Brandenburg verschärft Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen und Kindern
Neuer Leitfaden für interdisziplinäres Hochrisikomanagement soll Femizide verhindern und Schutzmaßnahmen koordinieren.
Quick Look
- Brandenburg führt ein neues interdisziplinäres Hochrisikomanagement ein, um häusliche Gewalt effektiver zu bekämpfen.
- Behörden und Hilfsorganisationen sollen durch Fallkonferenzen Gefahren frühzeitig erkennen und gezielte Schutzmaßnahmen für Betroffene erarbeiten.
AI-generated summary
Why It Matters
Im Jahr 2025 wurden in Brandenburg 4.712 weibliche Opfer häuslicher Gewalt polizeilich erfasst, darunter 15 Mord- und Totschlagsdelikte.
Brandenburg will effektiver gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder vorgehen. Alle relevanten Behörden und Organisationen, also Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichte, Jugendämter sowie Frauenhäuser und -beratungssstellen, sollen dafür Fälle mit besonders hohem Gefährdungspotenzial gemeinsam in den Blick nehmen, wie das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt (MASGZ) mitteilte.
Für die Koordinierung der Zusammenarbeit der einzelnen Behörden und Organisationen hat das Ministerium einen Leitfaden entwickelt. Ziel sei es, Strukturen aufzubauen, die Hochrisikofälle häuslicher Gewalt früher erkennen und insbesondere Tötungsdelikte an Frauen, sogenannte Femizide, verhindern können.
Gezieltes Erarbeiten von Schutzmaßnahmen
Geplant sind sogenannte Fallkonferenzen: Nach einer Risikoeinschätzung durch die Behörde oder Organisationen und einer anschließenden Risikoanalyse unter Einbeziehung der Betroffenen kommen diese zusammen. In Fallkonferenzen sind spezialisierte Beratungs-, Interventions- und Koordinierungsstellen vertreten, außerdem Polizei, Frauenhäuser und -beratungsstellen, Täterarbeits- und Opferhilfeeinrichtungen und Jugendämter. Gezielt sollen Schutzmaßnahmen für den jeweiligen Fall erarbeitet werden, wie es in der Mitteilung des Ministeriums heißt. Gemeinsam mit der Betroffenen sollen diese umgesetzt werden.
Mehrere Ministerien haben sich für das interdisziplinäre Hochrisikomanagement zusammengeschlossen. Beteiligt sind auch das Ministerium des Innern und für Kommunales (MIK), das Ministerium der Justiz und Digitalisierung (MdJD) und das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS). Der Leitfaden wurde von einer Arbeitsgruppe erarbeitet, in der neben den beteiligten Ministerien auch die Polizei sowie zahlreiche Organisationen des Hilfesystems vertreten sind.
Allein im August drei Frauen getötet
Für 2025 wurden in Brandenburg insgesamt 4.712 weibliche Opfer häuslicher Gewalt in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. Davon waren 15 Opfer von Mord- und Totschlagsdelikten. Fünf der Opfer starben an ihren Verletzungen. In diesem Jahr wurden allein im August in Brandenburg drei junge Frauen getötet.
Open Questions
- Wie hoch ist das Budget für die Umsetzung der Fallkonferenzen?
- Ab wann tritt der Leitfaden offiziell in Kraft?



