AfD erreicht historisches Ergebnis in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent
Quick Look
- Die AfD erzielte in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent das beste Ergebnis einer Partei seit der Wende.
- Die CDU verlor 19,9 Punkte, während die Wahlbeteiligung bei 77,8 Prozent lag – der höchste Wert seit 1998 in Mecklenburg-Vorpommern.
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Why It Matters
Die AfD hat in Sachsen-Anhalt laut vorläufigem Ergebnis 43,8 Prozent der Stimmen bekommen. Dies ist das beste Ergebnis einer Partei in der 36-jährigen Nach-Wende-Geschichte des Landes. Die CDU verlor 19,9 Punkte im Vergleich zur vorherigen Wahl.
Es ist das beste Ergebnis einer Partei in der 36-jährigen Nach-Wende-Geschichte des Landes: Die AfD hat in Sachsen-Anhalt laut vorläufigem Ergebnis 43,8 Prozent der Stimmen bekommen. Jahrzehntelang dominierte meist die CDU die Landespolitik - aber selbst sie kam höchstens auf 39 Prozent (1990), 37,3 Prozent (2002) oder 37,1 Prozent (2021).
Bislang war die AfD nur in Thüringen stärkste Partei gewesen. Der sachsen-anhaltische Landesverband hat das dortige Ergebnis von 32,8 Prozent (2024) um massive elf Prozent übertroffen.
Und noch zwei bundesweite Vergleiche: Zum letzten Mal bekam eine Partei vor immerhin elfeinhalb Jahren mehr als die gestrigen 43,8 Prozent der AfD. Im Februar 2015 erreichte die Hamburger SPD 45,6 Prozent - aber das war schon damals ein bundesweit außergewöhnliches Ergebnis.
Demgegenüber stehen die massiven Verluste der CDU von 19,9 Punkten. Erst einmal hat eine Partei bei einer Bundes- oder Landtagswahl so massiv verloren - ebenfalls die CDU und ebenfalls in Hamburg: 2011 gab es nach dem Aus von Schwarz-Grün ein Minus von 20,7 Punkten.
Nur in Brandenburg (12,1 Prozent / 2024) und Mecklenburg-Vorpommern (13,3 Prozent / 2021) steht die CDU momentan schlechter da als in Sachsen-Anhalt - wobei im Nordosten bei der Landtagswahl am übernächsten Wochenende laut Umfrage weitere Verluste drohen.
Jenseits der Parteienergebnisse ist noch ein Wert außergewöhnlich: die Wahlbeteiligung von 77,8 Prozent. Das ist bei Landtagswahlen der höchste Wert seit 1998 in Mecklenburg-Vorpommern (79,4 Prozent). Und selbst davor gab es nach der Wiedervereinigung nur zwei Beispiele: Berlin (80,8 Prozent / 1990) das Saarland im Jahr 1994 mit 83,5 Prozent.
Tops und Flops der AfD
Die AfD ist in Sachsen-Anhalt 38 von 41 Wahlkreisen bei den Erststimmen stärkste Kraft geworden. Ihre Landtagsfraktion wird sich deswegen bis auf einen Abgeordneten aus siegreichen Direktkandidaten zusammensetzen.
Das beste AfD-Erststimmenergebnis - und damit das beste überhaupt - erreichte Reiner Kretschmann im Wahlkreis Eisleben mit 55,6 Prozent, gefolgt von Hans-Thomas Tillschneider mit 54,9 Prozent im Wahlkreis Querfurt sowie Jonas Dirk (Weißenfels) und Matthias Büttner (Staßfurt) mit jeweils 53,4 Prozent. Der Wahlkreissieger mit dem schwächsten Erststimmenergebnis für die AfD ist Christian Mertens in Magdeburg III mit 35,2 Prozent - er setzte sich gegen Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU durch.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund gewann seinen Wahlkreis Genthin mit 49 Prozent.
Die besten Zweitstimmenergebnisse für die AfD gab es im Wahlkreis Staßfurt (54,1 Prozent). Am schwächsten waren sie in Halle III (18,3 Prozent) - dieser Wahlkreis wird in diesem Text häufiger auftauchen. Überhaupt sind alle insgesamt acht Wahlkreise der sachsen-anhaltischen Großstädte Magdeburg und Halle in dieser Liste unter den ersten zehn Plätzen.
In den Städten und Landkreisen erreichte sie in Mansfeld-Südharz (51,9 Prozent), im Burgenlandkreis (51,1 Prozent) und im Salzlandkreis (49,7 Prozent) ihre besten Ergebnisse und damit auch die besten landesweit - ihre schlechtesten in Halle/Saale (29,9 Prozent), Magdeburg (32,6 Prozent) und Dessau-Roßlau (38,9 Prozent). Aber in allen Städten und Landkreisen wurde sie stärkste Kraft.
Und das gilt auch für die Gemeinden: Hier lag sie in allen 218 vorn. Ihr Topergebnis war das in Schnaudertal mit 64,7 Prozent.
Tops und Flops der CDU
Vor fünf Jahren gewann die CDU mit einer Ausnahme alle Wahlkreise - dieses Mal keinen. Spitzenkandidat Sven Schulze verlor in seinem Wahlkreis Magdeburg III vergleichsweise knapp mit 31,7 Prozent Erststimmen gegen den AfD-Kandidaten Christian Mertens (35,2 Prozent). Andere vergleichsweise starke Erststimmenergebnisse gab es in den Wahlkreisen Dessau-Roßlau (29,6 Prozent) und Haldensleben (29,6 Prozent).
