Berlins Expo-Bewerbung 2035: Verwaltung blockiert, Trump zieht vorbei
Die deutsche Hauptstadt will die Weltausstellung 2035 ausrichten, doch interne politische Hürden und die Konkurrenz aus Miami gefährden das Projekt.
Quick Look
- Berlin strebt die Ausrichtung der Expo 2035 an, doch der Prozess stockt in der Verwaltung.
- Während der Berliner Senat zögert, hat US-Präsident Donald Trump eine offizielle Bewerbung Miamis initiiert, was den internationalen Druck auf die deutsche Hauptstadt erhöht.
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Why It Matters
Die Expo wird alle fünf Jahre vom BIE vergeben. Berlin plant eine Bewerbung für 2035, konkurriert jedoch mit Miami.
Berlin wollte sich für die Weltausstellung 2035 ins Rennen bringen. Doch die Bewerbung hängt in Berlins Verwaltung fest. Eine weitere Großveranstaltung könnte damit an Trump gehen.
Düsseldorf. Eigentlich standen die Chancen gut für die deutsche Hauptstadt, im Jahr 2035 Austragungsort der Weltausstellung Expo zu werden. Ausgerechnet US-Präsident Donald Trump könnte den Berlinern nun aber zuvorkommen – und mit der Metropole Miami die Berliner Ambitionen verdrängen.
Ein Konzept für die Berliner Expo gibt es bereits seit Jahren, ausgearbeitet und finanziert von dem Verein Global Goals und der Expo 2035 Berlin GmbH: Die Organisatoren wollen die Ausstellung rund um die Klimaneutralität 2035 und die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen gestalten – und werben dafür seit Monaten bei der Berliner Politik. Doch diese sperrte sich laut den Organisatoren bisher gegen eine offizielle Bewerbung.
Die Expo wird seit 1928 etwa alle fünf Jahre durch das Bureau International des Expositions (BIE) in Paris vergeben. Hannover war als letzte deutsche Stadt Expo-Gastgeber im Jahr 2000.
Seit das Konzept steht, ist nicht mehr viel passiert. Zwar hat sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) mittlerweile offen zur Expo-Bewerbung bekannt, aber laut Organisatoren geht es kaum voran. „Wir hängen im Klein-Klein fest“, erklärt Henning Wehmeyer, Geschäftsführer der Expo 2035 Berlin GmbH. Die Verwaltung diskutiere darüber, wo welche Mülltonne stehen solle, anstatt sich auf die Grundpfeiler zu konzentrieren.
„Im Berliner Senat wird viel diskutiert, aber wenig über die Zukunft“, kritisiert auch Hinrich Thölken, der Berater für Nachhaltigkeit bei Capgemini ist und im Aufsichtsrat der Expo sitzt. „Die Expo ist eine Chance, wieder ein positives Zukunftsbild zu zeichnen und zu zeigen, dass wir eine Vision haben.“ Der Berliner Senat äußerte sich auf Anfrage nicht.
Wegner habe Zeit verspielt, weil er sich lange nicht zur Expo bekannte. Ein Grund, den Wegner auch öffentlich nannte: Berlin bewirbt sich parallel auch als Olympia-Gastgeber für die Jahre 2036, 2040 und 2044. „Man hat so getan, als würde das eine das andere ausschließen“, sagt Thölken.
Lange galten Berlins Chancen als sehr gut. Neben der deutschen Hauptstadt hatte nur San Francisco bereits ein ausgebautes Konzept erarbeitet. Anfang des Jahres brachte US-Präsident Trump jedoch Miami ins Spiel. In seinem sozialen Netzwerk Truth Social postete er im Januar, dass er eine Bewerbung Miamis unterstütze, und beauftragte Außenminister Marco Rubio, der gebürtig aus Miami stammt, mit Konzept und Umsetzung.
Trump schrieb vom „nächsten großen Schritt für unser goldenes Zeitalter in Amerika“. Danach kamen lange keine neuen Nachrichten aus Miami mehr, doch US-Medien berichteten kürzlich, Rubio habe Miamis lokale Regierung beauftragt, die Bewerbung auf den Weg zu bringen. Miami habe für 1,3 Millionen Dollar eine Machbarkeitsstudie, die für die Bewerbung notwendig ist, in Auftrag gegeben.
Damit hat die Stadt die Berliner Ambitionen mittlerweile überholt. Die Expo-Organisatoren erwarten, dass die USA im September oder Oktober offiziell ihre Bewerbung einreichen. Durch die direkte Konkurrenz zur US-Regierung habe, so Thölken, eine deutsche Expo-Bewerbung mittlerweile eine weitreichendere Bedeutung. „Damit bieten wir der selbstherrlichen Art Trumps einen Gegenentwurf“, sagt er. Es gehe darum zu zeigen, dass es auch auf demokratischem Wege möglich sei, solch ein Event zu planen und zu organisieren.
