
Tödliche Eislawinen und warnende Wissenschaftler: Warum wir trotz globaler Erdsystemforschung vor Katastrophen die Augen verschließen.
AI-generated summary
Chinesische Wissenschaftler identifizierten vor vier Jahren über 550 Hochrisiko-Gletscherseen im Himalaja. Glaziologen warnen vor Rekordschmelzen in den Alpen.
Hätte die tödliche Eislawinen-Katastrophe im viel besuchten Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet verhindert werden können? Natürlich hätte sie das. Allerdings nicht durch ein lokales Warnsystem, das in solchen Fällen mittlerweile reflexartig ins Spiel gebracht wird. Nicht im Himalaja und nicht im Kaukasus, nicht im alpinen Italien oder in der Schweiz, nirgends, wo in den vergangenen Jahren die Eis- und Gerölllawinen herabgestürzt sind. Das einzige Warnsystem, das in diesen Fällen hätte funktionieren können und sollen, ist seit vierzig Jahren installiert, es wird nur in schöner Regelmäßigkeit nach jeder und bis zur nächsten Katastrophe stumm geschaltet.
Der größte Fehler ist das aber noch nicht einmal. Viel fataler noch als das von eigener Unschuld getrübte Wegschauen und die Ignoranz ist die jede Vernunft kränkende Ideologisierung und damit Verachtung jener Institutionen, und zwar umso mehr, je anfälliger die Welt für solche Katastrophen wird. Die Rede ist von einem unvorstellbar großen – und alles andere als billigen – Netz der Klima-, Wetter- und Erdsystemforschung, das keinen Winkel der Erde mittlerweile unbeobachtet lässt.
Wie viel öffentliche Aufmerksamkeit? Null.
Was passierte, nachdem chinesische Wissenschaftler vor vier Jahren (wieder einmal) Alarm schlugen und unter den etwa 24.000 Gletscherseen im Himalaja-Gebiet mehr als 550 als „Hochrisiko-Gletscher“ identifizierten? Nichts. Dass der Weisshorn-Gletscher oberhalb von Randa im Wallis gefährlich instabil geworden ist, dass Hunderttausende Kubikmeter Eis abzubrechen drohen (und stückchenweise bereits abbrechen), erweckt, selbst vor dem Hintergrund der im vorigen Jahr erlebten Birch-Gletscher-Katastrophe in Blatten, wie viel öffentliche Aufmerksamkeit? Null.
Das ist die Tragödie der Katastrophennabelschau: Außer den herzzerreißenden Smartphone-Videos, die jedes dieser Unglücke inzwischen wie aus jedem Winkel nahezu in Echtzeit bekannt machen, erweckt heutzutage nichts mehr genug Aufmerksamkeit, um etwas Substantielles für den Schutz der Menschen zu bewirken. In diesen Tagen haben europäische Glaziologen angekündigt, dass die Gletscherschmelze in den Alpen nach den vergangenen Hitzewellen noch über das historische Rekordniveau von 2022 steigen wird.
Wer warnt, wird verspottet
Die Eisschilde, die im stabilen Zustand vor Gerölllawinen schützen und von deren Wasserabfluss Millionen (im Himalaja zwei Milliarden) Menschen, auch unzählige Arbeitsplätze, abhängig sind, gehen im Rekordtempo zugrunde. Vor wenigen Tagen hat der europäische Klima- und Wetterdienst Copernicus nie gemessene Meerestemperaturen dokumentiert. Auch dies ist eine wiederholte Warnung, die angesichts der Häufung von klimatischen Notlagen als solche gar nicht mehr gekennzeichnet, geschweige denn wahrgenommen wird.
Dass in einem solchen von realen Risiken und zunehmenden Warnungen durchsetzten Umfeld die Klimaschutzpolitik derart erodieren konnte, wie es derzeit in den USA, aber auch bei uns im Land passiert, ist geradezu makaber. Die Strategien dahinter sind unterschiedlich: Die einen entkoppeln die an sich beunruhigenden Phänomene von der eigentlichen Ursache, indem sie die Fehlannahme verbreiten, der Klimawandel sei ohnehin (und sowieso von der deutschen Bevölkerung allein) nicht mehr aufzuhalten, Klimaanpassungen wie Klimaanlagen hätten deshalb Priorität. Andere wiederum verwechseln ihre Umfragestärke mit Deutungshoheit und ersticken die Übermacht der Fakten mit billigen Parolen wie „Panikmache“.
Wer warnt, wird immer noch verspottet. Wissenschaftler aus Bremen haben in dieser Woche den Fingerabdruck des galoppierenden Klimawandels sogar schon in den Tiefen des Nordatlantiks physikalisch nachgewiesen. US-Forscher ihrerseits haben belegt, dass auch die sich zuspitzende Wasserkrise, in dem Fall im Westen der USA, ohne die massenhafte Emission klimaschädlicher Gase nicht hätte auftreten können. Die Warnung, die damit verknüpft ist, bleibt immer dieselbe: Solange die Erderhitzung nicht gebremst wird, wächst das Katastrophenpotential. Überall.

Nach einer verheerenden Sturzflut im Nuwakot-Tal in Nepal berichten Überlebende aus Trishuli-Bazar von der Zerstörung ihrer Häuser und Dörfer. Es gibt zahlreiche Tote und Vermisste, während die Betroffenen den Verlust ihrer Existenzgrundlage beklagen.
Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Unwettern mit Starkregen, Hagel und Sturmböen in weiten Teilen Deutschlands. Besonders im Südosten Bayerns sind orkanartige Böen bis 120 km/h möglich. Die Gewitter ziehen im Tagesverlauf von Süden nach Norden.

Ein starker El Niño im Pazifik sorgt weltweit für extreme Wetterereignisse: Dürren in Indonesien, Indien und Ostafrika, Einschränkungen am Panama-Kanal sowie schwere Sturmschäden durch Hurrikan Lala nahe Hawaii.

Nach einer verheerenden Sturzflut im nepalesischen Distrikt Rasuwa warnt die Katastrophenbehörde NDRRMA vor einem neuen, instabilen See. Mehr als 1300 Menschen werden vermisst, während die Region bereits unter den Folgen der Monsunzeit leidet.

Innenarchitekt Günter Holl hat in Eberbach ein klimafreundliches Haus gebaut, das dank Lehmdecken, cleverer Lüftung und spezieller Holzfassade ganz ohne Klimaanlage an heißen Sommertagen kühl bleibt. Experten fordern ein Umdenken im Bausektor.

Eine gewaltige Flut- und Schlammwelle des Flusses Bhotekoshi hat an der Grenze zwischen China und Nepal massive Zerstörungen verursacht. Mindestens 22 Menschen starben, Hunderte werden vermisst, darunter auch deutsche Touristen.