AfD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: Merz warnt vor Folgen, gefälschte Umfrage kursiert, Kirche fordert Rücktritt von AfD-Unterstützerin
Quick Look
- Bei Wahlkampfbesuchen in Sachsen-Anhalt kritisiert CDU-Kanzler Merz die AfD scharf und warnt vor deren Landesregierung, während eine gefälschte Umfrage mit 46 Prozent für die AfD in sozialen Netzwerken kursiert.
- Gleichzeitig fordert eine evangelische Kirchengemeinde in Niedersachsen eine Mitarbeiterin auf, ihr Amt niederzulegen, weil sie den AfD-Wahlkampf ihres Lebensgefährten unterstützt.
- Der CDU-Kreisverband Harz diskutierte ein Beschlusspapier zum Ausschluss von Kooperationen mit der Linken, das jedoch nicht beschlossen wurde.
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Why It Matters
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht kurz bevor, wobei die AfD in Umfragen stark abschneidet. Gleichzeitig gibt es zunehmende Spannungen zwischen politischen Parteien über mögliche Koalitionen, insbesondere hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit der Linken. In sozialen Medien kursieren gefälschte Umfragen, um das Wählerverhalten zu beeinflussen.
Gleichzeitig kritisierte er CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz scharf. „Ich unterscheide einfach zwischen Landespolitik und Bundespolitik“, sagte der in Dessau (Sachsen-Anhalt) geborene Theatermacher. Die Probleme würden von den Parteien in Sachsen-Anhalt gelöst. „Merz ist dafür wirklich so wenig nötig wie eine Schnecke beim Hürdenlauf.“
Bei seinem zweiten Wahlkampfbesuch in Sachsen-Anhalt warnt Kanzler Merz erneut vor den Folgen einer möglichen AfD-Landesregierung. „Wer möchte, dass Deutschland ein offenes und liberales Land bleibt, und wer möchte, dass Sachsen-Anhalt ein interessanter, auch europäisch interessanter Standort bleibt, der darf am Sonntag nicht die AfD wählen“, sagt er in Leuna in Sachsen-Anhalt.
Einen direkten Kontakt zu Wählern gab es wie beim ersten Wahlkampfauftritt des CDU-Chefs in Quedlinburg nicht, von wenigen Mitarbeitern der Raffinerie einmal abgesehen. Merz traf sich nur mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat.
Die evangelische Kirchengemeinde Wardenburg bei Oldenburg (Niedersachsen) hat eine ehrenamtliche Mitarbeiterin aufgefordert, ihre kirchlichen Ämter niederzulegen, weil sie den Wahlkampf ihres Lebensgefährten für die AfD unterstützt. Kirchensprecher Dirk-Michael Grötzsch bestätigte dem Evangelischen Pressedienst (epd) den Vorgang. Zuerst hatte die Oldenburger „Nordwest Zeitung“ berichtet. Ausschlaggebend sei „die anhaltende proaktive und öffentliche Unterstützung des AfD-Wahlkampfs sowie die Weigerung, sich von menschenfeindlichen und menschenverachtenden Äußerungen der AfD zu distanzieren“, sagte Grötzsch. Dies stehe im krassen Widerspruch zu den Grundüberzeugungen der Kirchengemeinde.
Laut der „Nordwest Zeitung“ ist die Frau nach der Aufforderung, ihre Ehrenämter zu beenden, aus der Kirche ausgetreten. Ihr Lebensgefährte kandidiert demnach für den Gemeinderat in Wardenburg. In Niedersachsen findet am 13. September die Kommunalwahl statt.
CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze erklärt das Beschlusspapier zum Ausschluss aller Tolerierungsmodelle mit der Linken zur Einzelmeinung. Der größte CDU-Kreisverband im Harz hatte darüber diskutiert. Das Dokument liegt WELT vor. „Das ist die Meinung eines einzelnen Parteimitglieds“, sagte Schulze dem „Stern“. „Das wurde nicht beschlossen und ist auch keine Diskussionsgrundlage für die nächsten Tage.“ In der Beschlussvorlage geht es darum, sämtliche Tolerierungsmodelle mit der Partei Die Linke auszuschließen. Man lehne alle „Sondierungs-, Koalitions- oder Duldungsmodelle“ kategorisch ab. Die CDU dürfe nicht „in eine permanente Bittsteller- oder Abhängigkeitsrolle gegenüber der Linken“ geraten. Beschlossen wurde das Papier jedoch nicht. Der Kreisverband Harz ist einer der besonders konservativen in Sachsen-Anhalt.
