
Berichte über Perfektionsdruck, ästhetische Arbeit und hohe Fluktuation im Umfeld des US-Präsidenten
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Donald Trump ist für seinen Führungsstil bekannt, der durch hohe Anforderungen an Loyalität und ständige Erreichbarkeit geprägt ist. Die Fluktuation in seinem engsten Mitarbeiterstab ist historisch hoch.
Donald Trump schläft bekanntlich wenig. Und wenn er etwas sieht, das ihm nicht gefällt, greift er zum Telefon. Blanche Sprague kennt das aus der Zeit, als Trump noch Immobilienunternehmer in New York war. Manchmal, erzählte seine ehemalige Managerin nun der „Daily Mail“, habe Trump sie abends angerufen und so etwas gefragt wie: „Wussten Sie, dass vor dem Trump Plaza eine Sodaflasche liegt?“ Dann musste Sprague dafür sorgen, dass die Flasche verschwand. Trump habe das später kontrolliert. Es sei gewesen, als arbeite man als Kindermädchen.
Daran scheint sich auch im Weißen Haus wenig geändert zu haben. Auch andere Frauen aus Trumps Umfeld erzählten dem Boulevardblatt von einer Arbeitswelt, die nach strengen Regeln und nach dessen Launen funktioniert. Man müsse nicht nur außergewöhnlich gut in seinem Job sein, sagte eine von ihnen der „Daily Mail“: „Wenn du eine Frau bist, musst du auch auf eine bestimmte Weise aussehen, dich auf eine bestimmte Weise anziehen und 24 Stunden am Tag verfügbar sein, weil dieser Präsident kaum schläft.“ Der Job bei Trump werde schnell „vollkommen zermürbend“.
Anlass für die Beschwerden ist der Abgang von Karoline Leavitt. Die 28 Jahre alte Pressesprecherin und zweifache Mutter hatte gesagt, sie wolle mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Sie werde Trump aber künftig extern beraten, hieß es. Dennoch berichten Quellen, Leavitt sei auch der Ansprüche ihres Chefs müde gewesen.
Die Sprecherin verkörperte das Frauenideal des Trumpismus: jung, verheiratet, Mutter, feminin und aggressiv zugleich – und vor allem loyal. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes kehrte sie schnell in den Job zurück und stand wieder makellos zurechtgemacht hinterm Podium. So war Leavitt die idealtypische Vertreterin einer politischen Bewegung, die Frauen nahelegt, Kinder nicht zugunsten ihrer Karriere aufzuschieben.
Was diese Doppelrolle kostet, schildern nun andere Frauen. Neben der eigentlichen Arbeit gebe es eine zweite Stellenbeschreibung: Haare, Haut, Figur und Kleidung müssten perfekt sein. Frauen im Weißen Haus lassen sich laut „Daily Mail“ vor Arbeitsbeginn die Haare professionell föhnen, setzen sich also für einen sogenannten „Blowout“ hin, während andere noch schlafen. Botox, Filler und Fitnessstudio sind so selbstverständlich wie aggressives Gewichtsmanagement.
Der „MAGA-Schick“ mit viel Make-up, gleichmäßig zurechtgelegten Heißwellen, Klebewimpern und Acrylnägeln, lange vor Trump als „texanischer Look“ bekannt, scheint praktisch Pflicht. Besonders für junge Mitarbeiterinnen wird das teuer, schildert die „Daily Mail“: Manche verdienten 50.000 bis 70.000 Dollar im Jahr und sollten zugleich Tausende Dollar in Kleidung, Fitness und Haarstyling investieren. Die Soziologie nennt das „aesthetic labor“: Arbeit am eigenen Körper, weil das Erscheinungsbild Teil der beruflichen Leistung wird.
Frauen sind dabei Trägerinnen von Macht. Wie die in Trumps Welt funktioniert, zeigen die Beispiele von Hope Hicks, die bis Frühjahr 2018 Kommunikationschefin im Weißen Haus war, und Natalie Harp, seiner heutigen Assistentin. Hicks kam mit Anfang zwanzig über Ivanka Trump ins Familienunternehmen und wurde eine von Donald Trumps engsten Vertrauten. Ihre Schönheit wurde von ihm und anderen laufend kommentiert. Ihre Macht bestand darin, dass sie ihn verstand, seine Stimmungen und Interessen zu deuten wusste.
Harp wiederum ist dazu da, Trump mit Nachrichten zu versorgen und ihm zu schmeicheln. In einem Brief schrieb sie, sie wolle ihm dienen und ihn glücklich machen. Formal ist sie keine Spitzenbeamtin, scheint dem Präsidenten aber näher zu sein als viele Minister. Hicks, Harp und vor dreißig Jahren Sprague: Sie hatten verschiedene Jobs, aber dieselbe Mission, die Bedürfnisse eines mächtigen Mannes zu antizipieren. Das verleiht in einem personalistischen System Macht.
