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Die Schufa führt neben ihrer offiziellen Datenbank eine zweite Sammlung mit älteren Daten, die als „Schattendatenbank“ bezeichnet wird. Diese enthält Informationen über alte Kredite, Pfändungen und Privatinsolvenzen. Die Organisation NOYB aus Wien hat eine Sammelklage und Unterlassungsklage eingereicht, um die Löschung dieser historischen Daten zu erwirken.
Frankfurt. Die Chefin der Auskunftei Schufa, Tanja Birkholz, gibt sich im Rechtsstreit über die sogenannten „Schattendatenbanken“ kämpferisch. „Alle Prognosemodelle, egal ob für die Konjunktur oder für Versicherungsmodelle, nutzen historische Daten. Auch wir sind da immer offen mit umgegangen. Insofern wundern wir uns schon ein bisschen über die Aufregung“, sagte Birkholz am Mittwoch auf dem Handelsblatt-Bankengipfel.
Auslöser des Streits ist die Speicherung historischer Daten. Recherchen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ hatten Mitte Juli offengelegt, dass die Auskunftei neben ihrer offiziellen Datenbank eine zweite Sammlung mit älteren Daten führt und diese als „Schattendatenbank“ bezeichnet.
Dort sind unter anderem Informationen über alte Kredite, Pfändungen und Privatinsolvenzen enthalten. Es geht um Forderungen, die Betroffene teils vor Jahren beglichen haben.
Die europäische Datenschutzorganisation None of Your Business (NOYB) aus Wien hatte kürzlich eine Sammelklage und eine Unterlassungsklage gegen die Schufa eingereicht. Sie verlangt die Löschung der historischen Daten.
Birkholz beruft sich auf eine Ausnahme im hessischen Datenschutzrecht, die der Schufa die Nutzung der Daten weiter erlaubt. Banken seien aufsichtsrechtlich verpflichtet, Score-Modelle vor dem Einsatz zu validieren, und solche Validierungen setzten statistische Daten aus der Vergangenheit voraus. Die Schufa sei bereit, den Fall bis zum Bundesgerichtshof zu tragen.
„Die Verarbeitung historischer Daten entspricht gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen. NOYB fordert trotzdem in der Unterlassungsklage, historische Daten zu löschen“, sagte Birkholz. Aus ihrer Sicht sei das für die Verbraucher und die Wirtschaft schädlich.
Historische Daten und Datentests seien erforderlich, um wissenschaftlich belastbare Scores, also Bonitätsbewertungen, zu entwickeln, ihre Qualität zu überprüfen sowie Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Verwendung von Daten sicherzustellen.
Birkholz zufolge interessieren sich Verbraucher häufig nur für ihre aktuelle Bonitätsbewertung und die aktuell einfließenden Werte. Über ältere Daten informiere man deshalb nicht.
Mit dem neuen Schufa-Score hatte Birkholz nach eigenen Angaben eine Transparenz-Offensive gestartet. Diese wird nun jedoch von dem Rechtsstreit überschattet.
Die Auskunftei wolle es Verbrauchern künftig einfacher machen, freiwillige Daten an die Schufa zu übermitteln, um deren Bonität zu verbessern, sagte die Schufa-Chefin und fügte hinzu: „Das ist die nächste Ausbaustufe. Umso mehr tut uns jetzt die juristische Diskussion weh, weil sie uns natürlich Zeit und Kraft nimmt, um diese Dinge jetzt weiterzuentwickeln, die wir tagtäglich von Menschen und von Verbrauchern gespiegelt bekommen.“
Die Auskunftei hatte im März eine neue Berechnungsmethode mit zwölf Kriterien eingeführt. Einfluss haben unter anderem das Alter des ältesten Bankvertrags und der ältesten Kreditkarte, vorhandene Zahlungsstörungen und der Status laufender Kredite. Verbraucher können ihren Score kostenlos einsehen. Gegen frühere Berechnungsverfahren sind noch Verfahren beim Bundesgerichtshof anhängig.
Die Schufa hat Daten von praktisch allen 69 Millionen Erwachsenen in Deutschland. Eine neue Analyse der Schufa zeigt, dass die zuletzt wieder gestiegenen Preise die finanzielle Situation der deutschen Verbraucher verschlechtern. „Die lange Phase wirtschaftlicher Schwäche hinterlässt zunehmend Spuren in den Finanzen einkommensschwächerer Haushalte“, sagte Birkholz. Eine Krise sehe sie indes noch nicht.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden rund 350.000 Verbraucher erstmals mit einer Zahlungsstörung erfasst, wie neue Schufa-Daten zeigen. Das seien gut sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und 44 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2019, also vor Beginn der Krisen.
Die Schufa spricht von einer Zahlungsstörung, wenn ein Verbraucher eine offene Forderung trotz mehrmaliger Mahnung nicht beglichen hat und der Gläubiger dies der Auskunftei meldet. Auch die Zahl zahlungsgestörter Kredite liegt laut Birkholz deutlich über dem Niveau der vergangenen Jahre. Im zweiten Quartal 2026 wurden demnach zwölf Prozent mehr Kredite fällig gestellt als im Vorjahreszeitraum.
AI outlook — possibilities, not facts
Der Rechtsstreit um die historischen Daten der Schufa wird vor dem Bundesgerichtshof verhandelt.
Very likely · Within months
Die Anzahl der erfassten Zahlungsstörungen in Deutschland wird weiter steigen.
Likely · Within months

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