Im laufenden Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt ist es einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zufolge seit Mai zu 30 Übergriffen und Behinderungen gegenüber Medienschaffenden auf AfD-Veranstaltungen gekommen. Davon seien mindestens 43 Journalisten, TV-Teams und politische Influencer betroffen gewesen seien, berichtete das Magazin am Donnerstag unter Verweis auf die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) innerhalb der Gewerkschaft Verdi. Das Spektrum der Einschüchterungen reicht demnach von verbaler Diffamierung und gezielter Arbeitsbehinderung über Nachstellungen bis zu körperlichen Angriffen, die in fünf Fällen registriert worden seien.
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verbreitet sich in den sozialen Netzwerken eine gefälschte Wahlumfrage. Die Grafik weist für die AfD 46 Prozent aus und erweckt den Eindruck, die Partei könnte am Sonntag die absolute Mehrheit der Landtagssitze erreichen. Als Urheber werden das Meinungsforschungsinstitut Insa und die „Mitteldeutsche Zeitung“ genannt. Beide weisen das zurück. „Das ist Fake. Das kommt nicht von uns“, sagte Insa-Chef Hermann Binkert der „Mitteldeutschen Zeitung“. Die Zeitung prüft rechtliche Schritte. Wer hinter der gefälschten Erhebung steckt, ist unklar.
Im Schlagabtausch von sieben Spitzenkandidaten von Sachsen-Anhalt ging es wüst zu. Vor allem die Grüne Sziborra-Seidlitz attackierte Siegmund. Schließlich wurden auch zwischen AfD und BSW Irritationen deutlich. Mehr lesen Sie hier.
Über Wahlen gibt es laut dem Landeswahlleiter von Berlin immer häufiger Gerüchte und falsche Informationen. „Wir müssen feststellen, dass Desinformation – insbesondere über soziale Medien – im Vergleich zu früheren Jahren eine neue Dimension erreicht hat“, sagte Stephan Bröchler der „Rheinischen Post“. Bröchler betonte, dass die Wahlen in Deutschland seriös durchgeführt würden. „Es gibt keinerlei empirische Belege dafür, dass es etwa in Altenheimen zu Unregelmäßigkeiten bei Briefwahlen kommt.“
Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern fordert mehr Geld für Bildung in Sachsen-Anhalt und eine dauerhafte Absicherung der Schulsozialarbeit. „In Sachsen-Anhalt ist leider das bittere Ergebnis, dass der soziale Status der Familien sehr darüber bestimmt, wie viele Chancen man in der Bildung hat“, sagte sie bei einer Wahlarena von Radio Brocken, RTL und ntv. Von Angern sprach sich auch für ein sogenanntes Sondervermögen für Bildung aus. Dabei handelt es sich um Kredite neben dem regulären Haushalt.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die AfD wird bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein starkes Ergebnis erzielen, aber wahrscheinlich keine absolute Mehrheit erreichen.
Likely · Within days
Die evangelische Kirchengemeinde Wardenburg wird weitere Schritte gegen die ehemalige Mitarbeiterin unternehmen, falls sie nicht aus der Kirche austritt.
Possible · Within weeks
Übergriffe auf Journalistinnen und Journalisten bei politischen Veranstaltungen werden weiterhin beobachtet und möglicherweise zu polizeilichen Ermittlungen führen.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wer steckt hinter der gefälschten Wahlumfrage mit 46 Prozent für die AfD?
- Wird die evangelische Kirchengemeinde Wardenburg rechtliche Schritte gegen die ehemalige Mitarbeiterin einleiten?
- Wird der CDU-Kreisverband Harz trotz fehlendem Beschluss weiter versuchen, eine Zusammenarbeit mit der Linken zu verhindern?
- Wie werden die Übergriffe auf Journalistinnen und Journalisten bei AfD-Veranstaltungen von den Behörden verfolgt?


