Claudia Roth revidiert Israel-Aussagen aus früherem SPIEGEL-Interview
Die Kulturstaatsministerin distanziert sich von ihrer früheren Kritik an pro-palästinensischen Äußerungen und spricht nun von Apartheid im Westjordanland.
Quick Look
- Kulturstaatsministerin Claudia Roth bezeichnet ihre frühere Distanzierung von Israel-Kritik als Fehler.
- Sie räumt ein, dem medialen Druck nachgegeben zu haben, und spricht nun im Kontext des Westjordanlands von Apartheid, was parteiintern auf scharfe Kritik stößt.
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Why It Matters
Claudia Roth hatte sich zuvor von Aussagen distanziert, die Israel Genozid oder Apartheid vorwarfen. Nun revidiert sie diese Haltung in einem Podcast.
»Das war ein totaler Fehler«
Inzwischen bereut Roth die Aussagen offenbar. Auf die Frage des Moderatoren Tilo Jung, ob sie verstehe, dass sich Adra durch Roths nachträgliche Äußerungen »unter den Bus geworfen« gefühlt habe, sagt Roth: »Ja, das war ein totaler Fehler. Dass ich das dann nochmal gesagt habe, war total falsch, war total blöd.« Roth verweist in dem Podcast nun darauf, dass der mediale Druck »massiv« gewesen sei.
Roth hatte sich im SPIEGEL-Interview auch von Aussagen des US-Filmemachers Ben Russell distanziert, der Israel einen »Genozid« an den Palästinensern vorgeworfen hatte. Roth nannte dies einen »Tiefpunkt« und »unerträglich«. »Das hat, bei allem Mitgefühl für das Leid der Zivilisten, nun wirklich nichts mit der Situation im Gazastreifen zu tun. Israel kämpft gegen die Hamas, nicht gegen das palästinensische Volk – das ja auch unter der Hamas leidet.«
Sie wolle sich nicht herausreden oder entschuldigen, so Roth. »Aber es war so ein unfassbarer Druck vom Zentralrat, von unglaublichen vielen Kreisen.« »Ich sage selber, da war ich zu schwach und überfordert in dieser Lage, und es war ein Fehler.« »Den Regisseur zu kritisieren dafür, dass er von Apartheid redet, oder den Palästinenser, dass er von Genozid redet, war ein Fehler!«
»Dann ist es Apartheid, ja«
Inzwischen würde sie durchaus von »Apartheid« im Westjordanland sprechen, so Roth. »Denn wenn ein Minister, dieser ganz fürchterliche Minister jetzt sogar gesagt habt, Palästinenser dürfen nicht mehr auf den Straßen fahren im Westjordanland, dann ist es Apartheid, ja«.
Auch eine weitere Passage des Podcasts wird derzeit kontrovers diskutiert. So sagte Roth, »manche gute Freunde im Ausland« hätten sie mit Blick auf ihre Haltung zu Israel gefragt: »Wann befreist du dich endlich von dieser Schuld der Geschichte oder wann gehst du anders damit um?«
Wie Roth diese Frage nach der historischen deutschen Verantwortung für den Staat Israel beantwortet, sagt die Grüne in dem Podcast nicht.
Scharfe Kritik von Volker Beck
Roths Parteikollege Volker Beck, zugleich Präsident der deutsch-israelischen Gesellschaft, kritisierte die Aussagen scharf. »Die Muster ihrer Sentenzen entsprechen klassischer deutscher Schuldabwehr«, schrieb Beck in einer Stellungnahme.
Roths Aussage sei nur eine Ecke vom Schuldkult-Vorwurf entfernt. Roth zitiere zwar »Freunde«, mache sich den Gedanken aber zu eigen. Damit liegt sie durchaus im Trend der antiisraelischen Bewegung unter dem Motto »Free Palestine from German Guilt«, so Beck. Roth stelle sich damit in eine geistige Tradition des Schuldabwehrdiskurses, in der Beck auch den Schriftsteller Martin Walser und den rechtsextremen AfD-Politiker Björn Höcke verortet.
Open Questions
- Wie beantwortet Roth die Frage nach der historischen deutschen Verantwortung?






