
Der weltweit größte Staatsfonds hat Stresstests für sein Aktienportfolio veröffentlicht, die auch für Privatanleger wichtige Erkenntnisse liefern.
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Der norwegische Staatsfonds verwaltet Öleinnahmen für künftige Generationen und investiert weltweit in Aktien. Die Analyse wurde vom Finanzministerium in Auftrag gegeben.
Der größte Staatsfonds der Welt erklärt, wie stark sein Aktienportfolio in verschiedenen Krisenszenarien fallen könnte. Das ist auch für Privatanleger interessant.
Düsseldorf. Am Aktienmarkt beschäftigen zwei Themen die Anlegerinnen und Anleger weltweit: geopolitische Risiken, wie sie durch den Ukraine- und Irankrieg sowie den Zollstreit sichtbar werden, sowie Konzentrationsrisiken, die sich aus der Abhängigkeit von wenigen großen Unternehmen ergeben.
Norwegens Finanzministerium hat daher den Staatsfonds des Landes dazu aufgefordert, relevante Szenarien zu entwickeln, wie sich die Risiken auf dessen Anlagen auswirken können. Der Fonds investiert die Einnahmen aus dem norwegischen Öl- und Gasgeschäft, um den Wohlstand des Landes für zukünftige Generationen zu sichern.
Der weltweit größte Staatsfonds hat am Mittwoch seine Antwort veröffentlicht. Weil der Fonds unter Führung von Nicolai Tangen seine Aktieninvestments weltweit streut, ist die Antwort auch für ETF-Anleger interessant. Die Risikoanalyse lässt sich also grob auf das eigene Depot übertragen.
Bei Aktieninvestments orientiert sich der Staatsfonds am Index FTSE Global All Cap. Erst kürzlich wurde ein passender ETF dazu in Deutschland veröffentlicht. Er bildet große, mittlere und kleine Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab.
Ein derart breit angelegter Anlagestil bietet den Vorteil, dass er lokale Risiken abfedern kann. Allerdings gibt es Grenzen, wie Norwegens Staatsfonds schreibt: „Die Stresstests der norwegischen Zentralbank zeigen, dass Diversifizierung den Fonds nicht vor geopolitischen Ereignissen und Verwerfungen schützen kann, die gleichzeitig eine große Zahl von Märkten, Anlageklassen und Sektoren betreffen.“
In einem solchen Fall könnte der Wert des Fonds um 30 bis 40 Prozent sinken. Diese Verluste würden sich der Analyse zufolge auch schwer verhindern lassen: „Selbst bei umfassenden Systemen zur Risikoüberwachung ist es nicht zwangsläufig möglich, das Engagement in betroffenen Märkten vor Ausbruch einer Krise zu reduzieren.“
Das zweite Risiko ist die steigende Marktkonzentration. Dadurch wird das Aktienportfolio weniger diversifiziert und anfälliger für Entwicklungen in einzelnen Märkten, Sektoren und Unternehmen.
So haben US-Unternehmen über längere Zeit ein höheres reales Wachstum erzielt als Unternehmen in anderen Regionen. Dementsprechend stark sind US-Aktien gestiegen und haben ihr Gewicht in den globalen Indizes ausgebaut. Zwar gewichtet Norwegens Staatsfonds US-Aktien gegenüber dem FTSE Global All Cap unter, allerdings haben die USA immer noch ein Gewicht von 50 Prozent.
Auch in den Sektoren gibt es ein Klumpenrisiko. Die Tech-Branche kommt auf ein Gewicht von 32 Prozent. Das spiegelt sich auch im hohen Anteil der zehn größten Einzelpositionen wider. Acht sind Tech-Unternehmen, zusammen kommen die Top Ten auf ein Gewicht von 21 Prozent. Die restlichen über 7000 Unternehmen teilen sich die restlichen 79 Prozent.
Aktuell setzen Anleger darauf, dass Unternehmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) ihre Gewinne deutlich steigern können und KI die Produktivität steigert. Sollte eine oder beide Erwartungen nicht erfüllt werden, rechnet Norwegens Staatsfonds mit Verlusten von 18 bis 35 Prozent.
Zwar soll sichergestellt werden, dass der Aktienanteil am Gesamtportfolio nahe dem strategischen Zielwert von 70 Prozent bleibt. Obergrenzen für einzelne Märkte oder Sektoren empfehlen die Norweger aber nicht.
„Nach Einschätzung der Bank muss das mit dem Konzentrationsniveau im aktuellen Referenzindex verbundene Risiko als Merkmal eines marktkapitalisierungsgewichteten Index akzeptiert werden“, schreibt der Fonds. Denn das könnte dazu führen, dass Anleger an den Renditen der Unternehmen mit den besten Zukunftsaussichten nicht partizipieren.
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Keine Einführung von Obergrenzen für Sektoren oder Märkte im Fonds.
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