
Die Konkurrenz um Run-Club-Formate wird größer. Davon profitieren Sportmarken wie Adidas oder Another Cotton Lab.
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Lauftreffs verlagern sich zunehmend von traditionellen Vereinen hin zu kommerziellen Run-Clubs von Sportmarken.
Vom Individualsport zur Gemeinschaftsaktivität: Run-Clubs verändern den Laufsport. Davon profitieren viele Sportmarken. Und die Konkurrenz wächst.
Lauftreff auf einer Düsseldorfer Rheinbrücke: Die Konkurrenz um Run-Club-Formate wird größer und größer. Foto: Another Cotton Lab
Düsseldorf. Sonntagmorgen, kurz vor acht, Düsseldorfer Altstadt: Aus verschiedenen Richtungen steuern Menschen in Laufkleidung auf den Vorplatz einer Kirche in der Bastionstraße zu. Im Sommer wie im Winter kommen hier jede Woche mehr als hundert Läufer zusammen – zum gemeinsamen Aufwärmen, dann zur Fünf- bis Zehn-Kilometer-Runde.
Um Punkt acht geht es in der Gruppe im gemütlichen Tempo los, runter zum Rhein. Vorneweg läuft David Ebisch, einer der Gründer der Sportmarke Another Cotton Lab, der den Sunday Running Club ins Leben gerufen hat.
Seit zwei Jahren trifft sich die Laufgruppe wöchentlich. Manche kommen regelmäßig, andere schauen nur mal vorbei. Die Teilnahme ist kostenlos und unverbindlich. Manche tragen die Kleidung der Marke, doch auch das ist kein Muss.
Für Ebisch war der Run-Club, wie solche Lauftreffs oft genannt werden, naheliegend: „Wir vom Team laufen ohnehin einmal in der Woche. Irgendwann dachten wir uns: Warum nicht unsere Freunde und Kunden einladen, mitzukommen?“ Zu Beginn kam gerade einmal eine Handvoll Laufwillige, bei besonderen Veranstaltungen kommen auch mal 200 bis 300 Läufer. Normalerweise sind es um die 100.
Für Another Cotton Lab ist das Format laut eigenen Aussagen ein Wachstumsvehikel geworden. Von der Popularität der Run-Clubs wollen auch traditionelle Marken profitieren. Der Laufsport ist eines von wenigen wachsenden Segmenten im Sportmarkt. Während die Konkurrenz um Run-Club-Formate wächst, stellt sich die Frage: Wer kann davon wirtschaftlich profitieren?
Run-Clubs werden populärer
Allein in Düsseldorf gibt es zahlreiche Run-Clubs. Die meisten haben einen kommerziellen Hintergrund, etwa der des Laufladens Absolute Run, der auf den Laufsport spezialisierten Konzeptmarke des Händlerverbunds Sport 2000.
Etwa 100 Lauffachgeschäfte unter den Namen Absolute Run und Running Experts betreibt Sport 2000 in Deutschland, 90 von ihnen bieten einen Lauftreff an.
„Für einen Running-Spezialisten ist das Angebot von Community-Runs heute ein absolutes Muss“, sagt Marc Scheiner, der bei dem Händlerverbund den Bereich Running leitet. Wenn Produkttests bei solchen Treffs angeboten werden, sei „der Weg zum anschließenden Kauf beim lokalen Fachhändler entsprechend kurz“. Zudem seien die Run-Clubs oft mit Loyalitätsprogrammen bei regelmäßiger Teilnahme verbunden.
Und das Interesse an solchen Veranstaltungen wächst offenbar. Das spüren selbst große Sportartikelhersteller wie Adidas. „In den vergangenen zwei Jahren haben wir einen deutlichen Zuwachs an Interesse und Mitgliedern verzeichnet“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Konzerne wie Adidas und Nike bieten solche Formate bereits seit Jahren an, oft auch mit der Möglichkeit, vor Ort Produkte der Marke zu testen. So betreibt Adidas seit zehn Jahren 50 solcher Gruppen in mehr als 40 Ländern, fünf davon in Deutschland. Die Läufe starten von Adidas-Filialen aus und reichen vom lockeren Einsteigertempo bis zum Intervalltraining.
David Ebisch (sitzend im Vordergrund) und der Rest des Führungsteams von Another Cotton Lab: Beim Run-Club ist einer der Gründer fast jede Woche selbst am Start. Foto: Another Cotton Lab
Die Run-Clubs böten Teilnehmern unter anderem eine Möglichkeit, sich über Produkte zu informieren. Zudem erlaubten sie „wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse und Erwartungen der Running-Community“. Adidas will sich dort als Marke mit Laufexpertise präsentieren und so Kunden enger an sich binden.
Diese Ziele verfolgt auch Another-Cotton-Club-Mitgründer Ebisch. Er habe den Run-Club zwar nicht als Marketingmaßnahme eingeführt, sein Unternehmen, sagt er, habe aber trotzdem stark davon profitiert. „Mit dem Run-Club können wir die Werte hinter der Marke zum Ausdruck bringen.“
Dass das funktioniert, bestätigt Maximilian Marten, Berater für Sport-, Fashion- und Luxusunternehmen. Es sei einfacher, mit einem Run-Club Emotionen zu vermitteln, die hinter der Marke und ihren Bekleidungsprodukten stehen, sagt er, als die Expertise, die etwa mit technisch anspruchsvollen Produkten wie Laufschuhen einhergehe.