Im Wahlkreis Wittenberg holte die CDU das beste Zweitstimmenergebnis. Hier erreichte sie 21,4 Prozent, vor 19,9 Prozent in den Wahlkreisen Jessen und 19 Prozent im Merseburg. In - wiederum - Halle III landete sie hingegen nur bei 11,3 Prozent.
Auf Landkreisebene landete sie überall auf Platz zwei hinter der AfD - außer in Magdeburg und Halle, wo sie hinter den Grünen sogar nur drittstärkste Kraft wurde. Ihre besten Ergebnisse gab es in Wittenberg (20,3 Prozent), im Saalekreis (18,7 Prozent) und erneut Dessau-Roßlau (18,3 Prozent), ihr schlechtestes mit 13,9 Prozent in Halle.
Auf Gemeindeebene wiederum waren die Werte in Steigra (23,3 Prozent), Gleina (23,2 Prozent) und Selke-Aue (22,7 Prozent) ihre besten - gegenüber Hohenberg-Krusemark (11,6 Prozent) und Plötzkau (11,7 Prozent). In den Gemeinden wurde sie 216-mal zweitstärkste Partei - bei 218 Gemeinden.
Tops und Flops der anderen Parteien
Die Linkspartei ist zwar nur fünftstärkste Partei geworden - dafür gewann sie jene drei Wahlkreise, die nicht an die AfD gingen: In Halle III holte Jannik-Loris Balint 39,9 Prozent der Stimmen - und damit das 4,6-Fache des Landesergebnisses auf Zweitstimmenebene. Gitta Susann Hartenstein-Wiermann gewann nebenan in Halle II mit 29,6 Prozent und Mustafa Groener in Magdeburg II mit 29,4 Prozent. Die beiden letzteren sind landesweit die schwächsten Wahlkreissiegerergebnisse.
Eine weitere Hochburg waren der Wahlkreis Altmarkkreis Salzwedel (10,7 Prozent) und zum Beispiel die Gemeinde Goldbeck mit 13,8 Prozent. Schwach schnitt die Partei hingegen in den Wahlkreisen Bad Dürrenberg-Saalekreis und Saalekreis (jeweils 6,5 Prozent) und vor allem der Gemeinde Schnaudertal (4,2 Prozent) ab.
Die Grünen wiederum wurden im schon mehrfach erwähnten Wahlkreis Halle III stärkste Kraft bei den Zweitstimmen. In allen anderen Wahlkreisen wurde das die AfD.
Die Grünen kamen in Halle III auf 33,7 Prozent - fast das Vierfache ihres Landesergebnisses. Ihre Hochburgen auf Stadt-/Landkreis- und damit auch Gemeindeebene waren dementsprechend Halle mit 20,7 Prozent und Magdeburg mit 16,1 Prozent. Beispielsweise im Wahlkreis Eisleben (3,8 Prozent), dem Landkreis Mansfeld-Südharz oder der Gemeinde Schnaudertal (1,8 Prozent) gab es für sie aber nichts zu holen.
Die SPD wurde zwar landesweit erstmals seit 2011 drittstärkste Kraft, gewann aber keinen Wahlkreis, wurde in keinem Landkreis und in keiner Gemeinde stärkste Kraft. Ihr bester Wahlkreis war mit 14 Prozent Wernigerode, ihr schwächster Staßfurt mit 6,5 Prozent.
Auf Gemeindeebene holte sie in den Städten Wernigerode und Ilsenburg (Harz) jeweils 16,5 Prozent - in Hederlsleben aber nur 2,9 Prozent. Und auf Landkreisebene schnitt sie im Burgenlandkreis mit sieben Prozent am schwächsten ab, in Halle und Magdeburg am besten.
Das BSW schaffte es erstmals knapp in den sachsen-anhaltischen Landtag - auch dank Ergebnissen wie im Wahlkreis Aschersleben mit 7,4 Prozent, in Dessau-Roßlau (6,4 Prozent) oder der Gemeinde Loitsche-Heinrichsberg (8,5 Prozent). Schwach blieb die Wagenknecht-Partei aber in den bereits erwähnten Gemeinde Schnaudertal (2,4 Prozent), in Hedersleben (2,3 Prozent), dem Landkreis Wittenberg (4,5 Prozent) und beispielsweise dem Wahlkreis Halle III (3,8 Prozent).
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die AfD wird versuchen, ihre stärkste Fraktion im Landtag zu nutzen, um eine Regierung zu bilden oder zumindest erheblichen Einfluss auf die Landespolitik auszuüben.
Likely · Within weeks
Die CDU wird interne Führungsdebatten und eine grundlegende Strategieüberprüfung nach dem historischen Verlust von 19,9 Prozentpunkten einleiten.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie wird die AfD ihre Regierungsbeteiligung in Sachsen-Anhalt gestalten?
- Welche Koalitionsoptionen stehen der CDU nach diesem historischen Verlust offen?
- Wie wird die hohe Wahlbeteiligung von 77,8 Prozent die zukünftige Wahlbeteiligung in Ostdeutschland beeinflussen?







