
Bettina Orlopp mahnt zu konstruktiven Verhandlungen mit Unicredit-Chef Andrea Orcel, während Sorgen über Stellenabbau und die Zukunft des Mittelstandsgeschäfts wachsen.
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Unicredit hat 2024 Anteile an der Commerzbank erworben und strebt eine Mehrheitskontrolle an. Die Bundesregierung hält noch rund 13 Prozent der Anteile.
Frankfurt. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat vor einem Scheitern der Übernahmegespräche mit Unicredit gewarnt. „Es ist im Interesse beider Parteien, dass die Gespräche erfolgreich sind. Wir sollten es tunlichst nicht verbaseln“, sagte sie am Mittwoch auf dem Handelsblatt Banken-Gipfel mit Blick auf die laufenden Gespräche mit Unicredit-Chef Andrea Orcel zur möglichen Strategie eines fusionierten Geldhauses.
Es stünde viel auf dem Spiel, führte Orlopp weiter aus: Die laufende Übernahme von Deutschlands zweitgrößter börsennotierter Bank durch die Mailänder sei ein Testfall für grenzübergreifende Bankfusionen in Europa. Daher entstünde im Fall eines Scheiterns nicht nur dem Geldhaus selbst ein Schaden, sondern auch Aktionären und Mitarbeitern. „Es wäre auch ein Schaden für den europäischen Bankenmarkt“, sagte Orlopp.
Unicredit ist 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und wird nach einem Übernahmeangebot bald fast 50 Prozent der Anteile kontrollieren. Damit haben die Italiener bei der nächsten Hauptversammlung die Mehrheit und können die Kontrolle übernehmen.
Zweitgrößter Aktionär ist die Bundesregierung, die nach der Rettung des Instituts in der Finanzkrise noch mit rund 13 Prozent beteiligt ist. Der Bund hatte sich lange für die Eigenständigkeit der Commerzbank starkgemacht, seinen Widerstand gegen eine Übernahme allerdings im Sommer aufgegeben.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat Unicredit-Chef Orcel für den 14. September nach Berlin eingeladen und will ihm dort in einem persönlichen Gespräch die Position der Bundesregierung darlegen. Ihr ist vor allem eine stabile Finanzierung des deutschen Mittelstands und der Erhalt eines starken Finanzplatzes Frankfurt wichtig. Wie es nach der Übernahme konkret weitergeht, sollen beide Geldhäuser jedoch direkt miteinander besprechen.
In Richtung Mailand appellierte Orlopp: „Es funktioniert nicht feindlich.“ Daher sollten sich die Führung von Unicredit und der Commerzbank zusammensetzen und ihre strategischen Pläne nebeneinanderlegen. Die Commerzbank-Chefin hatte sich Anfang August optimistisch gezeigt, in Gesprächen mit Orcel aus dem feindlichen Übernahmeversuch noch einen freundlichen Deal zu machen. Andere Beteiligte teilen diese Zuversicht jedoch nicht.
Sie haben Zweifel, ob Orcel zu größeren Anpassungen an seinem Plan bereit ist. Er hat angekündigt, im Falle einer Übernahme allein in Deutschland 7000 Vollzeitstellen zu streichen und das Auslandsnetz der Commerzbank deutlich auszudünnen.
Auch Orlopp teilt diese Zweifel, wie sie am Mittwoch betonte. Obwohl die Commerzbank bereits ein umfangreiches Sparpaket aufgelegt hat, wolle Orcel das Kosten-Ertrags-Verhältnis um weitere zwölf Prozentpunkte senken. Einsparungen in diesem Umfang seien nur „zu einem hohen Preis“ zu erreichen.
Orcel hat zudem mehrfach erklärt, über das weitere Vorgehen vor allem mit der Bundesregierung, den Arbeitnehmervertretern und den Leitungsgremien der polnischen Commerzbank-Tochter M-Bank sprechen zu wollen. Den Commerzbank-Vorstand erwähnte er dabei nicht.
Bei den Gesprächen in den vergangenen Wochen ging es Finanzkreisen zufolge vor allem um technische Fragen, wie beide Institute nach der Genehmigung der Kontrollübernahme durch die Bankenaufsicht weiter vorgehen wollen. Unicredit wird die Commerzbank dann vollständig in der eigenen Bilanz konsolidieren und braucht dafür Informationen vom Frankfurter Geldhaus.
Zudem wurde über rechtliche Fragen gesprochen. Beide Banken müssen beispielsweise aufpassen, dass sie bei bilateralen Gesprächen keine vertraulichen Informationen austauschen, die dazu führen, dass andere Commerzbank-Aktionäre benachteiligt werden.
