BVR-Chefin Marija Kolak strebt keine dritte Amtszeit an
Die Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken kündigt an, ihr Amt im Dezember 2027 abzugeben.
Quick Look
- Marija Kolak, Präsidentin des BVR, wird im Dezember 2027 nach zehn Jahren im Amt nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren.
- Der genossenschaftliche Bankensektor durchläuft derzeit eine Phase struktureller Unruhe und mehrerer Stützungsfälle.
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Why It Matters
Marija Kolak steht seit 2018 an der Spitze des BVR. Der genossenschaftliche Bankensektor verzeichnete zuletzt mehrere Stützungsfälle und Reformen der Sicherungseinrichtung.
Frankfurt. Die deutschen Genossenschaftsbanken müssen sich mitten in einer Krise eine neue Führung suchen. Marija Kolak, Chefin des Branchenverbands Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), strebt keine weitere Amtszeit an. Sie werde nach Ablauf ihrer zweiten Amtszeit im Dezember 2027 „nicht ein drittes Mal für das Präsidentenamt des BVR zur Verfügung“ stehen, teilte der Verband am Donnerstagmorgen mit.
„Ich erfülle natürlich meine Mandatsperiode und war dann zehn Jahre BVR-Präsidentin“, sagte Kolak dem Handelsblatt. „Zwei Amtszeiten sind genug“, ergänzte sie. Kolak verwies darauf, dass auch ihre beiden Vorgänger zehn sowie knapp zehn Jahre den Posten innehatten.
Ihr sei es wichtig gewesen, den BVR-Verwaltungsrat bereits jetzt über ihre Entscheidung zu informieren, sagte Kolak weiter: „Damit erhält das Gremium ausreichend Zeit, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger auszuwählen und einen geordneten Übergang vorzubereiten.“
Die 56-Jährige steht seit Anfang 2018 an der BVR-Spitze und ist die erste Frau in diesem Amt. Der Verband ist die Lobbyorganisation der mehr als 600 Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken sowie genossenschaftlicher Spezialinstitute.
In den vergangenen rund zweieinhalb Jahren gab es im genossenschaftlichen Sektor große Unruhe, weil mehrere Geldhäuser in Schieflage geraten waren und durch den Stützungsfonds der Branche gerettet werden mussten. Seit Anfang 2024 sind zehn Institute bekannt, die Hilfe von der BVR-Sicherungseinrichtung benötigten oder benötigen.
Die Summe an Garantien und Zuschüssen dürfte an nahezu zwei Milliarden Euro heranreichen. Die große Mehrheit der Genossenschaftsbanken steht jedoch wirtschaftlich gut da. Die Volks- und Raiffeisenbanken fuhren 2025 vor Steuern ein Rekordergebnis von fast zehn Milliarden Euro ein.
Die Genossenschaftsbanken retten sich über ihre Sicherungseinrichtung im Notfall gegenseitig und damit auch alle Kundeneinlagen. Meist fusionieren gerettete Banken später mit größeren Nachbarinstituten.
Mehrere aufgefangene Volksbanken hatten in der Niedrigzinsphase in den 2010er-Jahren Immobilienfinanzierungen und andere Projekte vorangetrieben, die sich nun negativ auswirken. Zudem beschädigt eine Reihe fragwürdiger Geschäfte die Reputation der genossenschaftlichen Finanzgruppe, etwa die Finanzierung einer Bordellimmobilie durch die Volksbank Köln Bonn.
Als Reaktion auf die Stützungsfälle hat die Sicherungseinrichtung der Genossenschaftsbanken mehr Eingriffsrechte erhalten. Dem Schritt stimmte die BVR-Mitgliederversammlung, in der alle Genossenschaftsbanken eine Stimme haben, im Sommer zu. Schon allein weil die Mitgliederversammlung nur einmal im Jahr tagt, benötigen Beschlüsse bei den Volks- und Raiffeisenbanken häufig viel Zeit.
Kolak gilt als analytisch und arbeitet sich bei allen wichtigen Themen tief in die Details ein. Manche Kritiker sind allerdings der Ansicht, dass die BVR-Chefin die strukturellen Probleme des Sektors früher und deutlicher hätte ansprechen müssen. Ende 2024, als bereits drei große Stützungsfälle bekannt waren, hatte die BVR-Präsidentin noch von Einzelfällen mangelnder Verantwortung gesprochen.
Kolak verteidigt ihr Vorgehen. Der interne Diskussionsprozess über Konsequenzen habe lange vor der Ankündigung begonnen: „In einer dezentralen Gruppe können Sie nicht einfach nach vorn preschen und eigenmächtig Maßnahmen kommunizieren“, sagte sie dem Handelsblatt. Sie ergänzte: „Da müssen Sie auch Zeit in Überzeugungsarbeit investieren. Es war deshalb wichtig, jeden Schadensfall einzeln aufzuarbeiten und dann daraus in enger Abstimmung mit den Gremien die notwendigen Schlüsse zu ziehen.“
Die Stützungsfälle hätten keinen Einfluss auf ihre Entscheidung gegen eine mögliche dritte Amtszeit gehabt, sagte die BVR-Präsidentin. „Die Sanierungsfälle waren für mich eher ein Argument, eine weitere Amtszeit anzuhängen. Denn beim Umgang mit solchen Themen hilft es, wenn man eine gewisse Erfahrung mit unseren dezentralen Strukturen und den rechtlichen Gegebenheiten hat.“
Allerdings habe der BVR durch die Reform der Sicherungseinrichtung inzwischen die Voraussetzungen geschaffen, „um bei Fehlentwicklungen viel entschiedener durchzugreifen“, betonte Kolak. Die weitere Entwicklung der Gruppe könne nun auch sehr gut durch einen Nachfolger vorangetrieben werden, sagte sie.
Kolak habe die Weiterentwicklung der Institutssicherung mit „großer Souveränität und unter enger Einbindung der Finanzgruppe erfolgreich abgeschlossen“, erklärte Wolfgang Altmüller, der Vorsitzende des BVR-Verwaltungsrats. „Wir bedauern ihre Entscheidung sehr, nicht für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung zu stehen.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Wahl einer Nachfolge oder eines Nachfolgers für das BVR-Präsidium vor Dezember 2027
Very likely · Within months
Open Questions
- Wer wird die Nachfolge von Marija Kolak antreten?
- Wie entwickeln sich die restlichen Stützungsfälle im Sektor?