Stabschefin Susie Wiles ist dabei das Gegenbeispiel zur Vorstellung, Trump schätze nur junge, glamouröse Frauen. Ihre Macht beruht auf Erfahrung und der Fähigkeit, einen Mann zu managen, an dem mehrere männliche Stabschefs scheiterten. Es geht also nicht nur um Normschönheit, sondern um verschiedene Arten von Nähe, die in Trumps Umfeld wirksam werden.
Vor Leavitt haben trotzdem sechs weitere Frauen aus Trumps Regierung ihre Posten verlassen, darunter Ministerinnen und Behördenleiterinnen: Tulsi Gabbard, Pam Bondi, Kristi Noem, Lori Chavez-DeRemer, Susan Monarez und Tricia McLaughlin. Bis zum Frühsommer waren dieses Jahr sämtliche Abgänge auf Kabinettsniveau Frauen, ihre Nachfolger sind Männer. Die „Washington Post“ stellte fest, dass in keiner vorherigen Regierung so viele Frauen auf dieser Ebene im vergleichbaren Zeitraum ausgeschieden seien.
Das bedeutet aber nicht, dass Trump Frauen häufiger feuert. Das Arbeitsumfeld im Weißen Haus scheint im Gegenteil für beide Geschlechter „toxisch“, der Verschleiß ist legendär. Kathryn Dunn Tenpas von der Brookings Institution dokumentiert die Fluktuation im engsten Präsidentenumfeld. Am Ende von Trumps erster Amtszeit hatten 92 Prozent der ursprünglichen Spitzenpositionen seines „A-Teams“, also der wichtigsten Mitarbeiter, mindestens einmal den Amtsinhaber gewechselt. Schon nach dem ersten Jahr waren es 34 Prozent gewesen, verglichen mit neun Prozent unter Barack Obama und 17 Prozent unter Ronald Reagan.
Unter den männlichen Abgängen waren etwa Reince Priebus, Steve Bannon, H. R. McMaster oder Rex Tillerson, Anthony Scaramucci hielt sich elf Tage. Auch Trumps zweite Amtszeit ist personell nicht stabiler: Mehr als die Hälfte des engsten Teams hat bereits gewechselt. Das Umfeld ist also für Männer ebenso ungünstig, es ist von Loyalitätstests, Launen und widerstreitenden Anforderungen geprägt. Beide Geschlechter sind demselben Trump ausgesetzt, aber Frauen, glaubt man den anonymen Quellen aus der „Daily Mail“, noch zusätzlich anderen Erwartungen.
Zu Schlafmangel, dauernder Erreichbarkeit, Ego-Management und Konkurrenz kommt für sie der Perfektionsdruck. Ein männlicher Berater darf aussehen, als hätte er die Nacht durchgearbeitet. Eine Frau kann die Nacht durchgearbeitet haben und muss am Morgen die aufwändigere Arbeit leisten, nicht danach auszusehen. Auch Männer müssen Trumps Ego managen; bei Frauen kann das aber zusätzlich über Formen emotionaler Nähe laufen.
An Leavitts Popularität wurde zudem deutlich, welche Rolle das Thema Mutterschaft in Trumps Welt und für MAGA spielt. Denn auch so kann eine Frau zeigen, dass sie nicht vom Gewünschten abweicht. Die Bewegung propagiert ein pronatalistisches Ideal: Frauen sollen Kinder bekommen und Familie als Erfüllung verstehen. Die ideale MAGA-Frau darf mächtig sein. Aber ihre Macht soll die traditionelle Geschlechterordnung nicht infrage stellen. Ihre Karriere soll letztlich die Überflüssigkeit des Feminismus beweisen: Sie kann alles erreichen, ohne dass das System oder die gesellschaftliche Machtverteilung sich verändern müssten.
Wenn das doch nicht aufgeht, wird ein struktureller Widerspruch zum individuellen Problem. Die Frau muss ihre Zeit besser einteilen, ihren Alltag und die Kinderbetreuung besser organisieren. Institutionen oder Männer oder die Verteilung der Care-Arbeit müssen sich nicht verändern. Scheitert man trotzdem, hat nicht das Modell versagt. Die Frau entscheidet eben, wie Leavitt, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu wollen.
In ihren Anforderungen ähnelt die MAGA-Weiblichkeit dem „Girlboss“-Ideal, das sie verachtet. Auch dieses inzwischen in Verruf geratene liberale Weiblichkeitskonzept wollte beweisen, dass eine Frau alles haben könne, wenn sie nur ehrgeizig und effizient genug sei: „Lean In“ war der Wahlspruch, hängt euch rein. Im Trumpismus wiederum bekommen ausgewählte Frauen ebenfalls die Macht der Emanzipation, behalten aber gleichzeitig die Pflichten des Patriarchats. Das Weiße Haus als Arbeitsplatz zeigt das nur besonders deutlich.

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