
Analysten heben ihre Schätzungen für Commerzbank, Siemens Energy und Hochtief kräftig an, während Rekordgewinne in Aussicht stehen.
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Die 40 Dax-Konzerne steigerten ihre Nettogewinne im ersten Halbjahr um 13,5 Prozent. Analysten reagieren darauf mit angehobenen Dividendenprognosen für ausgewählte Unternehmen.
Düsseldorf. Im ersten Halbjahr haben die 40 Dax-Konzerne ihre Nettogewinne im Vergleich zum Vorjahr um 13,5 Prozent auf 68,3 Milliarden Euro gesteigert. Für das Gesamtjahr zeichnen sich Rekordgewinne ab.
Davon werden die Aktionäre profitieren, denn viele Unternehmen dürften ihre Dividenden anheben. Für drei der 40 Dax-Konzerne sind nach Handelsblatt-Recherchen seit Jahresbeginn die Prognosen für die nächste Ausschüttung um mehr als zehn Prozent gestiegen, bei zweien sogar um mehr als 20 Prozent.
Bei diesen drei ungewöhnlichen Dax-Konzernen lohnt aber mehr als nur der Blick auf die Dividenden – und das nicht nur aufgrund der sich 2026 abzeichnenden Rekordgewinne.
Commerzbank-Aktie: Bewertung sinkt trotz stark steigender Kurse
Seit Jahresbeginn haben Analysten ihre Dividendenprognosen für das drittgrößte deutsche Finanzinstitut – nach Deutscher Bank und DZ Bank – im Schnitt um 23 Prozent angehoben. Das zeigen Daten des Finanzspezialisten Bloomberg, bei dem die Analysen und Schätzungen aller Fachanalysten zusammenlaufen.
Aktuell liegt die Prognose bei 1,59 Euro je Aktie, die von der Commerzbank nach der nächsten Hauptversammlung am 19. Mai 2027 an alle Aktionäre ausgeschüttet werden könnten. In diesem Frühjahr gab es 1,10 Euro. Es wäre die fünfte Steigerung in Folge, nachdem es lange Zeit infolge der Banken- und Finanzkrise gar keine Dividenden für Aktionäre gegeben hatte.
Wachstumstreiber war vor allem das Wertpapiergeschäft. Auch nahm die Commerzbank mehr Gebühren mit der Begleitung von Anleiheemissionen ein.
Nach einem Nettogewinn von knapp 900 Millionen Euro im zweiten Quartal und 1,8 Milliarden Euro im ersten Halbjahr erhöhten mehrere Analystenhäuser ihre Kursziele.
Aktuell empfehlen elf von 19 Experten die Aktie zum Kauf, zwei raten zum Verkauf. Anfang des Jahres war das Verhältnis mit acht Kauf-, neun Halten- und drei Verkaufsempfehlungen deutlich schlechter. Seitdem ist der Kurs um weitere 17 Prozent gestiegen, nachdem sich die Aktie in den zwei Jahren zuvor bereits mehr als verdreifacht hatte.
Im Gesamtjahr prognostizieren Analysten im Schnitt einen Nettogewinn von knapp 3,5 Milliarden Euro. Das wäre so viel wie noch nie in der 156-jährigen Institutsgeschichte.
Stark steigende Gewinne machen die Aktie trotz steigender Aktienkurse preiswerter als im langjährigen Mittel. Die gesamte Bank und heruntergerechnet jeder einzelne Anteilsschein kosten derzeit den 11,9-fachen Gewinn. Basis für dieses Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist der von Analysten im Durchschnitt prognostizierte Nettogewinn in den nächsten vier Quartalen. Damit ist die Aktie um 25 Prozent niedriger als im Zehn-Jahres-Mittel bewertet.
Doch sowohl Bewertungen als auch die stark steigende Dividende spielen bei der Commerzbank und für ihre Kursperspektiven wohl nur eine untergeordnete Rolle. Im Fokus steht der Übernahmekampf mit der italienischen Großbank Unicredit. Dieser birgt Risiken und Chancen zugleich.
Nach mehreren Aktienzukäufen hält Unicredit inzwischen knapp 50 Prozent aller Commerzbank-Anteilsscheine.
Um weitere Aktien zu übernehmen, könnte Unicredit den freien Aktionären ein Angebot unterbreiten, das über dem aktuellen Kurs liegt. Alternativ sind Käufe an der Börse möglich, was den Kurs weiter nach oben treiben dürfte.
Lange Zeit hatten sich die Commerzbank ebenso wie die Bundesregierung gegen eine Übernahme gestellt. Mit einem Stimmrechtsanteil von 12,7 Prozent ist der Bund zweitgrößter Aktionär. Seine Beteiligung geht auf die staatliche Rettung der Commerzbank im Zuge der Finanzmarktkrise 2008/09 zurück.
Inzwischen ist der Widerstand einem konstruktiven Dialog gewichen. Unicredit-Chef Andrea Orcel hat vorgeschlagen, dass die Commerzbank noch zwei Jahre eigenständig bleibt, bevor sie mit der Münchener Tochtergesellschaft Hypovereinsbank zusammengeführt wird. Diese hatte Unicredit 2005 übernommen.
Während dieser zwei Jahre soll die Commerzbank nach Orcels Vorstellungen 7000 von 40.000 Stellen einsparen, mehr investieren und die Vorsorge für Risiken erhöhen. Dies ginge zulasten des Gewinns und damit auch der Dividende, was die Kurschancen begrenzen könnte.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp will hingegen die Übernahme für die Italiener möglichst teuer machen. Mit dem Rückkauf eigener Aktien für weitere 1,2 Milliarden Euro soll das Angebot an frei handelbaren Aktien verknappt und damit der Kurs weiter nach oben getrieben werden.