Community-Management und Marktforschung
Ein wichtiger Hebel für diese Art von Kundengewinnung und -bindung ist die Gemeinschaft der Run-Clubs. War Laufen doch lange Zeit ein Individualsport. Dass das soziale Drumherum heute für viele mindestens so wichtig ist wie der Sport selbst, bestätigen auch Umfragen wie die von Yougov-Studie im Auftrag des Sportschuhherstellers Brooks. Für die Erhebung befragten die Marktforscher mehr als 1200 Läuferinnen und Läufer zwischen 18 und 36 Jahren in acht europäischen Ländern, die bereits an einem Run-Club teilgenommen hatten.
Wenn man es geschickt anstellt, können Run-Clubs ein großartiges Marktforschungs-Tool sein. Maximilian Marten Berater für Sport-, Fashion- und Luxusunternehmen
Brooks bietet auch selbst Run-Clubs an. Demnach ist der Leistungsgedanke für Teilnehmer zweitrangig, soziale Kontakte stehen im Vordergrund. 91 Prozent gaben an, über einen Run-Club neue Freundschaften geschlossen zu haben.
Sunday-Running-Club-Shirt: Die Marke ist durch den Druck auf dem Rücken bekannt geworden. Foto: Another Cotton Lab
Neben dem Vereinssport füllten solche Lauftreffs eine Lücke im Angebot, sagt Sebastian Uhrich, Professor für Sportbetriebswirtschaftslehre an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Run-Clubs haben niedrigere Einstiegshürden und konzentrieren sich nach meinem Gefühl noch einmal stärker auf die sozialen Aspekte des Sports.“ Sie adressieren stärker den „urbanen, modernen Sporttreibenden“. Und das könnten sie, auch wenn sie kommerzielle Interessen verträten.
Another Cotton Club scheint jedenfalls von dieser Strategie zu profitieren. Erzielte das Start-up im Gründungsjahr 2023 eine Million Euro Umsatz, waren es 2025 bereits mehr als zehn Millionen. Mit ihrem „Sunday Running Club“-Motiv gingen sie auch in den sozialen Medien viral.
Auch Teilnehmer erzählen, dass sie sich der Marke des Run-Clubs wegen verbunden fühlen. Das Format erlaube zudem, sich mit den Gründern über neue Produkte und Produktwünsche auszutauschen.
Das sei ein entscheidender Vorteil kleiner Marken, sagt Berater Marten. „Wenn man es geschickt anstellt, können Run-Clubs ein großartiges Marktforschungs-Tool sein.“ Dass ein dort geäußertes Feedback tatsächlich Einfluss auf die Produkte des Unternehmens habe, sei bei kleinen Marken deutlich wahrscheinlicher. „Je größer du wirst, desto schwieriger ist es, auf die Community einzugehen.“
Im Laufsegment sieht er viele neue Marken entstehen. „Am Ende werden sich nicht alle am Markt behaupten können“, sagt der Berater. Die sozialen Medien machten es aber einfach, schnell eine Community aufzubauen und sie über einen Run-Club immer wieder an das Unternehmen zu erinnern. „Dafür sollten die Unternehmen auch erfassen, wer zum Run-Club kommt“, sagt Marten.
Auch das Eventgeschäft verändert sich
Im Fokus der Run-Clubs stehen auch immer wieder besondere Events. Den Run-Club von Another Cotton Lab etwa gibt es nur regelmäßig in Düsseldorf und seit Kurzem in Köln. Einmal im Jahr organisiert das Unternehmen eine Tour durch Deutschland.
Regelmäßig auf Tour geht auch die in Berlin gegründete Gruppe Kraftrunners, die mittlerweile an 16 Standorten in drei Ländern vertreten ist. Kraftrunners verkaufen auch Trainingspläne für unterschiedliche Laufdistanzen, haben einen eigenen Shop mit Produkten und setzen zudem auf besondere Events: Kürzlich veranstalteten sie etwa eine laufende Schnitzeljagd auf einem Festival.
Run-Club der Marke Another Cotton Lab: Der erste Lauftreff fand vor zwei Jahren statt. Foto: Another Cotton Lab
Solche Veranstaltungen seien sehr lohnenswert, sagt Marten. Sie böten zum einen die Möglichkeit, systematisch Daten zu Kunden zu erfassen. Zum anderen sorgten sie für Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Gegenüber klassischem Eventsponsoring sei der Vorteil, sagt der Berater, dass das Event direkt mit dem Unternehmen verknüpft sei. Bei externen Sportveranstaltungen gebe es dagegen oft eine Vielzahl an Sponsoren.
Auch Another Cotton Lab denkt sich immer wieder neue Formate aus. Bei einem Nachtlauf kamen 2000 Läufer und Läuferinnen, so viele wie noch nie bei einer Veranstaltung des Unternehmens.
Und selbst auf den gemeinsamen Lauf am Sonntagmorgen folgt noch eine Gemeinschaftsaktivität: Nach zehn Kilometern treffen sich die Läufer wieder vor dem Geschäft in der Bastionstraße. Die Türen stehen offen, an der Theke können sie Kaffee kaufen und mit den Gründern quatschen. Einige der Teilnehmer stöbern durch die Produkte. Verkauft wird hier sonntags allerdings nichts. Gelegentlich gibt es zudem kostenlose Produkte. Ein weiteres Vehikel, um Kunden enger zu binden, erklärt Marten.
„Ich trainiere unter der Woche allein – und komme sonntags her, um mit meinen Freunden zu quatschen“, sagt einer der Teilnehmer. Er unterhält sich mit seinen Mitläufern über Partys, sein Trainingsprogramm und warum er die Farbauswahl der neuen Kollektion bedauerlich findet. Längst geht es nicht mehr nur ums Laufen.
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Nicht alle neu entstehenden Laufmarken werden sich langfristig am Markt behaupten können.
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