Bundestagsabgeordnete Cansin Köktürk sammelt Spenden nach Ordnungsgeld wegen AfD-Kritik
Quick Look
- Die Linken-Abgeordnete Cansin Köktürk muss ein Ordnungsgeld von 2000 Euro zahlen, nachdem sie AfD-Politiker René Springer wegen rassistischer Äußerungen kritisiert hatte.
- Sie wirft Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz vor, eine "Debattenkultur mit Faschisten" zu fördern, und sammelt über eine GoFundMe-Kampagne Spenden für Sea Watch e.V.
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Why It Matters
Der Konflikt entstand während der Haushaltsdebatte im Bundestag, nachdem AfD-Politiker René Springer Asylsuchende beschuldigt hatte, den Sozialstaat zu missbrauchen, und forderte, dass Personen mit Haftbefehl keine Sozialleistungen mehr erhalten sollen. Cansin Köktürk reagierte darauf mit Kritik an der AfD und wurde daraufhin wegen Ordnungsrufen verwarnt.
Der erregte Wortwechsel im Bundestag hatte bereits Schlagzeilen gemacht. Nun wettert eine der Beteiligten im Internet weiter, und wirft dabei Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) vor, eine „Debattenkultur mit Faschisten“ zu fördern.
Was war passiert? Zunächst hatte AfD-Politiker René Springer am Freitag in seiner Rede zur Haushaltsdebatte im Bundestag unter anderem Asylsuchenden vorgeworfen, den Sozialstaat zu missbrauchen. Sozialempfängern, die mit einem Haftbefehl gesucht würden, müsse zudem das Geld gestrichen werden. Springer sagte wörtlich: „Da werden wir dafür sorgen, dass, wenn die ins Jobcenter kommen, nur noch eins passiert, nämlich die Handschellen klicken und kein einziger Euro mehr bezahlt wird.“
Die Konsequenz: Köktürk – eine studierte Sozialarbeiterin, die 2025 über die NRW-Landesliste in den Bundestag kam – muss nun als erste Abgeordnete ein Ordnungsgeld von 2000 Euro zahlen. Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) wandte damit in der Haushaltsdebatte die neuen, verschärften Regeln der Geschäftsordnung des Parlaments an.
Demnach kann gegen Abgeordnete ein Ordnungsgeld von 2000 Euro verhängt werden, wenn sie innerhalb von drei Sitzungswochen drei Ordnungsrufe erhalten. Im Wiederholungsfall droht sogar eine Strafe von 4000 Euro.
„Kapitalistische Geldstrafenandrohungen“ würden auch nichts ändern
Auf ihrem Instagram-Account (163.000 Follower) trat die 33-Jährige aus Nordrhein-Westfalen inzwischen noch einmal nach. In einer Story erklärte sie, die Ordnungsrufe „im Namen des Antifaschismus dankbar“ anzunehmen.
Zuvor hatte die CSU-Politikerin in einer Instagram-Story zu dem Vorfall persönlich Stellung bezogen und sich erklärt. Lindholz erklärte dort laut Medienberichten, dass „Leidenschaft“ keine Verstöße gegen die Hausordnung des Bundestags rechtfertige. Die Ordnungsrufe sowie das damit einhergehende Ordnungsgeld in Höhe von 2000 Euro seien somit gerechtfertigt.
Auch auf diese Stellungnahme ging Köktürk ein: „Hört, hört! Andrea Lindholz spricht von ‚Leidenschaft‘, wenn ich mich als migrantische Frau gegen Rassismus wehre“, heißt es. Und weiter: „Auch wenn Sie (Lindholz, d. Red) sich hinter der ‚Ordnung‘ und der ‚Würde‘ des Hauses verstecken: Ein Parlament verliert seine Würde in dem Moment, in dem Rassismus unwidersprochen bleibt.“ Weiter wirft die Linke der CSU-Politikerin vor, dass deren „Maske“ nun gefallen sei. Diese solle doch „ihre Wege weiter gehen“ und die, Zitat, „Debattenkultur der Faschisten“ weiterführen.
Für ihren ersten Instagram-Beitrag, in dem sich Cansin Köktürk zu dem Vorfall im Bundestag äußerte (Zitat: „Ich wehre mich gegen die Normalisierung rassistischer und menschenfeindlicher Inhalte der AfD im deutschen Parlament. Mich kann niemand mit kapitalistischen Geldstrafenandrohungen einschüchtern oder mundtot machen. Es ist meine Verantwortung als Abgeordnete, aufzustehen (...)“) hat die Linken-Bundestagsabgeordnete mittlerweile über 106.000 Herzchen (Stand: Sonntagfrüh) bekommen.
Jetzt ruft die Politikerin zur Spende auf
Wenig später ruft Köktürk in einer „Gofundme“-Kampagne zu Spenden auf. Das Spendenziel ist bei 16.000 Euro angesetzt, mit 14.017 Euro hat sie 88 Prozent davon bereits eingesammelt (Stand: Sonntagfrüh). In dem Aufruf heißt es: „Mein Name ist Cansin Köktürk und Ich wehre mich gegen die Normalisierung rassistischer und menschenfeindlicher Inhalte der AfD im deutschen Parlament. Mich kann niemand mit kapitalistischen Geldstrafenandrohungen einschüchtern oder mundtot machen. Es ist meine Verantwortung als Abgeordnete, aufzustehen. Es reicht.“
Und weiter: „Die AfD rattert ihre rassistische Agenda hoch und runter, gegen Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Folter hierher fliehen. Ich kassiere als migrantische Frau und Abgeordnete Ordnungsgelder, weil ich gegen den Faschismus aufstehe.“ Ihre Antwort darauf sei: „Liebe. Wir lassen Menschen nicht im Mittelmeer ertrinken. Wir retten Menschenleben.“
Das Geld werde an die Sea Watch e.V. gespendet und somit in die zivile Seenotrettung.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die GoFundMe-Kampagne wird ihr Ziel von 16.000 Euro erreichen oder überschreiten.
Likely · Within weeks
Die Debatte über die Anwendung der Geschäftsordnung gegen Abgeordnete wird im Bundestag weitergehen.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Wie wird die Geschäftsordnung des Bundestags langfristig verändert werden?
- Wird es weitere Sanktionen gegen Abgeordnete geben, die ähnliche Äußerungen tätigen?
- Wie wird die Spendenkampagne für Sea Watch e.V. die Arbeit der Organisation beeinflussen?

