Sinkende Grundwasserspiegel und austrocknende Seen belasten Brandenburg. Experten sehen einen langfristigen Trend.
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Brandenburg gehört zu den gewässerreichsten Bundesländern, leidet jedoch unter sinkenden Grundwasserständen und Wassermangel.
Das Schilf steht im Trockenen und ins Wasser muss man nun 150 Meter weit laufen: Der Parsteiner See (Barnim), einer der größten natürlichen Seen Brandenburgs, hat sich in wenigen Jahren dramatisch verändert. Er ist kein Einzelfall, sondern steht symptomatisch für das gesamte Land. Brandenburg ist eines der gewässerreichsten Bundesländer Deutschlands, leidet aber gleichzeitig unter einer akuten Wasserkrise.
Wie dramatisch ist die Lage am Parsteiner See?
Aus Sicht von Christian Ellner, Landeschef des Naturschutzbunds (Nabu), wird am Parsteiner See sichtbar, «welche dramatische Entwicklung unser Grundwasser aktuell nimmt». Der See bekommt demnach sein Wasser fast ausschließlich aus der obersten Grundwasserschicht und reagiert deshalb unmittelbar auf sinkende Grundwasserstände. In etwa zehn Jahren ist der Grundwasserspiegel um rund 1,20 bis 1,30 Meter gefallen. An einer flachen Uferstelle hat sich ein bis zu 150 Meter breiter Sandstrand gebildet.
Sind austrocknende Seen die neue Normalität für Brandenburg?
Die niedrigen Grund- und Seewasserstände - auch in anderen Regionen Brandenburgs - sind nach Einschätzung von Gunnar Lischeid vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg (Märkisch-Oderland) keine kurzfristige Folge einzelner trockener Jahre. Vielmehr sei die Entwicklung das Ergebnis eines langfristigen Trends, der sich seit den 1980er Jahren parallel zum Temperaturanstieg und der zunehmenden Verdunstung abgezeichnet habe. Entwarnung gibt Lischeid nicht: «Die Grund- und Seewasserstände werden auch in den nächsten Jahren eher weiter sinken», so der Wissenschaftler.
Wie steht es um Brandenburgs Grundwasser?
In Brandenburg gibt es 18 Landkreise und kreisfreie Städte. In 15 davon herrscht laut einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Grundwasserstress. Das bedeutet, dass mehr Grundwasser entnommen als neu gebildet wird. Laut der Studie ist die ohnehin geringe Grundwasserneubildung in Brandenburg seit 1980 auch noch um bis zu 40 Prozent zurückgegangen.
Wo liegen die Ursachen?
Nach Einschätzung Lischeids hat der Klimawandel den größten Anteil an den sinkenden Wasserständen in Brandenburg. «Der globale Klimawandel spielt vor allem durch den Anstieg der Verdunstung und die dadurch bedingte Abnahme der Grundwasserneubildung bei weitem die größte Rolle», sagt der Wissenschaftler. In der Lausitz komme das gezielte Abpumpen als weiterer Faktor hinzu: «Dort spielt natürlich die Sümpfung der Tagebaue eine entscheidende Rolle.» Auch die Trockenlegung von Feuchtgebieten und Wasserentnahmen belasteten die Wasserbilanz, seien aber nicht die ausschlaggebenden Faktoren.
Was sollte aus Sicht des Umweltschutzes getan werden?
Ellner fordert, Wasser länger in der Landschaft zu halten. Noch immer seien viele Gräben und Drainagen darauf ausgerichtet, Niederschläge schnell abzuleiten. Stauanlagen müssten wieder ertüchtigt und entwässernde Strukturen teilweise zurückgebaut werden. «Wir müssen von dieser Entwässerung der Landschaft wegkommen», fordert er. Gleichzeitig würden Felder von Landwirten bewässert. Die Situation sei wie «eine Badewanne, wo der Stöpsel gezogen ist und trotzdem ist der Wasserhahn aufgedreht».
Wie könnte das neue Wassergesetz Brandenburgs die Lage verbessern?
Nach Ansicht des Nabu könnte das geplante Wassergesetz einen sparsameren Umgang mit Wasser fördern. Das Wassernutzungsentgelt sollte demnach deutlich stärker als Steuerungsinstrument genutzt werden. Der Verein fordert höhere Entgelte für große Wasserverbraucher aus Industrie und Wirtschaft sowie den Abbau von Privilegien für Bergbau und Landwirtschaft. Besonders kritisch sieht er, dass Tagebaubetreiber bislang kein Entgelt für das Abpumpen von Grundwasser zahlen und Landwirte bei der Beregnung nur für einen Bruchteil der tatsächlich entnommenen Wassermenge zur Kasse gebeten werden. Das sei fachlich nicht begründbar und setze angesichts zunehmender Wasserknappheit die falschen Anreize, erklärt Ellner. Die Trinkwasserversorgung für Bürger möchte der Nabu von höheren Belastungen ausnehmen.
Wie sieht die Zukunft aus?
Lischeid erwartet keine Trendwende: «Momentan gibt es keine Indizien dafür, dass die Entwicklung der letzten Jahrzehnte sich über Nacht wieder umkehren könnte, auch wenn einzelne nasse Jahre den Trend kurzzeitig unterbrechen können». Deshalb sei auch für die kommenden Jahrzehnte mit weiter fallenden Grundwasserspiegeln, trocken fallenden Flachseen und Kleingewässern sowie schrumpfenden Seewasserflächen zu rechnen.
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Sinkende Grund- und Seewasserstände in den kommenden Jahren
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