EU-Staaten verhandeln mit Ruanda über Abschiebezentren
Quick Look
- Vertreter Deutschlands und weiterer EU-Staaten haben in Ruanda Gespräche über die Einrichtung von Abschiebezentren für abgelehnte Asylbewerber geführt.
- Die Verhandlungen dauern an, wobei Italien ebenfalls Interesse bekundet hat.
- Ruanda wird als autokratisches Regime beschrieben, das gegen Kritiker vorgeht.
AI-generated summary
Why It Matters
Die EU prüft Abschiebezentren in Drittstaaten, nachdem EU-Parlament und Mitgliedstaaten eine Rückführungsverordnung vereinbart haben, die mehr Abschiebungen ermöglichen soll.
Vertreter Deutschlands und weiterer EU-Staaten haben in Ruanda Gespräche über die Einrichtung von Abschiebezentren geführt. »Die Besuche haben tatsächlich stattgefunden und die Verhandlungen dauern an«, sagte Ruandas Außenminister Olivier Nduhungirehe der Nachrichtenagentur AFP, ohne weitere Einzelheiten zu benennen. In der vergangenen Woche hatten der SPIEGEL und das ARD-Magazin »Report Mainz« über die Verhandlungen über sogenannte Return Hubs berichtet.
Die Reise ging demnach auf eine Gruppe von Staaten zurück, die sich selbst »die Umsetzer« nennen. Neben Deutschland gehören ihnen Österreich, Dänemark, Griechenland und die Niederlande an.
EU will Abschiebezentren in Drittstaaten
Die Gruppe prüft, in welche Länder außerhalb Europas Menschen gebracht werden könnten, deren Asylanträge in Europa abgelehnt wurden. Bis Ende des Jahres solle ein Partner gefunden werden. Auch Italien habe in den vergangenen Wochen Interesse an einem entsprechenden Abkommen mit Ruanda bekundet, hieß es.
Bislang geht es in den Gesprächen offenbar ausschließlich um sogenannte Return Hubs. Die Unterhändler von EU-Parlament und Mitgliedstaaten hatten sich Anfang Juni auf eine Rückführungsverordnung geeinigt, mit der mehr Abschiebungen aus der EU ermöglicht werden sollen. Die Vereinbarung erlaubt es Mitgliedstaaten, Abschiebezentren in Drittländern einzurichten, die außerhalb der EU liegen.
Die Union will ein Migrationsabkommen mit Ruanda, die EU stellt Gelder für die Imagepflege des Regimes bereit. Dabei ist Ruanda eine Autokratie, die gegen Kritiker rücksichtslos vorgeht, wie investigative SPIEGEL-Recherchen zeigen. Lesen Sie hier die SPIEGEL-Story über die Hintergründe des umstrittenen Deals mit Langzeitmachthaber Paul Kagame.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Ein Partnerland für die Abschiebezentren wird bis Ende des Jahres gefunden.
Likely · Within months
Open Questions
- Welche konkreten Bedingungen sind für die Einrichtung der Abschiebezentren in Ruanda geplant?
- Wie wird die Menschenrechtssituation in den Zentren überwacht?
- Welche finanziellen Vereinbarungen wurden mit Ruanda getroffen?
- Wie reagieren Menschenrechtsorganisationen auf die Pläne?




