Dax fällt leicht, Ölpreise und Zinsen belasten Märkte
Quick Look
- Der Dax schloss am Donnerstag 0,6 Prozent im Minus bei 25.267 Punkten, belastet durch hohe Brent-Ölpreise und steigende US-Staatsanleihenrenditen.
- Am Freitagmorgen zeigte der Index vorbörslich leichte Gewinne.
- Marktteilnehmer warten auf Konjunkturdaten aus Europa und den USA, darunter das GfK-Verbrauchervertrauen, die Geldmenge M3 im Euroraum sowie US-Auftragseingänge und Michigan-Stimmungsindex.
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Why It Matters
Der Dax spiegelt die Stimmung an den deutschen Aktienmärkten wider und wird von globalen Faktoren wie Ölpreisen, Zinsentwicklungen und geopolitischen Ereignissen beeinflusst. Die genannten Indikatoren wie GfK-Verbrauchervertrauen, Geldmenge M3 und US-Konjunkturdaten sind wichtige Frühindikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung.
Düsseldorf. Anlegerinnen und Anleger zeigten sich am Donnerstag erneut pessimistisch. Der Dax beendete den Handel etwa 0,6 Prozent im Minus bei 25.267 Punkten. Belastend wirkte abermals der Preis für Europas wichtigste Rohölsorte Brent: Ein Fass (159 Liter) kostete in der Spitze 108 Dollar. Am frühen Freitagmorgen notiert der Dax auf außerbörslichen Handelsplattformen vorbörslich im Plus.
Kurz vor dem Wochenende könnten den deutschen Leitindex noch einmal Konjunkturindikatoren aus Europa und aus den USA bewegen. Nun zeigt sich, wie Verbraucher und Industrie gestimmt sind: Den Anfang macht das GfK-Verbrauchervertrauen für Oktober, das zeigt, wie sich die deutschen Konsumenten aktuell verhalten.
Im Euroraum folgt die Geldmenge M3 für August, außerdem stehen detaillierte Daten zum spanischen Bruttoinlandsprodukt und zu den französischen Löhnen im zweiten Quartal an. Am Nachmittag rücken mit dem Auftragseingang langlebiger Güter und dem Stimmungsindex der Universität Michigan die USA in den Fokus.
In den USA trafen am Donnerstag Chinas Staatschef Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump aufeinander. Trump sagte vor Beginn der formellen Gespräche, seit seiner ersten Wahl 2016 hätten Xi und er eine „wirklich großartige Freundschaft“ aufgebaut, die auf gegenseitigem Respekt und den wesentlichen Interessen beider Völker beruhe.
An der Wall Street sorgte das Treffen jedoch zunächst kaum für Bewegung. Nach dem verlustreichen Vortag blieben größere Kurssprünge aus. Die Furcht vor einer Eskalation im Nahen Osten und steigende Anleiherenditen bremsten die US-Börsen.
Im späten Handel erholten sich die Indizes von ihren Tagestiefs. Zuvor hatte Reuters berichtet, dass Unterhändler der USA und des Irans einen schrittweisen Ausweg aus dem Krieg ausloten. Demnach könnte Teheran die Straße von Hormus wieder öffnen und Washington im Gegenzug seine Wirtschaftsblockade gegen den Iran aufheben.
Die Renditen der Staatsanleihen sind zuletzt wieder angestiegen, nachdem starke US-Wirtschaftsdaten an den Märkten zu steigenden Zinserwartungen geführt hatten. Sie machen die als sicher geltenden Papiere für Investoren im Vergleich zu Aktien attraktiver.
Die 30-jährigen US-Staatsanleihen rentierten in der Spitze mit 5,4583 Prozent und damit so hoch wie seit 2004 nicht mehr. Während die Zinsen für kurzlaufende US-Anleihen die Zinserwartungen widerspiegeln, zeigen die Papiere mit 30-jähriger Laufzeit die Bereitschaft der Investoren, die Staatsverschuldung langfristig zu finanzieren.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe legte am Mittwoch auf 5,13 Prozent zu – und erreichte damit den höchsten Stand seit fast 20 Jahren. Sie zog aber eine der geringsten Nachfragen an, die es bei einer Auktion dieser Laufzeit je gegeben hat. Kyle Rodda zufolge ist dies ein Hinweis darauf, dass die Zurückhaltung der Anleger gegenüber US-Staatspapieren nicht nur mit einer aus ihrer Sicht unzureichenden Inflationskompensation zusammenhänge, sondern auch mit schwindendem Vertrauen in die Anlageklasse selbst.
