Asylanträge sinken, Schutzquote steigt: Warum besonders afghanische Frauen Schutz erhalten
Die Zahl der neuen Asylanträge in Deutschland geht zurück, während die Schutzquote auf 47,4 Prozent steigt. Ein Urteil des EuGH spielt dabei eine zentrale Rolle.
Quick Look
- Die Zahl der Asylanträge in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 gesunken, während die bereinigte Schutzquote auf 47,4 Prozent gestiegen ist.
- Vor allem afghanische Frauen erhalten aufgrund eines EuGH-Urteils sehr häufig Schutz.
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Why It Matters
Das BAMF entscheidet über Asylanträge in Deutschland. Ein EuGH-Urteil vom Oktober 2024 stärkte die Schutzrechte von Frauen aus Afghanistan.
Die Zahl der neuen Asylanträge in Deutschland sinkt, gleichzeitig wächst neuerdings wieder der Anteil derjenigen, die erfolgreich um Schutz ersuchen. Die bereinigte Schutzquote des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) lag laut Auskunft der Bundesregierung im ersten Halbjahr 2026 bei 47,4 Prozent. Im Gesamtjahr 2025 hatte sie noch 37,5 Prozent betragen. Bei der bereinigten Quote werden formelle Entscheidungen, bei denen das Schutzgesuch inhaltlich nicht geprüft wird, herausgerechnet.
Eine wichtige Rolle spielte zuletzt der Familienschutz. Im ersten Halbjahr 2026 wurde in 21.195 Fällen auf dieser Basis ein Schutzstatus vergeben. Das entsprach 45,6 Prozent der positiven Entscheidungen, wobei hier auch Abschiebungsverbote berücksichtigt sind.
Wie die Bundesregierung in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion weiter mitteilt, lag die bereinigte Schutzquote für Menschen aus Afghanistan sogar bei 89,3 Prozent. Afghanistan war zugleich das wichtigste Herkunftsland der im ersten Halbjahr registrierten Asylgesuche.
Ein Faktor für den Anstieg der Schutzquote ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2024. Darin war festgestellt worden, dass Frauen aus dem seit 2021 wieder von den islamistischen Taliban regierten Land grundsätzlich einen Schutzanspruch haben.
Wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wurde im ersten Halbjahr dieses Jahres bei knapp 95 Prozent der Entscheidungen über Afghaninnen ein Schutzstatus erteilt.
Die Zahl der Menschen, die erstmals in Deutschland einen Asylantrag stellen, war im ersten Halbjahr dieses Jahres mit 39.646 Erstanträgen deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum (72.818 Erstanträge).
Kaum praktische Relevanz hat bisher the seit Februar 2024 geltende Strafvorschrift gegen unrichtige oder unvollständige Angaben im Asylverfahren. Laut Bundesregierung gab es seit Inkrafttreten der neuen Regelung insgesamt drei Strafanzeigen des Bamf.
Eine davon wurde wegen Geringfügigkeit beziehungsweise fehlenden öffentlichen Interesses eingestellt. „Viele dieser Maßnahmen erweisen sich in der Praxis als wenig hilfreich“, sagte die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger.
Open Questions
- Wie entwickeln sich die Asylzahlen in der zweiten Jahreshälfte 2026?
- Welche weiteren Maßnahmen plant die Bundesregierung im Asylbereich?


