Bildungsverlaufsregister: Datengestützte Schulentwicklung als Lösung für PISA-Tief
Experten fordern eine bundesweite Datenbank, um Bildungserfolge messbar zu machen und Förderprogramme zielgenauer zu gestalten.
Quick Look
- Angesichts schlechter PISA-Ergebnisse fordern Experten die Einführung eines Bildungsverlaufsregisters in Deutschland.
- Eine bundesweite Datenbank soll Bildungslücken sichtbar machen und evidenzbasierte Fördermaßnahmen ermöglichen, wie es in Ländern wie Kanada bereits geschieht.
AI-generated summary
Why It Matters
Deutschland verzeichnet in der aktuellen PISA-Studie sinkende Leistungen. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag den Aufbau eines Bildungsverlaufsregisters vereinbart.
Deutschlands Schüler sacken ab. Das zeigt die neue PISA-Studie. Und jetzt rätselt die Bildungspolitik mal wieder, wie die Leistungen dauerhaft besser werden können.
"Wir sehen in den leistungsstärksten Schulsystemen auf der Welt, dass sie alle mit Daten arbeiten," sagt Anne Sliwka. Die Professorin für Schulpädagogik an der Universität Heidelberg beobachtet internationale Schulsysteme.
Der Einstieg in die datengestützte Schulentwicklung scheint überfällig. Voraussetzung dafür ist eine Datenbank mit dem sperrigen Namen Bildungsverlaufsregister.
Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag versprochen, so ein Register aufzubauen. "Damit ist erstmal eine technische Infrastruktur gemeint", sagt Martin Pfafferott von der Bertelsmann-Stiftung, der die Entwicklung beobachtet.
In Schritt eins würden Bildungsdaten, die es ohnehin in Deutschland gibt, in einer Statistik zusammengeführt. So könnten Bildungsprobleme sichtbarer werden. Schülerzahlen seien bekannt, sagt Pfafferott, "wir wissen aber nicht, warum es zu Brüchen kommt." Mit einer Bildungsverlaufsstatistik könnte man Ursachen ermitteln - und auf Basis der Daten zielgenaue Förderprogramme entwickeln.
Pläne, so eine Datenbank aufzubauen, gibt es in Deutschland schon lange. Aber die Umsetzung ist schwierig, denn Bildung ist in Deutschland Ländersache. Die Bundesregierung führe Gespräche mit den Ländern, teilt eine Sprecherin des Bundesbildungsministeriums auf Anfrage mit.
In einer solchen Statistik liege viel Potenzial. "So haben wir derzeit beispielsweise keine statistischen Informationen darüber, welche weiteren Bildungswege die rund 62.000 jungen Menschen nehmen, die im Jahr 2024 die Schule ohne Abschluss verlassen." Diese Daten würden dringend gebraucht für die politische Steuerung und die Priorisierung in Zeiten knapper Budgets.
Erfolgreiche PISA-Länder zeigen, wie es geht. Dazu gehören Estland, Kanada und Singapur. Kanada hat Mitte der 1990er-Jahre mit der datengestützten Schulentwicklung begonnen, zunächst in der Provinz Ontario. Inzwischen hat sich die datengestützte Schulentwicklung landesweit durchgesetzt.
"Der Lernstand von Kindern wird regelmäßig getestet", sagt Professorin Sliwka. Die Ergebnisse werden mit weiteren Daten verknüpft, zum Beispiel mit dem Einkommen der Eltern. Außerdem gibt es Umfragen zur Qualität von Schulen. So könne Schulentwicklung evidenzbasiert gelingen: "Wenn 25 Prozent der Kinder einer dritten Klasse nicht gut lesen können, entwickelt die Schule das strategische Ziel, das zu verändern", sagt Anne Sliwka. Und sie bekommt Unterstützung von Behörden und Politik in Form von Fortbildungen und Materialien.
Auch in Deutschland arbeiten Bundesländer daran, auf der Basis von statistischen Daten die Leistungen von Kindern zu verbessern. Darunter sind Hamburg und Baden-Württemberg. Bis zu einer bundesweiten Lösung ist es aber noch ein langer Weg.
Wichtige Fragen müssen geklärt werden, zum Beispiel zum Datenschutz. Experten wie Samuel Greiff von der TU München wünschen sich mehr Tempo: "Wir investieren Milliarden Euro in Bildungsprogramme. Und bei vielen wissen wir nicht, ob sie eigentlich das erreicht haben, was sie erreichen sollten. Und ein Bildungsverlaufsregister kann dazu entscheidend beitragen, dass wir besser verstehen, wo wir überhaupt unsere Ressourcen am besten investieren und auch, was eigentlich funktioniert hat und was nicht funktioniert hat", sagt der Leiter des deutschen Teils der PISA-Studie.
Wenn Deutschland bei den Schülerleistungen wieder aufholen will, könnte ein Bildungsverlaufsregister ein guter Anfang sein.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über das Bildungsverlaufsregister werden fortgesetzt.
Likely · Within months
Open Questions
- Wie werden Datenschutzbedenken bei der Datenzusammenführung gelöst?
- Wann erfolgt eine Einigung zwischen Bund und Ländern?