Die Commerzbank hofft zudem, mit Orcel auch über die künftige Ausrichtung des Geldhauses sprechen zu können. „Die Tür für strategische Gespräche ist aus unserer Sicht geöffnet“, sagte Aufsichtsratschef Jens Weidmann kürzlich. Nach einer langen, nicht immer konstruktiven Phase brauche es aber Zeit, „bis Vertrauen entsteht und grundlegende Fragen sinnvoll diskutiert werden können“.
Wegen der unklaren Zukunftsaussichten hat sich inzwischen auch die Stimmung innerhalb der Commerzbank eingetrübt, wie mehrere Mitarbeiter dem Handelsblatt berichten. Viele von ihnen fürchten, dass wichtige Beschäftigte das Institut wegen des bevorstehenden Verkaufs früher oder später verlassen werden. „Dann übernimmt Orcel hier irgendwann einen Trümmerhaufen“, sagte ein Commerzbank-Insider, der anonym bleiben möchte.
Ein zentraler Streitpunkt zwischen Orlopp und Orcel ist die Zukunft des Auslandsnetzes. Die Commerzbank hält es für essenziell, weil das Geldhaus damit auch kleine Mittelständler bei Geschäften im Ausland begleiten kann. Unicredit möchte außerhalb Europas dagegen vor allem mit Partnern, sogenannten Korrespondenzbanken, zusammenarbeiten.
Die Konkurrenz beobachtet die Situation bei der Commerzbank genau. Die Frage, ob ein Finanzinstitut im Ausland Personal vor Ort brauche, „kann man nicht pauschal mit ja oder nein beantworten“, sagte LBBW-Chef Rainer Neske dem Handelsblatt. „Das ist eine Frage des Geschäftsmodells.“
Unicredit setzte vor allem auf Korrespondenzbanken und habe ein sehr gutes Verhältnis von Kosten zu Erträgen (Cost-Income-Ratio). „Wir und andere Institute finden eigenes Personal vor Ort dagegen wichtig“, betont Neske. Das koste natürlich Geld. „Aber es hilft dabei, die Unternehmen besser zu verstehen, eine noch engere Beziehung aufzubauen und sie über lange Zeiträume zu begleiten.“
Orlopp und ihr Team hätten in den vergangenen Jahren „einen Bombenjob“ gemacht, lobt Neske. „Die Commerzbank ist eine sehr leistungsfähige Bank, die in den letzten zwei bis drei Jahren mit einem beeindruckenden Kampfgeist einiges auf die Straße gebracht hat.“
Bei einer Zusammenlegung der Commerzbank mit der deutschen Unicredit-Tochter Hypo-Vereinsbank (HVB) rechnet sich die LBBW wie andere deutsche Institute Chancen aus. Große Mittelständler und Firmenkunden hätten in der Regel ein Konsortium mit drei bis fünf Kernbanken, berichtet Neske. In Deutschland seien die LBBW, die Deutsche Bank, die Commerzbank und Unicredit fast immer dabei.
Hinzu kämen vereinzelt noch andere Landesbanken oder Auslandsbanken. „Nach einer Fusion hätte Unicredit in vielen Konsortien eine dominante Position“, betont Neske. Das werde Unicredit aus Risikogesichtspunkten nicht wollen – und viele Kunden auch nicht.
„Einige Unternehmen haben uns bereits gefragt, ob wir bereit wären, in den Kreditkonsortien eine größere Rolle zu übernehmen“, sagte Neske. Die LBBW sei in der aktuellen Situation natürlich gesprächsbereit. „Das gilt für Kunden genauso wie für Mitarbeiter.“
Auch die DZ-Bank wappnet sich für eine Übernahme der Commerzbank: „Wir bereiten uns darauf vor“, sagte DZ-Bank-Chef Cornelius Riese am Mittwoch auf dem Banken-Gipfel. Sie werde sicher auch Chancen bieten. Er beobachte die Transaktion jedoch auch mit Respekt, da diese mittelfristig einen starken Wettbewerber formen werde.
Riese rechnet damit, dass grenzüberschreitende Fusionen zwischen Universalbanken „er eine Seltenheit bleiben“ würden. Das liege an fehlenden IT-Synergien. Er verwies zudem auf nationale Besonderheiten wie beispielsweise das Altersvorsorgedepot als Ersatz für die Riester-Rente, das in Deutschland Anfang kommenden Jahres startet. „Das ist die eigentlich große Herausforderung.“
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Treffen zwischen Finanzminister Klingbeil und Unicredit-Chef Orcel am 14. September.
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