AfD-Politiker Siegmund und die ideologische Sprachverschiebung: Von Rüstungsgütern bis zu homophoben Aussagen
Quick Look
- Der AfD-Politiker Siegmund provoziert mit Aussagen zu Rüstungsgütern für Remigration und Abschiebungen, während seine Fraktion homophobe und fremdenfeindliche Äußerungen tätigt.
- Gleichzeitig zeigen Forschungen, dass berühmte Passagen zur Sklaverei in 'Die Geschichte beider Indien' wohl nicht von Diderot stammen, sondern von Jean de Pechméja, wie Stilanalysen und Briefe belegen.
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Why It Matters
Die AfD nutzt provokante Sprache, um politische Grenzen zu verschieben, wie anhand von Aussagen zu Rüstungsgütern für Remigration, homophoben Forderungen und fremdenfeindlichen Metaphern erkennbar ist. Gleichzeitig hinterfragen Wissenschaftler mithilfe stilanalytischer Methoden die Urheberschaft berühmter Texte wie 'Die Geschichte beider Indien'.
Das jüngste Beispiel liefert Siegmunds Satz über »Rüstungsgüter« für »Remigrations- und Abschiebeoffensiven« (mehr dazu hier ). Doch entscheidend ist nicht allein diese neue Provokation. Sie steht in einer langen Reihe von Versuchen, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben.
Schon der vom NS-Regime verfolgte Philologe Victor Klemperer warnte vor der schleichenden Wirkung ideologisch aufgeladener Sprache. »Worte können sein wie winzige Arsendosen«, schrieb er, »sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da«.
Wir erleben seit Jahren, wie die AfD das Land häppchenweise vergiftet, darunter auch Siegmunds Landtagsfraktion. Ein Abgeordneter sagte über Gefängnisstrafen für Homosexuelle: »Das sollten wir in Deutschland auch machen!« Ein anderer sprach von »Wölfen an der Schule« – gemeint waren Kinder mit Migrationsgeschichte – und nannte die Erinnerung an den Nationalsozialismus einen seit 80 Jahren »wachgehaltenen« Schuldkomplex.
Die Wissenschaftler nutzten ein computergestütztes Verfahren, das den Stil von Texten vergleicht. Maßgeblich ist dabei unter anderem, wie ein Autor unscheinbare Wörter wie Pronomen oder Artikel verwendet. Demnach stammen die berühmten Passagen zur Sklaverei in »Die Geschichte beider Indien« nicht von Diderot, sondern wohl von dem Schriftsteller Jean de Pechméja (1741–1785).
Diderot habe an dem Werk vermutlich nur in begrenztem Umfang mitgearbeitet, schreiben die Forscher. Das belegen auch zeitgenössische Briefe des Philosophen. Viele Stellen, die ihm später zugeschrieben wurden, standen demnach bereits in früheren Ausgaben von »Die Geschichte beider Indien« – bevor Diderot nach eigener Aussage überhaupt Einblick in den Text erhalten hatte.
Die ganze Geschichte hier: Der falsche Star der Aufklärung
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die AfD-Landtagsfraktion wird weitere provokante Äußerungen zu Migration und Homosexualität tätigen, um mediale Aufmerksamkeit zu generieren.
Likely · Within weeks
Die stilanalytischen Forschungen zur Urheberschaft von 'Die Geschichte beider Indien' werden zu ähnlichen Untersuchungen anderer Werke der Aufklärung führen.
Possible · Within months
Open Questions
- Welche konkreten rechtlichen Schritte plant die AfD-Landtagsfraktion hinsichtlich Gefängnisstrafen für Homosexuelle?
- Wie wird die Öffentlichkeit auf die homophoben und fremdenfeindlichen Äußerungen der AfD-Abgeordneten reagieren?
- Welche weiteren Texte könnten durch ähnliche Stilanalysen einer Urheberrechtsüberprüfung unterzogen werden?
- Wie reagiert die AfD-Bundesführung auf die Äußerungen ihrer Landtagsfraktion?