Siemens-Energy-Aktie: bestes Analystenvotum
Um 22 Prozent haben die Fachanalysten ihre Dividendenprognose im Schnitt für den Energietechnikkonzern angehoben. Diese liegt gegenwärtig bei 1,97 Euro je Aktie für die Ausschüttung unmittelbar nach der Hauptversammlung am 25. Februar. 70 Cent gab es in diesem Jahr. Es wäre die zweite Steigerung in Folge.
Im dritten Geschäftsquartal, das im Juni endete, erzielte Siemens Energy Rekordwerte bei Umsatz, Gewinn und Profitabilität. Der Auftragsbestand erreichte Ende Juni rekordhohe 162 Milliarden Euro. Die Windkraftsparte mit der spanischen Tochter Gamesa, die in den vergangenen Jahren Milliardenverluste angehäuft hatte, schrieb im vergangenen Quartal erstmals seit 2022 Profite.
Wachstumstreiber sind dabei das Gasturbinen- und Servicegeschäft sowie das Geschäft mit Technologien für Stromnetze. In den ersten neun Monaten stieg der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 91 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr prognostizieren Analysten im Schnitt einen Rekord-Nettogewinn von 3,8 Milliarden Euro, nach 1,4 Milliarden Euro im Jahr davor.
In den vergangenen zwölf Monaten ist die Aktie um gut 40 Prozent gestiegen. Der Effekt aus steigenden Kursen bei noch stärker steigenden Unternehmensgewinnen macht die Aktie günstiger als früher. Das KGV liegt mit 23,7 um 28 Prozent unter dem eigenen Durchschnitt. Die Aktie notiert allerdings erst seit September 2020 an der Börse.
Der Konzern, der sich in Omterra umbenennen wird, profitiert vom wachsenden Bedarf an Strom, Datenzentren und der Digitalisierung der Industrie. Bis zum Jahr 2035 wird nach einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) die Spitzenstromnachfrage um rund 40 Prozent steigen. Dafür werden viele neue Kraftwerke und Stromnetze benötigt.
Lukrativ ist das Geschäft mit den großen Technologiekonzernen. Amazon, Alphabet und Microsoft investieren hohe Milliardensummen in Rechenzentren und benötigen dafür eine zuverlässige Stromversorgung. Die ehemalige Siemens-Tochter liefert die Turbinen und übernimmt oft auch die anschließende Wartung und den Service.
Potenzial bietet der US‑Markt. Dort steuert die bei US-Präsident Donald Trump und seiner Regierung unbeliebte Wind-, Solar- und Speicherbranche auf ihr stärkstes Jahr zu. Bereits im vergangenen Jahr waren erstmals mehr als 50 Gigawatt sauberer Kraftwerksleistung ans Netz gegangen. Wind und Sonne lieferten in der ersten Jahreshälfte des laufenden Jahres gut ein Fünftel des US-Stroms und haben zusammengerechnet die Kernkraft überholt.
25 von insgesamt 32 Fachanalysten, die das Unternehmen regelmäßig analysieren, empfehlen den Kauf der Siemens-Energy-Aktie, nur zwei raten zum Verkauf.
Hochtief-Aktie: Anfällig für Kursrückschläge
Um zehn Prozent sind die Dividendenschätzungen seit Anfang Januar für den Baukonzern gestiegen. Die Durchschnittsprognose liegt aktuell bei 9,07 Euro je Aktie, die nach der nächsten Hauptversammlung am 28. April ausgeschüttet werden könnten. In diesem Jahr haben Anleger 6,60 Euro bekommen. Es wäre die fünfte Erhöhung in Folge.
Hochtief baut Straßen, Brücken, Tunnel, Flughäfen, Krankenhäuser und Wolkenkratzer. Auch Anlagen für die Energiewende wie Solarparks, Bergbauanlagen und militärische Infrastruktur errichten die zu Hochtief gehörenden Firmen. Der spanische Bau- und Infrastrukturkonzern ACS hält 80 Prozent der Anteile. Nur 20 Prozent sind an der Börse gestreut.
Das Essener Unternehmen notiert erst seit einem Vierteljahr im Dax. Die Aktie profitiert von milliardenschweren Infrastrukturprogrammen und Verteidigungsausgaben in etlichen Ländern, vor allem aber vom KI‑Boom. In den USA baut der Konzern Rechenzentrumsgebäude für große Tech-Konzerne, unter anderem am größten Datenzentrum des Facebook-Mutterkonzerns Meta. Die Aufträge für Rechenzentren haben sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt
Nach einem Nettogewinn von 902 Millionen Euro im vergangenen Jahr dürfte Hochtief 2026 erstmals mehr als eine Milliarde Euro verdienen. Analysten prognostizieren im Schnitt knapp 1,1 Milliarden Euro. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen drei Jahren vervierfacht und ist in den vergangenen zwölf Monaten um 65 Prozent gestiegen.
Dieser Effekt aus steigendem Gewinn und sehr viel stärker steigendem Kurs macht die Aktie mit einem KGV von 25,7 teuer und damit anfällig für Rückschläge. Das Zehn-Jahres-Mittel liegt um gut 40 Prozent niedriger. Auch deshalb sind viele Analysten skeptisch. Nur zwei von insgesamt zehn Fachanalysten empfehlen die Aktie auf diesem Kursniveau noch zum Kauf.
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Commerzbank-Hauptversammlung am 19. Mai 2027
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