berater von Finanzminister Kyriakos Pierrakakis, der griechischen Zeitung „Kathimerini“.
Rokos als Türöffner
Den Anfang macht Chris Rokos. Der Gründer von Rokos Capital Management, einem der bekanntesten europäischen Hedgefonds, hat seine steuerliche Residenz aus Großbritannien nach Griechenland verlegt. Das von ihm gegründete Unternehmen verwaltet rund 22 Milliarden Dollar.
Entscheidend für Athen ist allerdings, dass es nicht bei der privaten Wohnsitzverlagerung bleiben soll. Die Regierung will, dass den Managern ihre Unternehmen und Investmentteams folgen. Der Schritt von Millennium wäre deshalb weitaus bedeutender.
Das Unternehmen von Izzy Englander verwaltet mehr als 97 Milliarden Dollar. Bloomberg zufolge führt Millennium Gespräche mit den griechischen Behörden über ein erstes Büro in Athen. Zu den Mitarbeitern, die einen Wechsel erwägen, gehört demnach der in London ansässige Portfolio-Manager Rahul Chopra.
Millennium arbeitet mit einem sogenannten Multi-Manager-Modell: Das Kapital wird auf mehr als 360 weitgehend eigenständige Investmentteams verteilt. Rund 7000 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen. Ein Standort in Athen wäre ein Signal für die gesamte Branche.
Steuerrecht als Standortfaktor
Ein wichtiger Teil der griechischen Strategie ist das Steuerrecht. Für bestimmte Einkünfte von Fondsmanagern, insbesondere Boni und Carried Interest, gilt unter bestimmten Voraussetzungen ein Steuersatz von fünf Prozent. Gerade für Topmanager ist diese Rate attraktiv, weil ein erheblicher Teil ihrer Vergütung aus erfolgsabhängigen Zahlungen besteht. Sie können in guten Jahren Millionenbeträge erreichen.
Die Regierung setzt aber bewusst nicht allein auf Steuervorteile für Manager. Fonds, Netzwerke in Griechenland aufbauen, müssen eine tatsächliche wirtschaftliche Tätigkeit entfalten. Die Unternehmen müssen in Griechenland jährliche Betriebsausgaben von mindestens drei Millionen Euro nachweisen. Damit soll verhindert werden, dass lediglich Briefkastenfirmen entstehen.
Auch das wirtschaftliche Comeback des einstigen Krisenlandes hilft der Regierung bei ihrer Standortwerbung. Alle großen Ratingagenturen stufen Griechenland wieder als kreditwürdigen Schuldner (Investment Grade) ein.
Die Wirtschaft wächst seit vier Jahren mit rund zwei Prozent jährlich, die Regierung verfolgt eine vergleichsweise strikte Fiskalpolitik und baut Staatsschulden schneller ab als ursprünglich geplant. Die bevorstehende Aufnahme der griechischen Börse in internationale Indizes für entwickelte Märkte dürfte die Attraktivität des Finanzplatzes Athen zusätzlich erhöhen.
Konkurrenz für London
Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der Londons Position als europäisches Zentrum der Hedgefondsbranche unter Druck gerät. Die britische Hauptstadt bleibt zwar mit Abstand der wichtigste Hedgefondsstandort Europas. Aber seit Großbritannien das jahrzehntelang geltende Non-Dom-Steuermodell abgeschafft hat und die Steuerbelastung für Wohlhabende gestiegen ist, prüfen immer mehr Spitzenverdiener Alternativen.
Dubai und Abu Dhabi haben bereits zahlreiche Händler und Fondsmanager für sich gewonnen. Auch Genf, Singapur und Mailand werben um das international mobile Kapital. Der Krieg im Nahen Osten hat allerdings die Attraktivität der Golfstaaten zumindest teilweise relativiert.
Griechenland versucht, davon zu profitieren. Seit 2020 haben nach Angaben aus Athen mehr als 240 wohlhabende Ausländer ihren Steuerwohnsitz nach Griechenland verlegt. Für die Regierung beginnt jetzt die anspruchsvollere Phase: Aus privaten Wohnsitzen sollen Unternehmenssitze werden.
Außer Millennium und Rokos hat auch Verition Fund Management Athen ins Visier genommen. Der Fonds verwaltet rund 15 Milliarden Dollar. Zusammen kommen die drei Unternehmen auf etwa 134 Milliarden Dollar.
Noch ist Athen kein „London des Mittelmeeres“. Der Finanzplatz verfügt weder über Londons Kapitalmarkt noch über dessen jahrzehntelang gewachsenes Netzwerk aus Brokern, Banken, Fondsadministratoren und spezialisierten Dienstleistern. Doch genau dieses Gefüge will die griechische Regierung nun Stück für Stück aufbauen.
AI outlook — possibilities, not facts
Eröffnung von Millennium-Büros in Athen
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