Deutscher Stuckateur Maximilian Buerger bei den WorldSkills in Shanghai: Herausforderungen und Chancen im internationalen Wettbewerb
Quick Look
- Der 22-jährige Stuckateur Maximilian Buerger aus Wetter im Ruhrgebiet nimmt an den WorldSkills-Meisterschaften in Shanghai teil, wo er gegen stark vorbereitete chinesische Konkurrenten antreten muss.
- Der Wettbewerb findet seit 1950 alle zwei Jahre statt und umfasst 64 Disziplinen.
- China setzt stark auf die Nachahmung des deutschen dualen Ausbildungssystems, stößt jedoch auf strukturelle Hindernisse wie fehlende finanzielle Mittel bei KMUs und eine gesellschaftliche Präferenz für akademische Bildung.
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Why It Matters
Die WorldSkills-Meisterschaften finden seit 1950 alle zwei Jahre statt und bringen junge Fachkräfte aus verschiedenen Ländern zusammen, um in handwerklichen und technischen Berufen zu konkurrieren. China nimmt regelmäßig teil und hat in den letzten Ausgaben die meisten Titel gewonnen.
Mehr als 8.000 Kilometer liegen dazwischen - der Stadt Wetter im Ruhrgebiet, wo Maximlian Buerger herkommt, und der zwei Meter hohen Gipskartonwand, die er in einer der Messehallen in Shanghai gebaut hat.
"Die größte Schwierigkeit ist die Zeit, also die Konstruktion in den vorgegebenen zehn Stunden herzustellen", sagt der 22-jährige Stuckateur. "Und dann muss man natürlich nicht nur fertig sein, sondern es muss auch passen: also Maße, Winkel, Lot, Flucht."
Den Wettbewerb gibt es seit 1950
Buerger ist einer der 36 jungen Deutschen, die angetreten sind bei den "WorldSkills". Die Weltmeisterschaft der Berufe wird seit 1950 alle zwei Jahre in einem anderen Land ausgetragen - und gastiert dieses Mal in China.
1.400 Fachkräfte aus knapp 70 Ländern messen sich in klassischen Handwerksberufen wie Zimmerer, Maurer oder Fliesenleger und in modernen Technologien wie Zahntechnik, digitale Mediengestaltung, Software-Testing oder Drohnen-Bau.
Auch deswegen ist im Shanghaier Messezentrum eine spezielle Flugzone entstanden - neben Profiküchen, Friseur-Salons oder Optoelektronik-Laboren für Feinwerktechnik.
Gastgeber China weit vorne
Die härteste Konkurrenz komme aus dem Gastgeberland China, das seit Jahren die meisten Teilnehmer zu den "WorldSkills" schickt, sagt Buerger.
"Die haben eine Vorbereitung zwischen drei und fünf Jahren, habe ich gehört, tagtäglich. Und die bauen das zusammen wie einen IKEA-Schrank, das ist der Wahnsinn. Die brauchen gefühlt gar nicht mehr auf die Pläne gucken, alles im Kopf, das ist verrückt.."
Hoher Bedarf an Fachkräften
Junge gut ausgebildete Fachkräfte - davon hätte die kommunistische Staats- und Parteiführung gerne viel mehr. Etwa 50 Millionen von ihnen fehlten der Volksrepublik, heißt es aus dem Arbeitsministerium, mehr als die Hälfte davon in Schlüsselbereichen.
"Industrie und Ausbildung zu verzahnen ist entscheidend", sagte kürzlich der stellvertretende Bildungsminister Wang Guangyan. "So können wir die Talentförderung an den Bedarf der Industrie anpassen. So steigern wir die Qualität der Ausbildung und bringen unsere Entwicklung voran."
Deutschlands Ausbildungssystem als Vorbild
Auch deswegen versucht China seit Jahren, das duale Ausbildungssystem Deutschlands zu kopieren, indem die praktische Lehre ergänzt wird durch Theorievermittlung in der Berufsschule.
Nach Angaben von Staatsmedien betreibt China zwar das größte Berufsausbildungsnetz der Welt, mit allein 11.000 Berufsschulen. Der große Durchbruch dieses Bildungskonzepts ist bislang aber ausgeblieben.
Das liegt auch daran, dass anders als in Deutschland den kleinen und mittelständischen Unternehmen in China oft die finanziellen Ressourcen und Ambitionen fehlen, um in die Ausbildung von Nachwuchs zu investieren. Außerdem mangelt es an einheitlichen Lernstandards, die etwa unabhängige Handwerkskammern zertifizieren.
Starker Fokus auf akademische Ausbildung
Vielleicht am schwersten wiegt aber die in China weit verbreitete Meinung, dass die einzig wahre Bildung eine akademische ist. "Die Bedenken über den Status von beruflicher Bildung und über Karriereaussichten haben es erschwert, ein Ausbildungssystem wie in Deutschland umzusetzen", sagt Xiong Bingqi, Direktor des 21st Century Education Research Institutes, einer der renommiertesten Bildungsforscher Chinas. "Tatsächlich wird bis heute eine Berufsausbildung im Vergleich zu akademischer Bildung als weniger wert angesehen."
Auch wegen dieser Haltung hat es in diesem Jahr die Rekordzahl von 12,7 Millionen Universitäts-Abgängern in China gegeben. Doch deren Chancen inmitten einer schwachen Wirtschaft und technologischer Umbrüche wie Künstliche Intelligenz sind schlechter als früher.
"Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt besteht zu mehr als 70 Prozent aus Fachkräften und gut ausgebildeten Arbeitern. Wenn jeder Schüler einen Uni-Abschluss anstrebt, dann gibt es schlicht zu wenige Jobs dafür", sagt Bildungsforscher Xiong Bingqi.
Ingesamt 64 Disziplinen
Im Messezentrum in Shanghai sind sie gedanklich weiter. China schickt auch dieses Jahr die größte Delegation zu den "WorldSkills". In allen 64 Disziplinen sind Nachwuchskräfte aus der Volksrepublik am Start. Bei den vier vergangenen Weltmeisterschaften der Berufe hat China jeweils die meisten Titel gewonnen.
Auch deswegen ist Stuckateur Maximilian Buerger aus dem Ruhrgebiet skeptisch, wenn es um seine Siegchancen geht. Für Platz eins wird es wohl nicht reichen, "dafür sind die anderen zu gut". Er hofft auf einen Platz im Mittelfeld. Und China hofft auf mehr Fachkräfte durch berufliche Ausbildung.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
China wird seine Teilnahme und Leistung bei den WorldSkills in den kommenden Jahren weiter ausbauen.
Likely · Within years
Open Questions
- Wie genau plant China, die finanziellen und strukturellen Hindernisse bei der flächendeckenden Einführung des dualen Systems zu überwinden?
- Welche konkreten Maßnahmen ergreifen deutsche Institutionen, um ihr Ausbildungssystem angesichts internationaler Konkurrenz weiterzuentwickeln?

