Dax vor schwierigem September: Warum der Börsenmonat zum Risiko wird
Der deutsche Aktienmarkt steht unter Druck: Energiepreise, steigende Zinsen und Zweifel am KI-Hype könnten den Dax weiter belasten.
Quick Look
- Der Dax verzeichnet im September Verluste.
- Handelsblatt-Redakteur Andreas Neuhaus warnt vor einer Kombination aus steigenden Energiepreisen durch geopolitische Spannungen, höheren Zinsen und einer möglichen Neubewertung des KI-Produktivitätsbooms.
AI-generated summary
Why It Matters
Der Dax weist historisch betrachtet in den Monaten Juni, August und September negative Durchschnittsrenditen auf. Die aktuelle Marktlage wird durch geopolitische Spannungen am Persischen Golf verschärft.
Zwei der drei traditionell schwachen Börsenmonate hat der deutsche Aktienmarkt überstanden. Das könnte sich nun ändern, erklärt Handelsblatt-Redakteur Andreas Neuhaus.
Der deutsche Leitindex Dax besteht seit Juli 1988. Seitdem gibt es nur drei Monate, die eine negative Durchschnittsrendite aufweisen: den Juni, den August und den September.
Die beiden erstgenannten Monate hat der Dax in diesem Jahr schadlos überstanden. Im August erreichte der Index sogar ein Rekordhoch von 26.619 Punkten. Jetzt droht aber der September seinem Image als Angstmonat alle Ehre zu machen.
Seit Monatsbeginn hat der Dax 2,6 Prozent an Wert verloren. Ohne die Erholung vom Freitag wäre das Minus sogar noch größer.
In der Spitze lagen die September-Verluste bereits bei 3,4 Prozent. Diese Tiefs könnten bald erneut angesteuert und unterboten werden, wenn die aktuelle Entwicklung anhält. Die Nachrichten vom Wochenende machen da wenig Hoffnung.
Da wäre zum einen die Situation am Energiemarkt. Hier hat sich die Situation durch zwei Entwicklungen verschärft.
Zum einen teilte die britische Seehandelsorganisation mit, ihr sei gemeldet worden, dass ein Projektil ein Schiff in der Meerenge von Hormus getroffen habe.
Gleichzeitig hat Saudi-Arabien die wichtige Ost-West-Pipeline vorläufig stillgelegt, die Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer transportiert.
Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist praktisch zum Erliegen gekommen, was den weltweiten Energietransport beeinträchtigt und die Preise in die Höhe treibt. Dass der Preisschock nicht noch größer ausfällt, liegt unter anderem daran, dass Saudi-Arabien die Ost-West-Pipeline als Ausweichroute nutzte.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur haben sich die saudischen Ölexporte über den am Roten Meer gelegenen Endhafen der Pipeline seit Beginn des Irankriegs mehr als verdoppelt. Bleibt die Pipeline nun länger abgeschaltet, würde das den Preisdruck auf dem Energiemarkt weiter erhöhen.
Durch die höheren Energiepreise sind die Zinserwartungen deutlich gestiegen. Das treibt wiederum die Anleiherenditen, also die Kapitalmarktzinsen. Für den Aktienmarkt ist das eine vierfache Belastung:
Durch die Energiepreise erhöhen sich die Kosten für die Unternehmen.
Gleichzeitig werden Investitionen teurer.
Die in der Zukunft liegenden Gewinne werden wiederum stärker abgezinst.
Zudem gewinnen Anleihen gegenüber Aktien durch die steigenden Renditen an Attraktivität.
Diese Belastungen sind nicht neu, sie werden jetzt nur stärker. Dass der Dax trotzdem neue Rekorde aufstellte, ist die eigentliche Überraschung. Möglich machten das die deutlich gestiegenen Gewinnerwartungen der Unternehmen. Solange diese stärker steigen als die Kostenbasis, können Anleger die hohen Energiepreise und Anleiherenditen ignorieren.
Hinter den steigenden Gewinnerwartungen steckt die Wette darauf, dass durch Künstliche Intelligenz die Produktivität steigt. Doch diese Wette könnten Investoren nun überprüfen, nachdem mehrere Experten am Wochenende warnten, dass das Entwicklungstempo der KI-Modelle gedrosselt werden müsse. Fällt die Prüfung negativ aus, könnte der Dax seinen Abwärtstrend fortsetzen und sogar beschleunigen.
Auch in diesem Fall gibt es aber Hoffnung für Anleger: Rückblickend waren die meisten Kurseinbrüche im September Einstiegsmöglichkeiten.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Dax könnte bei anhaltender Entwicklung die September-Tiefs erneut testen.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wie lange bleibt die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien stillgelegt?
- Wie reagieren KI-Unternehmen auf die Forderungen nach einer Drosselung der Entwicklung?