Das Handelsvolumen in der Region blieb jedoch dünn, da viele Handelsplätze feiertagsbedingt geschlossen blieben. So fand an der Börse Shanghai kein Handel statt, und der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen wurde ebenfalls nicht gehandelt.
Die Stimmung der Anleger wurde von stark steigenden Renditen bei Staatsanleihen dominiert, die Befürchtungen über höhere weltweite Kreditkosten schürten. In Japan kletterte die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 1996. „Die weltweiten Anleihemärkte schreien auf, und das zu ignorieren, könnte sehr teuer werden“, warnte Nigel Green, Chef des Finanzberaters deVere Group.
Sobald die risikofreien Zinsen in den USA über fünf Prozent lägen, müsse jeder Vermögenswert seinen Preis rechtfertigen.
In Japan sorgten zudem diplomatische Gespräche für Aufsehen und bewegten die Währungsmärkte. US-Präsident Trump äußerte bei einem Gipfeltreffen mit der japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi Bedenken über die Schwäche der japanischen Währung. Dies enthüllte die japanische Finanzministerin Satsuki Katayama am Freitag. Takaichi habe Trump geantwortet, dass ein unterbewerteter Yen grundsätzlich problematisch sei.
In Nürnberg veröffentlicht die GfK die Zahlen zum Konsumklima. Die monatliche Umfrage des größten deutschen Marktforschungsinstituts unter 2000 Verbrauchern gilt als Frühindikator für Verbraucherausgaben und die Konjunktur. Jüngsten Prognosen zufolge soll der Index weiter auf minus 27 sinken. Der Index war zuletzt im Frühjahr 2022 positiv. In diesem Jahr lag er durchweg zwischen minus 20 und minus 30.
In den Vereinigten Staaten werden Zahlen zum Auftragseingang langlebiger Güter veröffentlicht. Steigende Auftragseingänge signalisieren Zuversicht in der Wirtschaft. Die jüngsten Ergebnisse waren leicht positiv. Nun erwarten Fachleute, dass die Aufträge leicht zurückgehen, aber nicht in den negativen Bereich abrutschen. Zuletzt waren die Auftragseingänge im Juni negativ.
Die University of Michigan präsentiert Daten zur US-Konjunktur und zur erwarteten Inflation. Die Erhebungen der Wissenschaftler beziehen sich auf die kommenden zwölf Monate, sie gelten als wichtige Frühindikatoren. So soll die Inflation künftig wieder sinken. Die Teuerungsrate betrug im August in den USA 3,4 Prozent und war damit stabil geblieben im Vergleich zum Vormonat.
In den USA stellt der Rohstoffdienstleister Baker Hughes die Zahl der aktiven Bohrlöcher und neuen Bohrungen vor. Diese Daten zeigen, wie hoch die Nachfrage nach amerikanischem Öl ist und wie sie sich angesichts der Lieferengpässe für Öl aus dem Nahen Osten entwickeln wird. Am Mittwoch und am Donnerstag war der Preis für Europas wichtigste Rohölsorte Brent wieder deutlich gestiegen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Der Dax könnte sich am Freitag weiter erholen, wenn die Vorbörsindikation bestätigt wird.
Possible · Within hours
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe könnte weiter steigen, wenn die Inflationserwartungen hoch bleiben.
Possible · Within days
Open Questions
- Wie werden die konkreten Ergebnisse des GfK-Verbrauchervertrauens für Oktober ausfallen?
- Wird es zu einer konkreten Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran über die Straße von Hormus kommen?
- Wie werden die japanischen Währungsspannungen die weitere Geldpolitik der Bank of Japan beeinflussen?