In Berlin kommen mehrere erschwerende Umstände zusammen. Das ursprüngliche Konzept der Berliner sah vor, die Expo auf dem Gelände des Altflughafens Tegel zu veranstalten, doch dieser wird bis 2035 vermutlich nicht mehr zur Verfügung stehen. Der neue Plan sieht vor, mit dem Hauptsitz nach Schöneberg auszuweichen und damit Brandenburg in die Veranstaltung zu involvieren.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte im Mai: „Wir werden uns an keinem Berliner Konzept beteiligen, das habe ich dem Regierenden Bürgermeister gesagt. Wenn es eine Expo gibt für die gesamte Hauptstadtregion, dann muss es hier einen völlig neuen Ansatz geben.“
An dem Konzept hat sich seit Mai nicht allzu viel getan. Expo-Chef Wehmeyer sieht eine mögliche Brandenburger Beteiligung allerdings positiv. Das Bundesland habe neuen Schwung in die Bemühungen gebracht.
Auf Anfrage teilte die Brandenburger Staatskanzlei mit, man wäge derzeit Kosten und Nutzen genau gegeneinander ab. Das brauche Zeit, sei aber notwendig, bevor man sich festlegen wolle.
Ein weiteres Ereignis überschattet die Berliner Regierungsarbeit: Am 20. September finden in Berlin Wahlen zum Abgeordnetenhaus statt, Wegner wird nach öffentlicher Kritik an seinem Umgang mit einem Stromausfall im Januar nicht wieder antreten. Wehmeyer sieht das nicht per se als Hindernis. Üblicherweise werden viele Entscheidungen um Wahlen herum jedoch vertagt.
Aufgrund von Wegners Rückzug bei den Wahlen benötigt das Projekt potenziell neue Unterstützer. Die größte politische Unterstützerin ist derzeit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Die SPD könnte laut aktuellen Umfragen jedoch deutlich weniger Stimmen bekommen als bei der vorangegangenen Wahl. Ob sie in einer nächsten Wahlperiode weiterhin die Position besetzen wird, ist deshalb alles andere als sicher.
Unterstützung für eine deutsche Bewerbung gibt es neben der Berliner Bevölkerung vor allem aus der Wirtschaft. Die ostdeutschen Industrie- und Handelskammern (IHKs) erhoffen sich langfristig positive Folgen. „Sie kann der Motor sein, um langfristige Ziele in den Bereichen Wirtschaft, Infrastruktur und Nachhaltigkeit entscheidend voranzutreiben“, schrieben die Brandenburger IHKs im Dezember an Brandenburgs Ministerpräsident Woidke. Briefe gab es auch von einzelnen Unternehmen, etwa Tesla oder PCK Schwedt.
Eine Berechnung der Beratung PwC, die von der Expo GmbH beauftragt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass sich Kosten und Einnahmen von rund 2,1 Milliarden Euro gegenseitig ausgleichen.
Die Berliner Wirtschaft könnte aber laut den Berechnungen über fünf Jahre mit einem Plus von zehn Milliarden Euro und Wachstumseffekten für Deutschland von rund 22 Milliarden Euro profitieren. Über den Zeitraum von sechs Monaten rechnet die Expo GmbH mit bis zu 30 Millionen Besuchern.
Die Expo 2025 in Osaka war mit 27 Millionen Besuchern und einem Veranstaltungsgewinn von umgerechnet 130 Millionen Euro zu Ende gegangen. Osaka hatte mit deutlich weniger Besuchern gerechnet.
Wie trügerisch Prognosen sein können, zeigte die Expo 2000 in Hannover: Erwartet wurden 40 Millionen Besucher, gekommen sind weniger als die Hälfte. Die Veranstalter fuhren einen Verlust von rund 2,4 Milliarden D-Mark (nominal etwa 1,2 Milliarden Euro) ein.
Bis Ende des Jahres muss eine Bewerbung beim BIE eingehen, danach entscheidet ein Gremium der Mitgliedsländer 2027 oder 2028, welche Stadt den Zuschlag bekommt. Die veranstaltende Stadt muss die Bewerbung vorbereiten und das finale Konzept verabschieden. Die offizielle Bewerbung erfolgt dann durch die nationale Regierung.
Wehmeyers Hoffnung: Falls die Olympia-Bewerbung am 26. September scheitert, könnte es „plötzlich ganz schnell gehen“ mit einer Expo-Bewerbung. Berlin habe weiterhin gute Chancen, hieß es zuletzt aus Paris. Sorgenfrei ist Berater Thölken dennoch nicht. „Natürlich wird das Zögern und Zaudern weltweit wahrgenommen“, sagt er. „Das kommt nicht gut an.“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist im Gegensatz zu Trump bisher sehr zurückhaltend. Auf die Frage eines Journalisten sagte er im Dezember: „Ich schließe für Berlin gar nichts aus.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Offizielle Bewerbung der USA für die Expo 2035 im September oder Oktober.
Likely · Within months
Open Questions
- Wird Berlin die offizielle Bewerbung rechtzeitig einreichen?
- Wie positioniert sich die neue Berliner Regierung nach den Wahlen?



