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500 Jahre Schlacht bei Mohács: Gedenken und historische Streitigkeiten in Ungarn
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FAZ1 hour agoWorld3 min readGermany

500 Jahre Schlacht bei Mohács: Gedenken und historische Streitigkeiten in Ungarn

Ungarn begeht den 500. Jahrestag der verheerenden Niederlage gegen die Osmanen mit Gedenkfeiern. Die Deutung der historischen Ereignisse ist bis heute umstritten.

Quick Look

  • Ungarn gedenkt des 500.
  • Jahrestags der Schlacht bei Mohács, bei der das mittelalterliche Königreich 1526 unterging.
  • Ministerpräsident Péter Magyar hält eine Rede, während die Rolle historischer Figuren wie Johann Zápolya umstritten bleibt.

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Why It Matters

Die Schlacht bei Mohács am 29. August 1526 führte zur Niederlage Ungarns gegen die Osmanen und markiert das Ende des mittelalterlichen Königreichs.

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Mohács hat auf der Liste der historischen Traumata Ungarns eine besondere Bedeutung. Noch heute gilt der Spruch „Mehr noch ist bei Mohács verloren gegangen“, wenn jemand ausdrücken will, dass eine Niederlage nicht zu schwer genommen werden sollte.

Im Fidesz des abgewählten Ministerpräsidenten Viktor Orbán diente der Hinweis auf die verlorene Schlacht gegen die Osmanen auch gern als Erklärung dafür, warum man gerade die Migration aus muslimischen Ländern strikt ablehne und Orbáns radikalen Kurs vollziehe. Schon vor 500 Jahren hätten sich die Ungarn, im Stich gelassen von den europäischen Verbündeten, heldenhaft gegen die Übermacht der Osmanen gestemmt.

Vor allem aber markiert die verheerende Niederlage von 1526 das Ende des mittelalterlichen Ungarns; sie läutete Jahrhunderte der Fremdherrschaft ein, die sich im historischen Gedächtnis des Landes tief eingeprägt haben.

Entsprechend groß wird an diesem Samstag die Erinnerung an die Schlacht bei Mohács am 29. August vor 500 Jahren begangen. Am Morgen soll Ministerpräsident Péter Magyar in dem kleinen Ort, der heute an der Grenze zu Kroatien liegt, eine live im Fernsehen übertragene Ansprache halten. Magyar hatte schon von Beginn seiner Kampagne an auf historische Symbolik gesetzt, um dieses Feld nicht dem Fidesz zu überlassen, der stets für sich in Anspruch nahm, der eigentliche Verteidiger der ungarischen Nation zu sein.

Über die Deutung der Ereignisse wird noch immer gestritten

Im Anschluss ist eine Messe angesetzt, dann soll eine Kranzniederlegung am Denkmal für den ungarischen König Ludwig II. folgen, der nach der Schlacht auf der Flucht in den Sümpfen um Mohács starb. Auch die Umbettung der Überreste ungarischer Krieger, die bei Ausgrabungen auf dem Schlachtfeld gefunden wurden, ist Teil der Zeremonie, bevor einzelne Schlachtformationen von Traditionsgruppen nachgestellt werden sollen.

Um die Deutung der historischen Ereignisse herrscht jedoch weiter Streit. Gesichert ist, dass der osmanische Sultan Suleyman I. nach seiner Thronbesteigung die Expansion in Richtung Europa wieder aufnahm. 1521 eroberten die Truppen des Sultans Belgrad, fünf Jahre später setzte er seinen Feldzug in Richtung Norden fort. Der junge König Ludwig II. konnte nur mühsam ein Heer mobilisieren, das Land war nach dem Bauernaufstand von 1514 geschwächt, vor allem durch das tiefe Misstrauen der Landbevölkerung gegenüber den ungarischen Magnaten, wie der Hochadel im Land genannt wurde.

Warum schickte Johann Zápolya nicht rechtzeitig Hilfe?

Später kam die Deutung hinzu, dass einige mächtige Landherren den schwachen König wohl bewusst im Stich gelassen hätten, indem sie erst spät oder gar nicht ihre Truppen aufstellten. Besonders umstritten ist die Rolle des siebenbürgischen Woiwoden Johann Zápolya, der als Widersacher Ludwigs galt und seine bedeutende Streitmacht nicht rechtzeitig nach Mohács führte.

Zum Misstrauen gegen Zápolya trug bei, dass er sich später im Streit mit den Habsburgern um die ungarische Krone auf die Seite der Osmanen schlug und sich Suleyman als Vasall unterwarf. Doch unklar bleibt, ob er Ludwig absichtlich im Stich gelassen hatte oder ob es schlicht an den weiten Entfernungen und der langsamen Kommunikation der Zeit lag, dass er nicht rechtzeitig auf dem Schlachtfeld gegen den rasch vorrückenden Sultan erschien.

Dort warfen sich die Ungarn in einer Verzweiflungsaktion mit wohl weniger als 30.000 Mann der Übermacht von 70.000 osmanischen Kämpfern entgegen und versuchten, mit ihrer schweren Reiterei die Invasoren zu überrennen, die ihre Truppen noch nicht fertig aufgestellt hatten. Die Osmanen zogen sich jedoch geordnet zurück und ließen die Angreifer ins Feuer ihrer Geschütze laufen. Später trieben sie die fliehenden Ungarn in die Sümpfe, wo die meisten den Tod fanden.

Die Leiche Ludwigs II. wurde erst zwei Monate später geborgen. Suleyman zog noch im September nach Buda, zog sich dann aber zunächst zurück, bevor er 1529 zur ersten Belagerung Wiens ansetzte.

Ungarn zerfiel in drei Teile

Im Streit um die ungarische Krone konnte sich Johann Zápolya, unterstützt von Teilen der Magnaten und mithilfe der Osmanen, zunächst gegen Ferdinand von Habsburg halten, der sich als Ludwigs Schwager ebenfalls zum ungarischen König wählen ließ. Manche sehen in Zápolyas Vorgehen ein frühes Beispiel der ungarischen Politik, zum eigenen Vorteil zwischen den Großmächten zu taktieren – oder, je nach Blickwinkel, sich ihnen zu unterwerfen.

Nach Zápolyas Tod zerfiel Ungarn jedenfalls in drei Teile: Ein westliches „Königliches Ungarn“ unter den Habsburgern mit der Hauptstadt Pressburg (Bratislava), ein osmanisches Ungarn im Zentrum und das Fürstentum Siebenbürgen im Osten, das dem Sultan zwar tributpflichtig war, aber weitgehende Selbständigkeit erhielt.

Erst nach der zweiten Türkenbelagerung Wiens 1683 schafften es die Habsburger, die meisten Teile Ungarns unter ihrer Herrschaft zu vereinen. Es dauerte noch knapp zweihundert Jahre, bis das Land 1867 durch den Ausgleich mit dem geschwächten Österreich weitgehende Eigenständigkeit innerhalb der Doppelmonarchie errang.

An deren Ende folgte allerdings das zweite große historische Trauma, der Vertrag von Trianon, durch den das große habsburgische Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg zwei Drittel seines Gebiets an die Nachbarstaaten abgeben musste: Territorien, in denen zwar größtenteils andere Bevölkerungsgruppen in der Mehrheit waren, in denen aber auch noch drei Millionen Ungarn lebten. Deren Schicksal und das ihrer Nachfahren spielt noch heute in die ungarische Politik hinein.

Open Questions

  • Habe Johann Zápolya den König absichtlich im Stich gelassen?

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This article was originally published by FAZ.

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